Hallo Nina!
Wenn dein Vater eine Erkrankung des Knochenmarks hat, bei der die normalen Zellen entweder durch Umbau des Marks oder durch Verdrängung (z.B. durch Tumorzellen) stark reduziert worden sind, ist eine der Behandlungsalternativen die Stammzelltransplantation (SZT). Warum deinem Vater noch keine Diagnose mitgeteilt wurde, weiß ich zwar nicht. Oft ist es jedoch schwierig, besonders beim sogenannten Myelodysplastischen Syndrom, wo es viele Untergruppen gibt, die genaue Diagnose herauszufinden.
Vor jeder Stammzelltransplantation steht eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie. Dabei wird das chemotherapeutisch wirksame Medikament über eine Vene in den Körper geleitet. Am selben Tag wird das Rückenmark des Patienten bestrahlt. Ziel ist es, vorhandene bösartige Zellen im Knochenmark unschädlich zu machen. Dabei werden allerdings auch alle gesunden Zellen im Knochenmark zerstört. Deshalb folgt im Anschluss die SZT. Dabei wird einem Spender am Beckenkamm (seitlich tastbar, wo der Gürtel aufliegt) Knochenmark entnommen, das dann dem Patienten über eine Nadel in eine Vene gespritzt wird. Die neuen Knochenmarkszellen „wandern“ - und das ist das tolle - sozusagen „automatisch“ an den richtigen Ort, nämlich ins Knochenmark.
Wichtig ist zu wissen, dass es bei derartigen Knochenmarkserkrankungen recht oft auch andere Therapiemöglichkeiten (z.B. Hydroxyurea, Interferon-alpha oder das neu entwickelte Medikament Imatinib=Glivec, bzw. G-CSF+Erythropoetin+Thrombopoetin beim Myelodysplastischen Syndrom) gibt, die schonender sind, die aber auf längere Sicht (einige Jahre) mit einer geringeren Überlebensrate einhergehen. Kurz gesagt: SZT hat mehr Nebenwirkungen und ist risikoreicher, aber auf Dauer auch erfolgreicher als alle anderen Therapien.
Als Spender kommen in erster Linie nahe Verwandte infrage, die auf ihre Verträglichkeit mit dem Immunsystem getestet werden müssen. Das ist ein einfacher Bluttest. Nur wenn die Antigene von Spender und Empfanger in etwa übereinstimmen (was bei Verwandten weitaus häufiger ist als bei Fremden) kann eine SZT durchgeführt werden.
Findet ihr keinen Spender, gibt es Spenderdateien, so z.B. in Ulm, die einem beim Finden eines geeigneten Spenders helfen können.
Wenn du noch Fragen hast, wende dich gerne an mich.
Deinem Vater wünsche ich alles Gute und vor allem gute Besserung.
Dein
Matthias
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