Wie diagnotiziert man einen Tumor?

Hallo liebe Medizinkundigen,

mich beschäftigt schon seit einiger Zeit die Frage, wie der Arzt feststellen kann, ob irgendwo was wächst, was da so nicht hingehört? Lässt sich das über eine simple Blutprobe feststellen oder kann man erst danach suchen, wenn bereits Symptome aufgetreten sind? Wonach sucht man eigentlich, wenn man einen Tumor finden will?
Wie sinnvoll sind in diesem Zusammenhang Vorsorgeuntersuchungen?

Liebe Grüße,
Cesmy

Hallo Cesmy,

mit 2 Sätzen lässt sich das schlecht erklären, selbst folgende willkürlich aufgeschriebene Zeilen sind nur winzige Teile der vielfältigen Diagnosemöglichkeiten.
Den Standardtumor gibt es so nicht. Alles ist recht individuell. Die Art und Lokalisation von sog. soliden Tumoren sind sehr unterschiedlich und damit auch die Art der Diagnostik. Dabei spielt es eine Rolle von welchem Parenchym (Organgewebe) ein Tumor ausgeht, ob er schnell wächst, kleinzellig, usw.

Handelt es sich nicht um eine Vorsorgeuntersuchung, kommt der Patient anfangs z. B. mit bestimmten Beschwerden, die er dem Arzt mitteilt, und je nach Lage und Befindlichkeit kann bei manchen Tumoren eine Tastuntersuchung einen Verdacht erhärten, manchmal kann eine Blutuntersuchung bei der Diagnostik helfen (Bestimmung der versch. Tumormarker), bei manchen Tumoren kann Ultraschalldiagnostik gemacht werden, Röntgenaufnahmen (z.B. Lunge) je nach Organ, mit oder ohne Kontrastmittel; viele Tumoren lassen sich darstellen mit Hilfe von MRT (ohne Röntgenstrahlung), meistens per CT (mit Röntgenstrahlung), Knochenszintigramm, Untersuchung von Punktaten (Zysten), Biopsien, Bestimmung der CD-Gruppe (Clusters of Differentiation - spezifische Zelloberflächenmarker), usw.

Hautkrebs: So heißt es, dass Menschen mit vielen Muttermalen, sich regelmäßig einmal im Jahr einem Hautarzt vorstellen oder zumindest selber regelmäßig kritisch evt. Veränderungen der Haut/Nävi beobachten: ABCD-Regel (A =Asymmetrie, B = Begrenzung unregelmäßige, C = colour; Farbe variierend, D = Durchmesser größer als 5 mm.

Brustkrebs: die meisten Tumoren entdecken die Frauen selbst, daher regelmäßig einmal pro Monat die Brust selbst im Uhrzeigersinn abtasten (etwa 10 Tage nach Einsetzen der Regelblutung), auf Einziehungen oder Absonderungen der Brustwarzen achten, Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Millimetergroße Tumoren und solche die rippennah liegen, können idR nicht ertastet werden, auch vom Arzt nicht. Eine qualitativ gute Röntgenaufnahme der Brust (Mammografie), die von guten, erfahrenen Fachleuten angeschaut wird, ist hierbei die Diagnosemöglichkeit der Wahl.

Darmkrebs: Stuhl auf Blutdiagnostik ist das 1. Mittel der Wahl bei Vorsorgeuntersuchungen. Hierbei werden winzigste Blutspuren nachgewiesen. Bei der folgenden Darmspiegelung erkennt man Tumore oder deren Vorstufen, die Darmpolypen, die entfernt werden müssen, weil die meisten irgendwann bösartig werden. Bei der Darmkrebsdiagnostik wird der Anstieg des Tumormarkers (hier: CEA) bestimmt.

Schilddrüse: Ultraschall (Echoarmut, unscharfe Randbegrenzung), histologische Zelluntersuchung des Punktats aus kalten Knoten, Blutuntersuchung - erhöhter Calcitoninnachweis.

Hirntumor: je nachdem in welcher Hirnregion er auftritt, bekommen Patienten unterschiedliche Probleme, z. B. heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, epil. Anfälle (Krampfanfälle bei Kindern), Hörstörungen, hormonelle Störungen (Hypophyse), neurologische Störungen. Die ärztl. Diagnostik findet statt mit CT, bzw. MRT, Tumormarker im Blut.

