Hallo Leute,
was bedeutet das bei einem 5 Monate alten Kind???
Danke für jede Info.
Gruß
Gisela
Hallo Leute,
was bedeutet das bei einem 5 Monate alten Kind???
Danke für jede Info.
Gruß
Gisela
Hallo Gisela,
eine Erweiterung des Hohlsystems weist oft auf die Existenz eines Nierensteines (Nephrolithiasis) hin. Diese bilden sich nicht selten in den Harnwegen und erschweren damit den Harnabfluss in die Blase. Durch diesen Rückstau können sich Harnleiter und Nierenbecken erweitern (und ggf. auch entzünden).
Wurde geschallt (US) oder geröntgt?
Calciumhaltige Nierensteine sind im Röntgenbild direkt sichtbar,
calciumfreie Nierensteine stellen sich im Urogramm als Kontrastmittelaussparungen dar.
Milch (Säugling?) ist stark calciumhaltig. Ggf. lieber die Milch ganz leicht mit natürlichem Fencheltee verdünnen. Die Kleinen schmecken es noch nicht so raus.
Vorsicht bei oxalsäurehaltigen Lebensmitteln (Spinat, Rote Beete, grüner Tee…), da diese in Verbindung mit Calcium (z. B. Milch) Calciumoxalsteine bilden können.
Wenn gestillt wird, sollte man beachten, daß man das, was man zu sich nimmt, auch an den Säugling weitergibt.
was bedeutet das bei einem 5 Monate alten Kind???
Optionen der Therapie
1.) Stosswellenlithotripsie (ESWL)
Damit wird der Stein von aussen (berührungslos) zertrümmert und wird mit dem Harnlassen ausgeschieden. Ist schmerzlos und hat in 90% aller Fälle Erfolg. Das Verfahren wird seit ca. 20 Jahren angewandt. Bei einem Säugling werden vermutlich ein bis zwei Sitzungen (je nach Größe des Steines) ausreichen.
oder
2.) Operative Entfernung
Diese Option ist vermutlich nicht notwendig, da bereits ESWL bis zu einer Steingröße von 2cm erfolgreich wirken sollte. Steine über 7mm halte ich im Falle eines Säuglings für äußerst unwahrscheinlich.
Die Sache ist eigentlich „leicht und schmerzfrei behoben“. Allerdings ist eine unverzügliche Behandlung dringendst angezeigt, da durch Harnrückstau auch Bakterien nicht abfließen können und, so hemmungslos wie manche Bakterien eben sind, sich dementsprchend hemmungslos vermehren. Weniger witzig ist es, daß sie damit einer Blutvergiftung auslösen können. Nierensteine stellen heute kein Problem dar, können aber durchaus zum Problem werden - und somit eben nicht nur durch das Auftreten heftigster Schmerzen.
Zukünftig:
In jedem Falle aber gilt: eine Ferndiagnose, wie diese hier, ist null und nichtssagend. Den tatsächlichen Einblick hat er behandelnde Arzt.
Gruß
Berti
hallo berti,
vielen dank für deine info.
es wurde beim kinderarzt geschallt. soll am montag in der fachambulanz unserer kinderklinik wiederholt werden.
gruß
gisela
Hallo Gisela,
Man muß bei so einem Befund erstmal unterscheiden, ob das Nierenbecken aufgestaut ist weil:
(1a) eine Verengung weiter unten (Harnleiter, Harnröhre) vorliegt oder weil
(1b) beim Wasserlassen der Urin von der Blase in den Harnleiter zurückschießt, weil das Ventil zwischen Blase und Harnleiter defekt ist („vesikoureteraler Reflux“ (VUR) oder „Ventilundichtigkeit“)
oder ob
(2) der Harnleiter noch nicht ganz ausgereift oder schlicht im Rahmen der normalen anatomischen Varianz weit ist.
Der entscheidende Unterschied zwichen (1a/b) und (2) ist folgender:
Im Falle (2) fließt der Harn mit normalem Druck und normaler Geschwindigkeit ab, d.h. die Störung ist harmlos. Oft beruht sie darauf, daß die Muskelwand des Harnleiters („Ureter“) noch nicht recht ausgebildet ist (meist im blasennahen Teil), das nennt man dann „primärer Megaureter“. Das gibt sich dann oft im Laufe des Wachstums.
Bei einer Verengung des Harnsystems (1a) ist der Druck jedoch erhöht, d.h. die Harnproduktion wird reduziert, und in dem „stehenden“ Urin vermehren sich Keime.
Bei einer Undichtigkeit des Ventils zwischen Harnblase und Harnleiter (1b) werden Bakterien beim Wasserlassen von der Blase Richtung Niere zurückgeschwemmt.
