Panikattacken und Kaffee

Hallo,

ich suche eine Antwort auf folgendes Phänomen: Meine Frau leidet öfters unter (teilweise massiven) Panikattacken mit Schwindel, Übelkeit und der Angst, umzukippen. Unter zu niedrigem Blutdruck leidet sie jedoch nicht.
Trotzdem ist es bei ihr so, dass es ihr, sobald sie schwarzen (starken) Kaffee trinkt, schnell wieder gut geht.

Wie kann das sein? Andere Leute werden von Kaffee erst recht nervös - auf sie wirkt er, zumindest in diesen Situationen, beruhigend.

Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße,

Hubert

Hallo Hubert,

ich bin auch nur auf der Laienseite. Aber ich denke mir das in etwa so: von unserer physisch/psychischen Grundaustattung gehört Panik zu den Notmaßnahmen des Organismus gegen extreme Stress-Situationen. Herz- und Kreislauf werden dabei sozusagen auf die Kernzone reduziert und quasi heruntergefahren. Die kapillaren Blutgefäße ziehen sich zusammen, die Verdauung stellt sich darauf ein, notfalls Ballast im Magen oder Darm loszuwerden; deshalb haben Menschen, die eine Panikattacke durchstehen müssen, oft das Gefühl, dass sie sich übergeben müssen oder schlimmeres.

Kaffee wiederum wirkt genau anders herum, er erweitert die Gefässe, kurbelt den Kreislauf hoch und muntert die Verdauung auf. Ich zum Beispiel habe von Natur aus sehr niedrigen Blutdruck. Ich riskiere nach Kaffee massives Herzklopfen, zitternde Knie, und wenns ganz schlimm kommt, hysterische Lachanfälle. Frage nicht, wie peinlich das werden kann.

Also, Du siehst: Kaffee ist nicht ohne.

viele Grüße und gute Besserung für Deine Frau
wünscht Angelika

Hallo Hubert,
Coffein ist ein Stoff, der zentral im Gehirn bestimmte Wirkungen auslöst. So kommt es z.B. auch beim prämenstruellen Syndrom (unbeherrschbare Traurigkeit vor der Regel) bei vielen Frauen zu einer positiven psychischen Aufhellung durch das sanfte Suchtgift Coffein :wink:

Panikattacken gehören deshalb in jedem Fall genau abgeklärt.
Sie können Leitsymptome für sehr unterschiedliche Störungen sein, die alle mehr oder weniger dringend behandlungswürdig sind (nicht die Symptome: die Störungen!).
Alles Gute,
Volkmar.

Hallo Volkmar:

Panikattacken gehören deshalb in jedem Fall genau abgeklärt.
Sie können Leitsymptome für sehr unterschiedliche Störungen
sein, die alle mehr oder weniger dringend behandlungswürdig
sind (nicht die Symptome: die Störungen!).

An was für Störungen denkst Du dabei?

Meine Frau leidet seit 1997 darunter. Sie wurde damals sehr intensiv (wegen ihres Leitsymptoms Schwindel) untersucht. Es wurde unter anderem sogar eine Kernspintomographie des Gehirns durchgeführt. Alles blieb GOTT SEI DANK ohne Befund. Die meisten Ärzte vermuteten daher Ängste als Ursache ihrer Schwindelattacken. Auf Panikattacken wurde nicht behandelt.

Viele Grüße,

Hubert

Erklärungsversuch
Hallo Hubert,

auf Panikattacken wurde nicht behandelt? Ja, es ist leider oft so, dass Patienten mit Panikattacken einfach durch sehr viele medizinische Mühlen gedreht werden. Sei es EKG oder Kernspin. Ohne Ergebnis. Dabei wird oft übersehen, dass es hier nicht am organischen fehlt, sondern die Psyche behandelt werden muss. Für die Betroffenen ist das wirklich ein Martyrium, denn Panikattacken können einem definitiv das Leben zur Hölle machen. Ich würde Euch deshalb raten, psychologische Hilfe zu suchen.

Was den Kaffee anbetrifft: Normal ist es so, dass Panikattacken durch Kaffee verstärkt und sogar ausgelöst werden können. Ich vermute mal, bei Deiner Frau geht es nicht um den Kaffee an sich und seine Inhaltsstoffe. Was sie beruhigen könnte (nur ne Idee) ist vielleicht das Kaffee-Trinken an sich: Tasse rausholen, Kaffee brühen, zugucken, wie er durch die Maschine läuft, ihn in kleinen Schlucken trinken usw. Vielleicht unterhält sie sich ja auch dabei mit jemand nettem und setzt sich hin - und schon ist sie ruhiger. Allein schon eine warme Tasse in den Händen zu halten, kann ja beruhigen.

Ist nur so eine Idee, ich schreibe es deshalb, weil es ansonsten rein physiologisch nicht zu erklären wäre.

Wenn ich Euch sonst noch bei Fragen zum Thema Panikattacke helfen kann, mailt mir einfach. Ich war früher selber betroffen.

Beste Grüsse
Anna

Hallo Hubert,

Ich denke, hier im offenen Forum kann ich keine Ferndiagnosen stellen.
Das allein wäre schon ein Frevel, vor allem aber dann einen konkreten Rat d’ran zu hängen, ist für meine Begriffe unhaltbar.

Rein als Überlegung, die nicht auf bestimmte Personen zutreffen muss, habe ich an ein neurotisches Syndrom gedacht, das sich in depressiver verstimmung, panik und gelegentlich auch überschießender Lebensfreude mit Kauflust etc. äußern kann.

Hier wäre ein ganzheitliches Bild zu machen: also sowohl organmedizinisch-neurologisch als auch psychiatrisch.

Viele dieser Menschen, die Zahl wird auf Millionen geschätzt, leben sozial angepasst und werden kaum auffällig. Die Mitmenschen passen sich ihrerseits gerne an und fühle nsich nur durch zwingende Vorstellungen (Ängste) ernstlich beeinträchtigt.

Für Menschn, die unter seelischen Befindlichkeitsstörungen leiden, gibt es eine Kombinationstherapie: medikamentös (auf die jeweilige Phase abgestimmt) und psychiatrisch in Form von Gesprächs-, Verhaltens- oder/und Kunsttherapie.

In jedem Fall ist eine Zeitperspektive von mehreren Jahren bis zu einer Linderung oder Heilung vorzusehen, denn erst muss eine tragfähige therapeutische Beziehung hergestellt werden, die Medikation muss wegen Nebenwirkungen (z.B. Gewichtszunahme) genau eingestellt und die Einnahme überprüft werden, erst dann kann man versuchen, in kleinen therapeutischen Szenarien den Ursachen auf den grund zu gehen, woraus sich eine Neuorientierung in Riochtung „Heilung“ ergeben kann.

Wie gesagt: Mehr als dieses Allgemeine hier nicht, Deine Frau kann sich gerne bei uns melden, wenn sie weitere Anregungen oder konkrete Tipps braucht.

Schöne Grüße,
Volkmar