Schlaganfall - Reaktionsschnelligkeit

Hallo zusammen!

Mein Vater hatte im September einen Schlaganfall, der Dank der Uni-Klinik Münster und eines neues Behandlungsverfahrung, nicht tödlich verlaufen ist. (es hatte sich die Hauptschlagader/Vene/Aterie im Nacken zum Gehirn verschlossen) Wie durch ein Wunder hat er auch kaum Folgeerscheinungen, außer beim Sprechen ein paar verschluckte Buchstaben und ein leichtes Kribeln im Bein.

So nun zu meiner Frage: Er möchte in 3 Wochen mit dem Auto nach Österreich fahren (von hier eine Fahrt von mind. 8 Stunden). Ich mache mir Sorgen, ob er das schafft in Bezug auf Reaktionsschnelligkeit, Sehfähigkeit etc… Anderseits wollen wir in natürlich auch nicht für den Rest seines Lebens in Watte packen.

Ach so, mein Vater ist 65 Jahre alt. Und war ansonsten vor dem Schlaganfall absolut fit.

Hat jemand Erfahrung oder kann mir einen Rat geben?

Vielen Dank!

Gruß, Claudia

Hallo Claudia,

Seit September sind bis jetzt knapp 4 Monate vergangen.
Deine Annahme, dass rund 8 Stunden Autofahrt nicht zu schaffen sein könnten, glaube ich auf’s Wort. Diese Dauer ist ja das Tagespensum eines gesunden Berufsfahrers.

Bei einer Apoplexie (einem Schlaganfall) werden entsprechend mit Sauerstoff unterversorgte Gebiete des Gehirns ge- bzw. zerstört. Wird dieses dramatische Geschehen rechtzeitig erkannt, dann kann vieles gerettet werden.
Wie Du das geschildert hast, war der Zustrom über die A. Vertebralis behindert. Im Gehirn gibt es aber (wie in anderen wichtigen Organen auch) einen „Shunt“, also eine Verbindung zu den anderen Versorgungsquellen, wie z.B. der A. Carotis (links und rechts). Deshalb kann es sein, dass die Blut- (Sauerstoff-) Versorgung nicht so dramatisch verlaufen ist wie zu befürchten war.
(NB: Venen - mit Ausnahme der Lungenvenen - führen sauerstoffarmes Blut vom Organ ab, haben beim Schlaganfall also keine Bedeutung.)
Man kann üblicherweise mit Erholungs- und Trainingsphasen von mehreren Wochen bis zu Jahren rechnen.
Dabei kommt es weniger darauf an, wie sehr bestimmte Funktionen gestört sind oder nicht, sondern was im Gehirn alles neu organisiert werden muss.
Wir wissen mittlerweile, dass wichtige Funktionen auf mehrere vernetzte Areale aufgeteilt werden, weshalb auch bei örtlich begrenzten, massiven Schädigungen oft im Ergebnis insgesamt nur geringgradige Ausfälle zu beklagen sind.
Diese wieder sind in subjektiv bemerkbare und objektiv feststellbare zu trennen.
Wird also eine Funktion nicht mehr wie bisher, sondern über „Umwege“ hergestellt, dann kann man von „Kompensation“ sprechen. Diese ist immer mit mehr Aufwand verbunden als der ursprüngliche Ablauf.
Deshalb kann es zu rascher Ermüdbarkeit, zu objektiven Mängeln der Konzentration und emotionalen Krisen (Ungeduld) kommen.
All das ist dem Lenken eines KFZ abträglich.
Gesetzlich geregelt ist, dass man ein KFZ nur dann in Betrieb nehmen darf, wenn die gesundheitlichen und psychioschen Voraussetzungen dafür im vollen Umfang gegeben sind.

Fahrt also besser mit der Bahn.
Viel Glück.
Volkmar

Lieber Volkmar!

Danke für Deine Antwort - ich werde sie meinem Vater zeigen und mit ihm nochmals darüber sprechen.

Gruß, Claudia

Synergie versus kompetetive Hemmung
Hallo,

8 Stunden Autofahrt ist ja das Tagespensum
eines gesunden Berufsfahrers.

Wechselt ihr euch ab?

Bei einer Apoplexie (einem Schlaganfall) werden entsprechend
mit Sauerstoff unterversorgte Gebiete des Gehirns ge- bzw.
zerstört.

Gestört, du sagst es. Iatrogenisieren behindert. Es gibt Gespräche, die mobilisieren auch Saures über Verstärkung der Atemtiefe. Es muss nicht unbedingt ein Wutanfall sein, bei dem Vater am Steuer nur noch so nach Luft schnappt und still vor sich hin krampft. Das ist klar. Es gibt auch andere Gespräche.

Wird dieses dramatische Geschehen rechtzeitig
erkannt, dann kann vieles gerettet werden.

Konvulsionen kündigen sich an. Auch in den großen Gelenken. Das ist neu für ihn und das spürt er. Wenn er nicht mit 50PS 170km/h fahren muss, hat er Zeit zum Entspannen. Zeit ist wichtig. Es gibt immer ein Danach.

Wie Du das geschildert hast, war der Zustrom über die A.
Vertebralis behindert. Im Gehirn gibt es aber (wie in anderen
wichtigen Organen auch) einen „Shunt“, also eine Verbindung zu
den anderen Versorgungsquellen, wie z.B. der A. Carotis (links
und rechts). Deshalb kann es sein, dass die Blut-
(Sauerstoff-) Versorgung nicht so dramatisch verlaufen ist wie
zu befürchten war.
(NB: Venen - mit Ausnahme der Lungenvenen - führen
sauerstoffarmes Blut vom Organ ab, haben beim Schlaganfall
also keine Bedeutung.)
Man kann üblicherweise mit Erholungs- und Trainingsphasen von
mehreren Wochen bis zu Jahren rechnen.
Dabei kommt es weniger darauf an, wie sehr bestimmte
Funktionen gestört sind oder nicht, sondern was im Gehirn
alles neu organisiert werden muss.
Wir wissen mittlerweile, dass wichtige Funktionen auf mehrere
vernetzte Areale aufgeteilt werden, weshalb auch bei örtlich
begrenzten, massiven Schädigungen oft im Ergebnis insgesamt
nur geringgradige Ausfälle zu beklagen sind.
Diese wieder sind in subjektiv bemerkbare und objektiv
feststellbare zu trennen.
Wird also eine Funktion nicht mehr wie bisher, sondern über
„Umwege“ hergestellt, dann kann man von „Kompensation“
sprechen. Diese ist immer mit mehr Aufwand verbunden als der
ursprüngliche Ablauf.
Deshalb kann es zu rascher Ermüdbarkeit, zu objektiven Mängeln
der Konzentration und emotionalen Krisen (Ungeduld) kommen.
All das ist dem Lenken eines KFZ abträglich.
Gesetzlich geregelt ist, dass man ein KFZ nur dann in Betrieb
nehmen darf, wenn die gesundheitlichen und psychioschen
Voraussetzungen dafür im vollen Umfang gegeben sind.

Fahrt also besser mit der Bahn.
Viel Glück.
Volkmar