In beiden Fällen bezeichnet man den als Folge erweiterten Harnleiter als einen „sekundären Megaureter“. Es droht (sub-)akut eine bakterielle Nierenbeckenentzündung bis hin zur Blutvergiftung, chronisch eine bakterielle Nierenzerstörung (eine der Ursachen einer „Schrumpfniere“).
Undichtigkeiten zwischen Blase und Harnleiter (1b) beruhen meist auf angeborenen „Fehlbildungen“ (meist doppelter Harnleiter). Engstellen (1a) finden sich am häufigsten angeborenerweise zwischen Nierenbecken und Harnleiter (Abgangsstenose) und in der Harnröhre (Harnröhrenklappen).
In die Kategorie „Verengung“ fallen natürlich auch Harnsteine. Bei Kindern treten sie aber praktisch nur bei ganz bestimmten, angeborenen Stoffwechselstörungen und Nierentransportproteindefekten auf. Sowieso wären dann Koliken zu erwarten (Kind schreit) - sofern nicht eines von beiden gegeben ist, sind Steine daher m.E. daher die unwahrscheinlichste Variante.
Die zentrale Frage - denn daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Therapie - ist also in jedem Falle:
Liegt ein primärer oder ein sekundärer Megaureter vor?
Ein erster Hinweis liefern die Nierenkelche (zwischen Niere und Nierenbecken): Sie erweitern sich oft nur unter Druck, also nur bei einem sekundären Megaureter infolge Engstelle (1a). Eine sichere Unterscheidung liefert dann letztlich die Nuklearmedizin: Man gibt ein Isotop, welches sich in der Niere anreichert, und mißt dessen Aktivität über der Niere. Gibt man dann ein harntreibendes Mittel, wird die Aktivität nur dann abfallen, wenn der Harnabfluß ungehindert ist. Beim sekundären Megaureter hingegen ist das Mittel viel länger über der Niere nachweisbar.
Um die Möglichkeit einer Ventilundichtigkeit (1b) abzuklären, instilliert man Kontrastmittel in die Blase und macht eine Röntgendurchleuchtung während des Wasserlassens mit der Frage: „Steigt Kontrastmittel in den Harnleiter auf?“. Dies kann man anscheinend neuerdings auch mit Ultraschall feststellen (man sieht wohl beim Wasserlassen den sich plötzlich aufweitenden Harnleiter).
Therapeutisch ist heute jedenfalls alles angehbar: Die Operationen sind minimal (Harnröhrenklappe) bis aufwendig (Ventilundichtigkeit und Abgangsstenose). Viele dieser anatomischen Störungen können sich aber, ähnlich wie beim primären Megaureter, „auswachsen“, so daß in minderschweren Fällen (Mehrzahl) ein Abwarten unter Kontrolle gerechtfertigt sein wird (aber: mit konsequenter antibiotischer Therapie eines jeden Harnwegsinfekts).
Da die Engstellen und Ventilundichtigkeiten übrigens keine Symptome machen (Ausnahme wie gesagt: Steine), wird die Diagnose oft erst dann gestellt, wenn sich im Erwachsenenalter ein Nierenversagen einstellt.
Also: Glück im Unglück, und sowieso ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Abwarten und Beobachten reicht.
Kannst uns ja dann berichten, was die Docs so herausgefunden haben 
viele Grüße,
Oliver
Hallo Oliver,
Engstellen (1a) finden sich am häufigsten
angeborenerweise zwischen Nierenbecken und Harnleiter
(Abgangsstenose) und in der Harnröhre (Harnröhrenklappen).
In die Kategorie „Verengung“ fallen natürlich auch Harnsteine.
Bei Kindern treten sie aber praktisch nur bei ganz bestimmten,
angeborenen Stoffwechselstörungen und
Nierentransportproteindefekten auf. Sowieso wären dann Koliken
zu erwarten (Kind schreit) - sofern nicht eines von beiden
gegeben ist, sind Steine daher m.E. daher die
unwahrscheinlichste Variante.
So sehr unwahrscheinlich wird es nicht sein koennen. Ich selbst hatte als Saeugling einen „Nierenstein“, ebenso meine Tochter und auch der Kleine meines Nachbarn. Das Auftreten von Nierensteinen liegt bei Kindern unter 6 Jahren bei 2-3%. Das bedeutet, von 100 Kindern bekommen mind. 2 einen Nierenstein in den ersten Lebensjahren. Auf die USA hochgerechnet sind die in etwa 250.000 Kinder (ODA, Washington). Zugegeben ist das zwar wenig. Fraglich ist allerdings, ob Du dann noch immer diese Option als „unwahrscheinlich“ nahezu ausschliessen moechtest.
