Fahrtüchtigkeit

Hallo!

Kann mir jemand sagen, die in Deutschland die versicherungstechnische Situation bezüglich Autofahren aussieht nach dem folgenden Szenario:

normalerweise gesunde 62jährige hat einen Kollaps nach Sauna-gang, mit Bewußtseinsverlust von 30 bis 60 Minuten, keine objektiven Krampfzeichen, keine motorischen Ausfälle etc.
Befunde incl. CT Kopf praktisch normal (geringe Liquor-raum-erweiterung, aber im Normbereich). Insgesamt also etwas unklar ob (einmaliger) Krampfanfall oder TIA, oder sonst irgendwas.

Hier in GB wird man dafür normalerweise für 1 Jahr gesperrt, was Autofahren angeht (Selbst- und Fremdgefährdung!). Also: was ist in Deutschland vermutlich zu erwarten?

Danke für Hinweise,
Sepp

Hi,

Hier in GB wird man dafür normalerweise für 1 Jahr gesperrt,
was Autofahren angeht (Selbst- und Fremdgefährdung!). Also:
was ist in Deutschland vermutlich zu erwarten?

Eventuell ein paar warnende Worte des Arztes…
Es gibt keinen (zumindest wäre mir das neu…) Informationsaustausch zwischen einem Arzt und den Führerscheinstellen. Und nur die können solche Sperren aussprechen. Wenn sie davon erfahren, wäre evtl. eine amtliche Untersuchung fällig. Aber wenn man sich mal ansieht, in welchem körperlichen Zustand hier manche Leute fahren, würden mich Konsequenzen wirklich überraschen.
Hier ist wohl ausschließlich Eigenverantwortung gefragt.

Gruß Stefan

Hallo Sepp,

ich staune, der Arzt hielt also ein CT für erforderlich (was dann o.B. war), weil ein Patient aufgrund des Saunierens einen Kreislaufkollaps erleidet. Allerdings sind 30-60 Minuten wirklich ungewöhnlich lange. Wie sahen die Erstehilfemaßnahmen vor Ort aus? Wurde sie nicht flach gelagert + Beine erhöht? Es gibt ja hilfsbereite Menschen, die solchen Patienten „auf die Beine helfen“ wollen oder sie zumindest aufrecht setzen - das kann sogar lebensgefährlich werden - kennt man auch bei Boxern nach dem K.o.-Schlag. Die Flachlage, die aus dem Umkippen resultiert, sorgt aber dafür, dass das Gehirn nach dem erlittenen Kreislaufschock wieder mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. (Aber bei Verdacht auf Herzinfarkt wird mit erhöhtem Oberkörper gelagert — )

Wer in die Sauna geht, muss bestimmte Dinge beachten, um keinen Kollaps zu erleiden:

Zunächst einmal: Der durch Saunaaufenthalt erzielte Gewichtsverlust ist ein Wasserverlust!!!
Dieser allein vermindert schon das Blutvolumen im Gefäßsystem. Der Puls steigt, ist schwächer zu fühlen, der Blutdruck sinkt.
Aufrechtes Sitzen wird nur kurze Zeit vor dem Verlassen des Sauna - Raumes empfohlen, da sonst in den geweiteten Blutgefäßen der herabhängenden Gliedmaßen erhebliche Blutmengen versacken können, weiterer - Blutdruckabfall - Kollaps-Gefahr.
Es sollte unbedingt an einen Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes durch Trinken von Mineralwasser oder Obstsäften unbedingt gedacht werden. Erfolgt die Sauna mehr als 1 Mal pro Woche, so ist auch der Salzverlust zu ersetzten.

In der Sauna erweitern sich also die Blutgefäße der Haut und der Muskulatur.
Folglich ist es weder empfehlenswert mit leerem Magen oder nach üppigen, fetten Mahlzeiten zu schwitzen. Letzteres würde dem Organismus eine große Menge Blut zwecks Verdauung „stehlen“, sodass nur noch ein geringer Teil zur Versorgung der anderen Organe, vor allem des Gehirns, übrig bleibt. Es entsteht wieder Sauerstoffmangel aufgrund des fehlenden Blutes und bewirkt dann den Kreislaufkollaps.

Alkohol hat auch die Eigenschaft der Erweiterung der Blutgefäße.
Da dem Organismus aber nur 5-7 Liter Blut zur Verfügung stehen, kann reichlicher Alkoholgenuss in der Sauna ebenfalls den gefürchteten Kollaps bewirken. Auch höherer Alkoholkonsum am Vortag kann am darauffolgenden Saunatag noch die gleiche Wirkung verursachen.
Die meisten „Kreislaufopfer“ werden in den Saunen an Sonn- oder Feiertagen gezählt. Meistens hatten diese Gäste am Vorabend etwas „mehr als normal“ getrunken.

Wurden obige Punkte mit der betroffenen Saunagängerin gründlich besprochen und erfragt?
Sie muss in Zukunft natürlich zusehen, dass sie beim nächsten Saunieren entsprechend viel Wasser trinkt und getrunken hat, keinen Alkohol, keinen leeren Magen hat, aber auch keine üppige Mahlzeit verspeist hat, im Liegen schwitzt, usw.

