Hallo Tessa,
…hängengeblieben *autsch* und mir dabei das Ohrläppchen
angerissen.
Das muß keine richtige Narbe sein, sondern schlicht eine Narbe im Sinne einer etwas stärkeren Bindegewebsbildung nach dem Stechen (Du kennst ja Keloide und ihr kapriziöses Verhalten…)
ich nehme an, vor allem das linke Ohrläppchen ist oft blutig? Natürlich wird im Immungefecht auch die Haut in Mitleidenschaft gezogen -> Barrierefunktion geht verloren -> Allergene dringen noch leichter ein -> verstärkte Immunreaktion (ekzemtypischer Teufelskreis). Man könnte im mutigen Selbstversuch Kortison lokal über ein paar Wochen anwenden, aufgeschmiert auf einen garantiert nicht-allergenen Ohrstift (dann wächst das auch nicht zu beim Ausheilen). Natürlich haben es dann aufgrund des (eigentlich gewünschten) immunsuppressiven Effekts auch die Bakterien leichter. Im Zuge der notwendigen Hygienemaßnahmen muß man dann daran denken, daß Alkohol nicht nur Bakterienzellen zerstört, sondern auch diejenigen der lädierten Haut (da eben Hornbarriere weg). Eine antibiotische Salbe wäre in dieser Zeit also vielleicht gar nicht mal die schlechteste Idee. Solche Ekzeme bilden sich ja oft auch aufgrund chronischer mikrobieller Reizungen aus, auch wenn die Barrierefunktion ursprünglich durch die Ohrsteckerallergie verloren ging.
In letzterem läge auch einer der Erklärungsmöglichkeiten, warum das Ganze einseitig ist - vielleicht schläfst Du öfters auf dieser Seite (-> feuchter) oder machst dort (öfters als auf der anderen Seite) mit der (naturgemäß unsterilen) Hand herum.
Bei Dir ist ja aber interessanterweise die gesamte linke Körperhälfte allergener als die rechte. Da kann man natürlich nun trefflich spekultieren… der noch junge Zweig der Neuro-Psycho-Immunologie fällt mir da ein. Die meisten Immunzellen tragen ja Rezeptoren für symapthische und parasympathische Nervenbotenstoffe an ihrer Oberfläche, die ja z.B. von den vegatativen Hautnerven ausgeschüttet werden. So kann vermutlich das Gehirn das Immunsystem wenn auch nicht kontollieren, so dennoch modulieren. Demnach könnte das seelische Befinden (Stimmung, eigener Krankheitsumgang, Plazebomedikation, zuwendende Thepapiemethoden) ganz objektiv die Heftigkeit des peripheren Entzündungsvorganges beeinflussen. Vielleicht könnte man das ganze sogar bewußt steuerbar machen, z.B. mittels Konditionierung (der Pawlovsche Hund sabbelt, obwohl nur die Glocke klingelt und eigentlich kein Futte da ist) oder Biofeedback (man kann recht einfach lernen, z.B. die Herzfrequenz bewußt einzustellen). Sowohl Speichelproduktion als auch Herzfrequenz werden von den vegatativen Nerven gesteuert, müßte also mit dem Immunsystem auch machbar sein.
Was wollte ich jetzt eigentlich sagen? Ach ja, vielleicht gibt also das Nervensystem diese „Händigkeit“ der Allergieneigung vor. Vielleicht ist es sogar ganz direkt an die Händigkeit geknüpft. Ich bin z.B. Rechtshänder, und mein Heuschnupfen ist links auch deutlich stärker (weshalb ich die Mittel z.T. nur einseitig anwende).
müßte man mal untersuchen…
Wie gesagt, wenn man auf so chronisch lädierte Haut sachen drauftut, so wird man früher oder später allergisch dagegen. Die Allergie weitet sich also auch auf andere Metalle aus (von Dir ja trefflich beschrieben) oder z.B. auf Parfüms, Rasierwässer (-> eher nicht zur Desifektion hernehmen), Körperpflegemittel usw. usf. Daher eher vorsichtig sein.
viele Grüße,
Oliver
P.S. : Jeannys Vorschlag mit Kamillentee als Kortison-Daueralternative ist sicher nicht schlecht. Vorher vielleicht aber ausheilen, sonst kommen Kamillentee-Bestandteile durch die Haut durch, es wäre also eine Kamillentee-Allergie zumindest denkbar *g*