Das ist nicht wirklich haltbar. Eher scheint manch andere Ansicht wesentlich eher auszuscheiden.
Gruesse,
tigger
naja, naja
Hi tigger,
damit hast Du sicherlich vollkommen recht. Die Häufigkeit derartiger Obstruktionen liegt bei Kleinkindern tatsächlich unter 3%. Das ist auch in Deutschland nicht anders. Und als „am unwahrscheinlichsten“ würde auch ich es nicht bezeichnen, da Koliken (als vermeintlicher Indikator) meist erst dann auftreten, wenn der „Stein“ tatsächlich in die Harnwege gelangt ist und dann dort eben den Harnweg „versperrt“. Wenn dann zudem noch in erhöhtem Maße Flüssigkeit zugeführt wird, steigt somit der Harndruck auf die Obstruktion und kann schwere innerliche Verletzungen herbeiführen, z. B. das Platzen des Nierenbeckens. Aber Oliver hat sicherlich schon recht. Denn wie Gisela mir antwortete, wurde der Säugling ja bereits beim Kinderarzt geschallt. Das habe ich vor Oliver noch nicht gewusst. D. h. aber auch, daß ein etwaiger Stein vermutlich schon hätte bemerkt werden müssen. Deutlicher wäre allerdings vermutlich ein Urogramm. Ich persönlich tendiere dazu, egal ob Säugling oder nicht, erstmal pauschal auf einen Stein zu prüfen, was absolut kaum zeitaufwändig ist und damit ausgeschlossen werden kann, daß eine Ablagerung zu schweren Verletzungen führen kann. Aber das sieht Oliver, als Kollege, vielleicht anders und hat dafür gute Gründe. Läge mir allerding ein entsprechender Befund nicht vor, so kann ich auch dann noch in jedem Falle dem folgen, was Oliver sehr gut und ausführlich beschreibt. Insofern würde ich ihm schon zustimmen.
Beste Grüße
Berti
Hi Berti,
stimmt schon. Da habe ich leider etwas missverstanden. Sorry. Ihr habt sicherlich recht.
Viele Gruesse
tigger
sorry
Hi Oliver,
sorry…wurde gerade von Berti aufgeklaert. Ich habe Dich da etwas falsch interpretiert.
Nichts fuer ungut!
Viele Gruesse,
tigger
Hallo Tigger,
eben nochmal nachgeguckt: Jedes 20000. Kind entwickelt im Laufe eines Jahres einen Stein (Inzidenz). Demgegenüber hat eines von 500 Kindern eine Undichtigkeit des Blasenventils, was, sagen wir mal, nur in jedem 10. Falle zur Nierenbeckenaufweitung führt (Prävalenz).
Zu jedem Zeitpunkt hat also eines von 5000 Kindern eine Undichtigkeit mit Erweiterung und eines von (zwecks Vergleichbarkeit in die Prävalenz umgerechnet) 20000*(365 Tage / Erkrankungsdauer ca. 4d) = ca. 2000000 einen Stein. Das heißt wiederum: Von 400 Kindern mit ausgeweitetem Nierenbecken haben 399 eine Undichtigkeit, 1 einen Stein.
Dabei ist noch gar nicht mal berücksichtigt, daß Ursache von Steinen häufig Verengungen der Harnwege sind, welche ja wiederum gemäß obigem Posting wieder ganz eigene therapeutische Konsequenzen haben.
Soll heißen: Der harmlose und vorübergehende Stein ist im Kindesalter die Ausnahme. Anders: Treten im Kindesalter steine auf, so ist nach einem zugrundeliegenden anatomischen oder Stoffwechseldefekt zu suchen.
Bei Euch zweien (Dir und Deiner Tochter) muß man sowieso nachhaken: Steine treten im jungen Lebensalter in zwei nachfolgenden Generationen einer Familie auf. Liegt also ein erblicher Stoffwechseldefekt vor? Kristallisieren die Stoffwechselprodukte schon in der Niere aus, so merkt man das oft lange Zeit nicht, da Koliken dann fehlen können. Aber auch die anatomischen Verengungen und der Reflux können, obgleich sie sich oft auswachsen, erblich sein.
Woraus wiederum folgt, daß bei Euch beider bei nächster Gegegenheit ein Blick auf die Niere per Ultraschall nicht schaden würde (z.B. beim nächsten Hausarztbesuch). Nierenwerte steigen erst ganz spät, also erst im Nierenversagen an. Eine gute äußere Morphologie der Nieren in Abwesenheit von Harnstau ist im Gegensatz dazu viel aussagekräftiger. Und dauert nur ein paar Sekunden.
viele Grüße,
Oliver