Atemspende

Liebe Experten,

ich habe eine Frage zur Atemspende durch Mund-zu-Mund- bzw. Mund-zu-Nase-Beatmung, die mich schon lange interessiert:

Wenn jemand sich verschluckt hat oder einen Wespenstich im Mund-/Halsraum hat und bewusstlos wird, dann ist doch seine Luftröhre blockiert.

Wenn ich als Ersthelfer ihn dann beatme, wie kommt dann die Luft in seine Lunge?

Ich frage das, weil in diversen Erste-Hilfe-Ratgebern die Atemspende in solchen Fällen empfohlen wird.

Herzlichen Dank im Voraus & viele Grüße,
Sylvia

Hallo Sylvia,

Wenn jemand sich verschluckt hat oder einen Wespenstich im
Mund-/Halsraum hat und bewusstlos wird, dann ist doch seine
Luftröhre blockiert.

Wenn sich jemand verschluckt hat, braucht er keine Mund-zu-Mund-Beatmung; das läßt sich binnen kurzer Zeit mit dem beherzten Heimlich-Griff regeln (aber nicht zu fest, weil es im schlimmsten Fall zu inneren Blutungen kommen kann).

Bei einem Wespen- bzw. sonstigem Viecher-Stich, bitte sofort den Gepicksten fragen, ob er allergisch ist und ob er evtl. ein Notfall-Set dabei hat, dann unverzüglich 112 anrufen/anrufen lassen. Bitte nicht auf den Boden reißen und auf Teufel komm raus beatmen! *ggg* Ein Insektenstich ist kein Korken, der einem in die Kehle gesteckt wird (d. h. selbst bei Schwellung kommt noch Luft durch), deswegen sollte man nicht blind - weil man es so gelernt hat - und schon gar nicht, wenn der Ärmste bei Bewußtsein ist, mit der Beatmung beginnen. Hervorragende Dienste leisten bei Insektenstichen im Mund Eiswürfel zum Lutschen (die allerdings nur, wenn der Gepickste bei Bewußtsein ist) oder kalte Umschläge um den Hals. Die Fälle, in denen die Luftröhre vollständig zugeschwollen ist, sind sehr selten. Da ist natürlich nix mehr mit Beatmen, da hilft nur ein Luftröhrenschnitt. Den werde ich jetzt aber nicht erklären… *fg*

Wenn ein Kind im Mund-/Rachenraum gestochen wurde, sofort und ohne jegliche Diskussion zum Arzt bzw. Notarzt rufen! Das ist lebensgefährlich.

Ich frage das, weil in diversen Erste-Hilfe-Ratgebern die
Atemspende in solchen Fällen empfohlen wird.

Sorry, aber als Krankenschwester und Allergikerin (auch gegen Insektenstiche) kann ich Dir nur empfehlen, derartige Ratgeber in die Tonne zu treten.

Beste Grüße

Tessa

Hi,

wenn die Luftröhre „dicht“ ist geht logischerweise keine Luft mehr hindurch. Da hilft dann natürlich auch keine Beatmung.

Erste Maßnahme ist in jedem Fall das Absetzen eines Notrufs über die Tel-Nr. 112, damit der Rettungsdienst schon mal in Gang gesetzt wird und keine weitere Zeit verstreicht.

Hat sich jemand verschluckt versuchst Du den Fremdkörper hinauszubringen indem Du demjenigen zwischen die Schulterblätter haust oder den sog. Heimlich-Handgriff anwendest. Dazu umfaßt man den Patienten von hinten auf Bauchhöhe mit den Armen und führt eine ruckartige Bewegung nach oben hin aus. Der Gedanke dabei ist daß eine „Druckwelle“ entsteht die den Fremdkörper aus der Luftröhre herausbringen soll.
Allerdings ist dieser Handgriff sehr umstritten weil die Gefahr schwerer innerer Verletzungen nicht ausgeschlossen werden kann. Bevor Du darüber nachdenkst ihn anzuwenden solltest Du zumindest in einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt haben wie man das richtig macht und im Ernstfall abwägen ob Du wirklich keine andere Möglichkeit siehst dem Patienten zu helfen.

Im Falle des Insektenstichs hilft es Eis zu lutschen und kalte Umschläge am Hals zu machen um die Schwellung möglichst klein zu halten. Da die Luftröhre oft nicht total zuschwillt gilt es möglichst ruhig zu reagieren und die Atemnot des Patienten nicht durch Panik zu verschlimmern.

Was Du auf gar keinen Fall machen solltest ist den Patienten in einem Anfall von eigener Panik und „man muß doch etwas tun“ ins eigene Auto zu setzen und zu einem Arzt zu rasen. De facto sind viele Hausärzte auf einen solchen Notfall nicht wirklich vorbereitet, außerdem ist die Unfallgefahr viel zu hoch. Auch in Krankenhäusern muß dann erstmal der zuständige Dienstarzt angefunkt und gesucht werden…
Es ist immer besser auf den Rettungsdienst zu warten, denn der ist sowohl materiell wie auch mental auf die Situation vorbereitet und in jedem Fall schneller und sicherer vor Ort als Du mit einem Privatauto irgendwo hingefahren bist.

Gruß,

MecFleih

[offtopic] Horror-Tipp
Als gelernter DDR-Bürger habe ich natürlich in einem ZV-Lager (für die durch die Sprigerpresse verhetzten Gegner: ZV = Zivilverteidigung) gelernt, wie ich im Falle eines Angriffs durch den Klassenfeind erste Hilfe zu leisten habe.
Sollte also jemand beim Atomschlag vor Schreck sein Brötchen verschluckt haben und nun die Luftröhre dicht sein, keine Panik!!!
1.) Ruhe bewahren,
2.) Klarmachen der Lage,
3.) Handeln: Mit dem Messer einen kleinen Stich in die Luftröhre unter dem Kehlkopf machen und hier dann die Plastehülse des Kugelschreibers einführen. Ganz einfach…
So hatte ich die Verluste im 3. Weltkrieg gering halten können :wink:

mit dem Gruß der Freien Deutschen Jugend
Freundschaft!