Nochmal Flugreise diesmal Herz

Liebe Experten,

da im Flugzeug - wie unten in Bezug auf das Ohr klargeworden - anscheinend erhebliche Druckdifferenzen auftreten:
Wie ist es nun mit Menschen, die an einer Herzklappeninsuffizienz oder einem -prolaps leiden?
Von Tauchen in nennenswerter Tiefe und Aufenthalt im extremen Hochgebirge wird ja oft abgeraten, weil die Klappe da mit dem Druckausgleich überfordert ist.

Bisher dachte ich immer, der Druckausgleich im Flugzeug reicht aus, um gefahrlos fliegen zu können.
Aber wenn man die Beiträge unten liest …
Sollte so jemand da überhaupt noch ein Flugzeug besteigen?

Klio

Hallo Klio,

Der Innendruck einer Passagierkabine ist mit etwa 2000 Metern Seehöhe ausgeglichen. Er wird relativ rasch erreicht, bleibt während des Fluges konstant und wird bei der Landung auf das Niveau am Zielort einreguliert.

Druckausgleich ist daher nur über das Mittelohr interessant, es kommt nicht zu Druckwerten wie im Wasser.

Allerdings sind folgende Stressoren für das Herz-Kreislaufsystem wichtig:

  1. die allgemeine Anstrengung der Anreise
  2. die Aufregung (Zeitdruck, unbekannter Ort, Flugangst)
  3. der Flüssigkeitsverlust.
    Die Kabine hat während des Fluges trotz Klimatisierung etwa 10% bis 20% rel. Luftfeuchte statt 45% bis 80%. Die verlorene Flüssigkeit wird in viel zu geringem Maß ersetzt (wenige Gläschen Wasser) oder gar noch die Ausscheidung gefürdert (Kaffee).
    Dadurch kommt es häufig zu Herz-Kreislaufproblemen oder zu Thrombosen.
    Vorbereitung: Heparinisierung für die Reisezeit (wenn mehr als 3 Stunden planmäßige Flugzeit) und genügend Wasserzufuhr während des Fluges. Das Bordpersonal ist darauf geschult, solche Wünsche zu erfüllen. zusätzlich ein wenig am Gang auf und ab gehen und die Venenpumpe betätigen, so der Flug ruhig ist.

All das ist mit jedem vernünftigen Hausarzt zu klären.

Guten Flug.
V.

Danke für die kompetente Antwort! (o.T.)

Hallo Klio,
für Patienten mit Herzinsuffizienz sei folgendes ergänzt: In großer Flughöhe ist der sog. Sauerstoffpartialdruck der Umgebungsluft erniedrigt (auf ca. 90% bei üblichen Bedingungen im Linienflugzeug). Im Lungenkreislauf führt dies reflektorisch zu Gefäßverengungen und als Kompensation zum Blutdruckanstieg (im Lungenkreislauf). Diese verursachen beim „Herzgesunden“ nur selten Beschwerden oder gar eine Ischämie (Durchblutungsstörung des Herzens). Bei Patienten mit einer sog. Rechtsherzinsuffizienz oder einem Cor pulmonale (wer es hat, kennt diesen Begriff) können diese Veränderungen jedoch zum Kreislaufzusammenbruch (kardiale Dekompensation) führen; hier wäre also größere Vorsicht geboten.
Wenn herzinsuffiziente Patienten einen sog. Angina pectoris-Anfall erleiden, sind sie es gewohnt, Akutpräparate wie Nitrolingual Spray zu nehmen. Sollte sich dies an Bord eines Linienflugzeuges ereignen, ist wegen der oben genannten Veränderungen Vorsicht geboten: Sollte das Nitro-Spray während eines Fluges notwendig werden, sollte eine Sauerstoff-Gabe vorausgehen und der Patient vorsichtshalber liegen. Hierdurch können ein kritischer Blutdruckabfall und Kreislaufzusammenbrüche in aller Regel verhindert werden.
Bei einer Herzklappeninsuffizienz oder einem -prolaps muß weder eine Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) noch eine Angina pectoris vorliegen, so daß meine geäußerte Vorsicht nachgeordnete Bedeutung hätte.
Sollte die Herzklappeninsuffizienz oder der -prolaps nicht hämodynamisch wirksam oder symptomatisch sein (dies müßte der Kardiologe bescheinigt haben), besteht kein erhöhtes Flugrisiko.

Viele Grüße. Thomas

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Danke auch dir! Sehr informativ! (o.T.)