Hallo Oliver,
erst einmal tausend Dank für die ausführliche Antwort.n Gesundheitsamt und Lebensmittelaufsicht habe ich (!) schon informiert - der Stationsarzt gibt es jetzt auf den Weg (seit Dienstagabend Salmonelleninfektion bekannt.).
Leider sind die Lebensmittel vom bewussten Tag (Donnerstag, 5.9.) gestern schon vernichtet gewesen. Situation ist aber mit Mittagessen so:
ab 11:30 steht es in offenen Kübeln zum Warmhalten in dem Tresen zwischen Küche und Speisesaal. Die Gruppe meiner Tochter hat bis 15:00 Berufsschule und bekommt dann regelmässig die Reste -sofern noch vorhanden- aus den ausgekratzten Behältnissen. Aus Verzweiflung und Hunger essen die Jugendlichen sogar gammeligen Salat und meine Tochter hat dann noch 2 Eihälften ergattert…
Der Pudding steht u n g e k ü h l t die ganzen Stunden auf dem Tresen - das zur Lebensmittelhygiene.
Ich habe nun auch den Ausbildungsbetrieb - sprich die Stadt Kiel informiert und zwar die Ausbildungsabteilung und den Personalrat (nur letzterer ist interessiert, warum?)
Die Jugendherberge ist zu 60 % in allen Räumen vom Boden bis zur Decke mit schwarzem Schimmel versehen (den anderen sieht man ja nicht). Wenn meine Tochter zum Wochenende nach Hause kam, roch selbst die Bettwäsche intensiv nach „muchelig“.
um an Salmonellen zu erkranken, bedarf es schon der Aufnahme
einiger Millionen Keime.
Sicher spielt eine Rolle, dass durch die Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten das Immunsystem meiner Tochter eh geschwächt ist und sie mit 49 kg bei 163 auch nicht viel zuzusetzen hat.
Das bedeutet: Tröpfchen- und
Schmierinfektionen von Mensch zu Mensch (oder von unbelebten
Gegenständen zu Mensch) sind die Ausnahme. Vielmehr müssen für
eine Infektion Salmonellen auf (geeignete) Lebensmittel
gelangen, sich dort einige Stunden bis Tage (unter geeigneten
Bedingungen - Wärme) vermehren können, und das Lebensmittel
darf unmittelbar vor Verzehr nicht (nochmal) erhitzt werden.
Klassisch: Der Kartoffelsalat mit Mayonnaise beim
Vereinssommerfest, der auf Vorrat fürs Wochenende vorbereitet
wurde.
Da lerne selbst ich nocht Neues - so pingelig war ich eigentlich nicht, wird aber seit Montag praktiziert…
Also: Slip, Pyjama, Bettwäsche einmal auskochen plus
Klodesinfektion ist sicher einmalig sinnvoll, mehr braucht es
an Hygienemaßnahmen zunächst eimmal nicht. Das gilt allerdings
nur für Eure Seite, nicht aber für die
Jugendherberge. Es ist ein unding, daß in einem
Hochlohnland Verhältnisse auftreten wie in der Dritten Welt.
Genau, aber in unserem Hochlohnland gibt es keine Menschen mehr bzw. dürfen nicht arbeiten, die einfache Arbeiten wie Lüften und Saubermachen übernehmen.
Das gute ist: Ihr sitzt dank der Gesetzeslage an einem
ziemlich langem Hebel. Zu tun ist folgendes:
- medizinische Dokumentation der Infektion bei möglichst
vielen Betroffenen (einfache Stuhlkultur)
- Dafür sorgen, daß die Infektion pflichtgemäß an das
Gesundheitsamt gemeldet wird (hierzu explizit beim Arzt
nachfragen)
- Mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten - alle Beteiligten
seien in der gleichen JuHe zu Gast gewesen.
Danke für Tipps, teilweise schon unternommen. Sehr interessant war das Telefonat mit der Lebensmittelaufsicht…*ggg*
Der Salmonellen-Subtypus kann bestimmt werden. Damit kann man
sagen, ob jene eventuell bei der JuHe (in der Speisekammer
oder im Stuhl von Angestellten) gefundenen Erreger identisch
sind mit denjenigen bei den Betroffenen.
Da braucht das Städtische Krankenhaus erstaunlich lange - oder will es den Erreger nicht herausrücken?
Überflüssig zu sagen, daß das ganze ziemlich aufwendig ist und
deshalb von allen Seiten mehr als schlampig gehandhabt wird.
Richtig!!! Doch für meine Tochter hängt eine Beendigung der Ausbildung ab. Sie lernt Fachangestellte für Bäderbetriebe - sprich Schwimmbäder usw.— alles optimale Ausbreitungsmöglichkeiten mit Gefährdung anderer…
Und das, obwohl Salmonellen vor allem für ältere Menschen
lebensbedrohlich sind. Die Gesetzeslage ist aber klar auf
Eurer Seite. Falls mit mehreren Winken mit dem Zaunpfahl
nichts geht (Stichwort: Untätigkeit/Disziplinarverfahren), so
droht ihr am besten, Euch an die Presse zu wenden (diese ist
für solche Themen immer sehr dankbar).
Ich warte noch den heutigen Tag ab, dann drohe ich mit der Presse.
Zur Therapie: Keine Antibiotika akut, da diese zu erhöhten
Raten von Dauerausscheidern führen. Bei Dauerausscheidern aber
Versuch mit ebendiesen, falls erfolglos, Versuch mit
Entfernung der Gallenblase. Nötig in erster Linie bei
Gastronomietreibenden. —
auch schon bei einer 19jährigen?
Allgemeine Hinweise für das Verhindern von
Salmonelleninfektionen im Haushalt:
- Händewaschen vor dem Kochen - jeder kann
Dauerausscheider sein (Desinfektion: nicht nötig bzw. u.U.
kontraproduktiv, Stichwort: „Platzhalterflora“).
in meinem Haushalt selbstverständlich
- Nochmaliges Händewaschen
macht man doch logischerweise, um die Hände zu reinigen, oder?
plus Abwaschen von Arbeitsgerät
und Küchenflächen nach Zubereitung rohen Fleisches und rohen
Eiern.
eben ist doch selbst im Privathaushalt normal, oder??? erstaunt fragende
- Kühlung plus baldiger Verzehr aller nichtkochbaren
Lebensmittel.
Logisch?
Während 1. und 3. im Allgemeinbewußtsein verankert sind, fehlt
vor allem für Punkt 2 (auch und vor allem bei
Gastronomietreibenden) die gesundheitspolitische Aufklärung.
Und das trotz mehren hunderttausend Infektionen pro Jahr und
dutzenden bis hunderten Todesfällen.
Ich danke dir ganz herzlich und werde bei Bedarf weiter fragen.
Gruß Christel