Warum soll die Dame jetzt ein Jahr lang nicht mehr Auto fahren?
Dann müssten ja auch die Patienten, die wegen einer Spritze (z. B. Blutentnahme) kollabieren, auch ein Jahr lang auf den Führerschein verzichten, schließlich fährt so jemand nach dem obligatorischen Glas Wasser, irgendwann auch wieder Auto. Die Fragestellung sollte sicher noch einmal überdacht werden, oder ? :smile:

Viel wichtiger wäre in dem Zusammenhang, die Frage nach den brillenlosen, noch nie, oder vor 100 Jahren beim Augenarzt oder Optiker gewesenen Blindschleichen fast jeden Alters.

Beste Grüße, Renate

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Hallo Sepp,

ich staune, der Arzt hielt also ein CT für erforderlich (was
dann o.B. war), weil ein Patient aufgrund des Saunierens einen
Kreislaufkollaps erleidet. Allerdings sind 30-60 Minuten
wirklich ungewöhnlich lange.

Hallo Sepp,

ich staune, der Arzt hielt also ein CT für erforderlich (was
dann o.B. war), weil ein Patient aufgrund des Saunierens einen
Kreislaufkollaps erleidet.

Hallo!

Danke fuer die Antwort!
Vielleicht war es nicht ganz klar, aber es handelte sich vermutlich nicht einfach um einen „Kreislaufkollaps“.
Genau. 30-60 Minuten bewusstlos ist sehr lange.
Sie hatte zwar keine Kraempfe im eigentlichen Sinne, anscheinend jedoch einige „Zuckungen“, und etwas verwaschene Sprache (nun, das wuerde mehr fuer vaskulaer sprechen).
Ein CT ist da sicherlich angebracht, denn es kann alles sein, gerade in dem Lebensalter, von der Hirnblutung oder einem kleinen Schlaganfall bis zum Erstsymptoms eines Hirntumores oder Metastasen.
Ok, ich kann ja jetzt sagen, bin selbst Arzt (wenn auch kein Fachmann Neuro). Ich suche wirklich weniger nach Diagnosen, sondern eher nach dem ueblichen Management ueber die Versicherungen (hier in GB ist das recht standardisiert, wie schon erwaehnt; wenn es ein potentieller Krampf war, auch ohne gefundene Ursache, dann ist der Betroffene verpflichtet, der Fuehrerscheinstelle das zu melden, und ist ueblicherweise fuer ein Jahr weg von der Strasse. Wenn man das nicht macht, und irgendwas passiert ist der Aerger gross).

Erfolgt die Sauna mehr
als 1 Mal pro Woche, so ist auch der Salzverlust zu ersetzten.

Mir ist nicht bekannt, dass man durch Schwitzen signifikant genug Salz verlieren kann, dass es gesundheitlich bedenklich wird - dazu sind die Nieren zu clever und filtern entsprechend mehr Salze wieder zurueck - bei unserer ueblichen Diaet wohl kaum ein Problem.

Sauerstoffmangel im Gehirn aufgrund des fehlenden Blutes
und bewirkt dann den Kreislaufkollaps.

Wieso? Klar, das Hirn braucht Sauerstoff, doch der Sauerstoffgehalt des Blutes, das zum Kopf fliesst, ist nicht reduziert, wenn man einen vollen Magen hat.

Wurden obige Punkte mit der betroffenen Saunagängerin
gründlich besprochen und erfragt?
Sie muss in Zukunft natürlich zusehen, dass sie beim nächsten
Saunieren entsprechend viel Wasser trinkt und getrunken hat,
keinen Alkohol, keinen leeren Magen hat, aber auch keine
üppige Mahlzeit verspeist hat, im Liegen schwitzt, usw.

ok, war alles nicht der Fall, sie ist da recht erfahren.

Warum soll die Dame jetzt ein Jahr lang nicht mehr Auto
fahren?

Unklare Ursache, koennte theoretisch jederzeit wieder auftreten. Letztes Jahr hat eine Dame hier in der Gegend bei so einem Anfall zwei Kinder auf dem Buergersteig totgefahren. Sie selbst hat ueberlebt, aber wird wahrscheinlich auch nicht richtig froh.
Nun, soweit ich weiss hat jeder von uns das Risiko von bis zu 10% oder hoeher waehrend eines Lebens, ob provoziert (z.B. mit Drogen oder Alkohol) oder nicht. Doch wenn es ein zweites Mal passiert, und etwas geht dabei schief, dann fuehlt man sicher vermutlich schuldig.

Dann müssten ja auch die Patienten, die wegen einer Spritze
(z. B. Blutentnahme) kollabieren, auch ein Jahr lang auf den
Führerschein verzichten, schließlich fährt so jemand nach dem
obligatorischen Glas Wasser, irgendwann auch wieder Auto. Die
Fragestellung sollte sicher noch einmal überdacht werden

Ok, wenn es ziemlich klar „vaso-vagal“ war, dann ist das wohl anders. Sicherlich aber wuerde ich so jemanden nicht am selben Tag wieder Autofahren lassen. Aber natuerlich ist da eine laengere Sperre ueberfluessig.

Viel wichtiger wäre in dem Zusammenhang, die Frage nach den
brillenlosen, noch nie, oder vor 100 Jahren beim Augenarzt
oder Optiker gewesenen Blindschleichen fast jeden Alters.

Beste Grüße, Renate

Au ja. Hoerte mal von einer Amerikanerin, die in Deutschland aus der Parkluecke rauswollte, und mit Schmackes auf das vor ihr parkende (!) Auto auffuhr. Die Polizei bemerkte dann ihre Brillenglaeser, die wie die Basis einer Colaflasche waren. Sie hatte den Fuehrerschein bei ihrem Dad in USA gemacht, das war dann wohl nicht so schwer…

Sepp