seit einem Dreivierteljahr trägt meine Mutter (75) wg.
Nierenversagens aufgrund einer unheilbaren Tumorerkrankung einen
Nierenkatheter. Die Ärztin meinte dieser Tage: „Solange das
funktioniert, bin ich zufrieden.“ Ich las im Internet wohl mal,
die Nierenfistel sei i.d.R. eine vorübergehende Maßnahme. Aber
jetzt bin ich doch etwas durcheinander: Hört das irgendwann zu
funktionieren auf, und man kann das auch nicht mehr
austauschen/durchspülen? Das wäre für meine Mutter das
Todesurteil. Auf was müssen wir uns da einstellen?
Ich trau mich, ehrlich gesagt, nicht, bei der Ärztin
nachzufragen. Wenn man alles zu genau wissen will, schaut’s
vielleicht so aus, als könnte man es gar nicht erwarten, bis der
pflegebedürftige Angehörige stirbt. Dabei will ich nur
informiert und gewappnet sein.
zuerstmal fragen, fragen, fragen. Wozu denn Angst vor den
Göttern, die keine sind??? Hör mal!
Aber die Ärztin meinte sicher, mit solange es funktioniert,
solange keine Infektionen auftreten und man den Katheter zu oft
wechseln muß. Denn eine Infektion der Nieren kann Deine Mutter
nun wirklich nicht noch gebrauchen.
Eigentlich sollte so ein Nierenkatheter spätestens wöchentlich
gewechselt werden, kann mir also nicht vorstellen, daß sie den gleichen Katheter schon ein dreiviertel Jahr intus hat. Aber
das erfährt der Besucher ja kaum, steht aber in jedem Fall
protokolliert in den Unterlagen.
Wenn ich die Ärztin mal persönlich erwische, werd ich schon noch
fragen. Den Kontakt hält mein Vater, und der ist medizinisch
nicht arg bewandert. Und will’s auch gar nicht so genau wissen.
Aufm Dorf kommt man auch leicht in den Ruch der Gefühllosigkeit,
wenn man statt zu jammern und zu heulen was Wissenschaftliches
hören will.
Dieses Dinges, das *in* der Niere ist, haben sie im vergangenen
Dreivierteljahr drei- oder viermal ausgewechselt. Das kriege ich
deswegen mit, weil sie dazu meine Mutter ins Krankenhaus in die
Kreisstadt transferieren müssen, im Heim selbst oder im
Krankenhaus des Nachbarorts können sie das nicht machen. (Ob die
Ärzte/Pfleger im Heim darüberhinaus selber an dem Teil
herumdoktern? Keine Ahnung. Meine Mutter kann ich dazu nicht
befragen, sie ist nach einem Schlaganfall im Juni nicht mehr in
der Lage zu sprechen. Kommunikation so gut wie unmöglich.
Gelähmt und bettlägerig ist sie außerdem, es ist also alles
nicht sehr witzig.)
Eine Infektion könnte die Ärztin also gemeint haben. Einmal kam
meine Mutter schon husch-husch ins Krankenhaus zum
Katheteraustausch, weil das Dingens schon mit Eiter verstopft
war und sie Fieber und Schüttelfrost bekam. Jetzt wissen wir
wenigstens, dass Übelkeit, Fieber und Schüttelfrost was mit der
Funktion des Katheters zu tun haben. Die Dringlichkeit der Sache
haben wir anfangs auch nicht kapiert und nicht sofort mit dem
nötigen Nachdruck auf Behandlung gedrungen.
Ich hab manchmal das Gefühl *ich* müsste mir jetzt medizinisches
Wissen aneignen, um mich da halbwegs sinnvol kümmern zu können.
Das Heimpersonal ist unterbesetzt, überfordert und ständig hat’s
neue Leute dort. Eine Pflege daheim können wir aber nicht
leisten. Ich sag’s euch, Leute: Alt werden ist nix für
Feiglinge!