Lymphome (Hodgkin und Nonhodgkinlymphome) sehr unterschiedlich. Metamorphe, teils rasante Vergrößerung von nichtschmerzenden, verwachsenen Lymphknoten. Die anfängliche Diagnostik von Nonhodgkinlymphomen kann schwierig sein, wenn die betroffenen Lymphknoten im Thorax- oder Bauchraum liegen. In Blutbild und Serumanalyse ist nichts Verdächtiges nachzuweisen. Ein CT bringt oft erst das Ergebnis, nachdem der Patient unklares Fieber und Tumorverdrängungsschmerzen hatte. CT lässt Metastasen sichtbar werden. Ultraschall. Zellprobe eines befallenen Lymphnotens wird histologisch untersucht und mit der CD-Methode (Clusters of Differentiation) wird der genaue Typ bestimmt, der für die Zusammensetzung der sofortigen Chemotherapie wichtig ist und die um so effektiver sein kann, umso schneller Tumore wachsen.

Leukämien: Patienten fühlen sich erschöpft und schwach, müde, bekommen irgendwann Fieber. Im Blutausstrich ist anhand der Leukozyten oft schon die Diagnose möglich, die noch durch ein Knochenmarkpunktat erhärtet wird.

Manchmal gibt es Krebsarten, wo die regulären Diagnostikmöglichkeiten nichts erkennen lassen. Dazu gehört eine bestimmte Form des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Oft führt erst im Endstadium der Verschluss des in der Nähe liegenden Gallengangs (Gelbsucht) u. a. zur richtigen Diagnose.

Bei den Krebsformen richten sich Prognose und Therapie nach den Tumorstadien, also nach der Ausbreitung im Körper. Auch hierfür gibt es bestimmte Kriterien, z. B. keine Metastasen, Metastasen auf nur einer Seite des Zwerchfells, beidseits des Zwerchfells, u.a.

Trotz der Länge ist dieser Text höchst unvollständig. Vielleicht bekommst du trotzdem einen kleinen Einblick.

Viele Grüße, Renate

Knoten - camAliendame

Hallo liebe Cesmy,

mich beschäftigt schon seit einiger Zeit die Frage, wie der
Arzt feststellen kann, ob irgendwo was wächst, was da so nicht
hingehört?

Ein Tumor entsteht nicht aus dem Nichts, sondern an Orten mit erhöhter Regenerationsrate, also bei Antigen-Exposition, Entzündungsreaktion und Chronifizierung der vermehrten Replikation. Tumor heißt ja primär auch nichts anderes als Schwellung. Kombiniert mit Rötung (Rubor) und Schmerz (Dolor) ordnest du ihn als Entzündung ein. Im Rahmen der Altersforschung untersuchen viele Institute die Mechanismen beim Übergang von Entzündung in Tumor. Stößt Tumorgewebe an mechanische Grenzen, ist es im Gegensatz zu differenziertem Material nicht bereit, diese Grenze als systembedingt zu akzeptieren und seine Replikationsrate zu drosseln. Von daher scheint Apoptose ein Merkmal zu sein, das den Tumor und von seiner Heimat unterscheidet. Da zelluläre Veränderungen erst sehr spät bildgebend sind, wirst du kaum einen Überblick über jede der zehntausend täglich in deinem Körper entstehenden potentiellen „Tumorzellen“ gewinnen. Du findest immer genau das, was du suchst in dem Targetorgan, in dem du es suchst. Du musst nur genügend feine Raster benutzen.

Lässt sich das über eine simple Blutprobe
feststellen oder kann man erst danach suchen, wenn bereits
Symptome aufgetreten sind?

Auch zwischen Infektion und Tumor gibt es Übergänge. So fließende, dass die Gewebsveränderung bei einer säureresistenten Species unter den Schleimbildnern sogar namensgebend war: Tuberkulose - die erste Infektion, bei der Robert Koch aus einem Tumor den Erreger isoliert hat und ihn als Auslöser für die Gewebsveränderung wahr nahm.

Wonach sucht man eigentlich, wenn
man einen Tumor finden will?

Nach der Mitoserate (dem Replikationspotential) veränderter/fremder Zellen.

Wie sinnvoll sind in diesem Zusammenhang
Vorsorgeuntersuchungen?

Sie strukturieren Zeit - Lebenszeit.

Liebe Grüße,

Liebe Grüße,

Cesmy

Biggi

Dankeschön für beide Antworten! (o.T.)