Arbeit, geistig vs. körperlich

Hallo!
Ich bin Übersetzerin, von oft sehr dicken und oft sehr komplexen Fantasy/SF-Romanen. Nun ist es mir in 26 Jahren nicht gelungen, meinem handwerklich orientierten Umfeld begreiflich zu machen, dass das AUCH Arbeit ist. Meiner Tochter - arbeitet bei einer Investmentbank mit vielen Überstunden - schlägt ein ähnliches Unverständnis entgegen: „Wie kannst du abends müde sein, das ist doch keine körperliche Arbeit.“ Nun möchte ich mal wissen: Ist nur Steine kloppen *richtige* Arbeit?
Bin gespannt!
Gruß,
Eva

Hallo.

„Wie kannst du abends müde sein, das ist doch keine
körperliche Arbeit.“ Nun möchte ich mal wissen: Ist nur Steine
kloppen *richtige* Arbeit?

Die Diskussion ist recht alt. Grundiziell ist es so, dass der „geistig“ Arbeitende „anders“ müde ist als der „körperlich“ Arbeitende. Belastend ist beides. Die Arbeitswissenschaft (Analytik nach Onkel REFA *omm*) belegt beides mit entsprechenden Wertigkeiten. Google mal „Genfer Schema“ und finde z.B.

Man unterscheidet zwischen dem Rangreihenverfahren und dem Stufenwertzahlverfahren. Beiden Verfahren gleich ist, dass in einem ersten Schritt die zu prüfenden Anforderungmerkmale festgelegt werden müssen.

Die Auswahl dieser Kritierien orientiert sich am Genfer Schema:

Das „Genfer Schema“ ist eine Vereinbarung für eine einheitliche Arbeitsbewertung. Es Beinhaltet vier Kriterienarten:

  1. Können
  • körperlich: Handfertigkeit, Geschicklichkeit
  • geistig: Ausbildung, Erfahrung
  1. Belastung (Beanspruchung)
  • körperlich: Muskelbelastung
  • geistig: Konzentration, Planen, Entscheiden
  1. Verantwortung
  • für Arbeitsablauf, Personal, Arbeitsergebnis Arbeitsbedingungen (Umfeld)
  • Temperatur, Schmutz, Lärm, usw

oder schau mal unter http://www.refaly.de

Gruß kw

Muskeln
Hallo Eva,

Nun möchte ich mal wissen: Ist nur Steine kloppen *richtige* Arbeit?

in der Sicht derer, die hart körperlich arbeiten, ja.

Erstens läßt sich Muskelaufbau im Hirn schlecht auf den ersten Blick erkennen, zweitens ist bei Schreibtischarbeitern ebenfalls nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob sie wirklich arbeiten oder Däumchen drehen (vgl. "Beamtenmentalität) - jedenfalls nicht so schnell wie z.B. auf’m Bau.

Drittens: Mit welchen Schreibtischarbeitern kommt die hart körperlich arbeitende Bevölkerung am ehesten in Berührung? Mit den Damen & Herren, die auf den Ämtern sitzen. Das sich dort das Bild vom lauen Lenz des Kopfarbeiters verfestigt, wundert mich kaum :wink:

Viele Grüße
Diana

hallo!

da gibt es diese schöne gegenüberstellung: unser gehirn stellt 2% des körpergewichts dar-verbraucht aber 20% aller zugeführten energie. und das schon bei leuten die nicht viel denken.

wenn man hochkonzentriert arbeitet steigt dieser verbrauch noch stärker an.
nicht umsonst ist unser kopf so gut durchblutet. ist nebenbei auch dazu geeignet überschüssige wärme gut abzugeben.

was man aber als nebeneffekt nicht hat ist der muskelaufbauende effekt körperlicher tätigkeit, z.b. steineklopfen. die werden muskulös.

wer also behauptet dass denken keine arbeit ist soll sich mal eine stunde was vornehmen und übersetzen-„dann raucht der kopf“ und dann fühlen sie sich auch müde.

tschüss

matthias

p.s. ausserdem wird körperlich immer gleich wiederkehrende tätigkeit energieeinsparender da vieles automatisiert wird; das geht aber beim denken/übersetzen nicht im gleichen mass. daher bleibt es immer „gleich anstrengend“.

wer also behauptet dass denken keine arbeit ist soll sich mal
eine stunde was vornehmen und übersetzen-„dann raucht der
kopf“ und dann fühlen sie sich auch müde.

Lieber Matthias! (ausdrücklich „lieber“ :wink:
Viiiielen Dank, das hab’ ich gebraucht, jetzt fühle ich mich wieder motiviert! Mein Kopf raucht nämlich seit drei Monaten derart, dass ich heute mal hier im Brett Dampf ablassen musste. Nu’ ist mir leichter!
Gruß,
Eva

sowas von off Topic…
Hai, Eva,

Ich bin Übersetzerin, von oft sehr dicken und oft sehr
komplexen Fantasy/SF-Romanen.

Echt? Ja? *virtuelles-Wasser-im-Mund-zusammenlauf* Was haste denn so übersetzt?
Ähm *ganz-unschuldig-kuck-und-rein-zuuufällig-auf-die-Frage-komm* - was machst Du eigentlich mit den fertig übersetzten Manuskripen? Ich meine - die brauchst Du doch gar nicht mehr, oder? *noch-viel-unschuldiger-kuck*

Kommste mit ins Plauderbrett?

Gruß
Sibylle

Hallo Eva,

das mit den 2 bzw. 20 % des Gehirns wurde ja schon gesagt…

Heftig wird es, wenn du (wie ich) Texte wie Folgenden ins Deutsche übersetzen musst (und andersrum wird’s noch heftiger, glaub mir…)

„The Kylix development environment seamlessly integrates application design and development, enabling you to create sophisticated Linux applications faster. Quickly move from prototype to production with a unique combination of integrated features including visual design tools, the Borland CLX™ (Component Library for Cross-platform) component library, an advanced code editor, and a fully integrated graphical debugger, all fine-tuned to work together for the development of superior applications.“

Quelle: http://www.borland.com/kylix/index.html

Nein, du brauchst mir nicht zu sagen, wie einfach das doch ist, aber sowas mache ich täglich und bin abends geschafft :frowning:

Dazu kommen zig Grafiken fürs Internet, die auch noch nach etwas aussehen sollen.

Ich habe auch mal als Elektroniker angefangen, und da musste ich auch mal „armdicke“ Kabel ziehen, aber danach war ich nicht so fertig wie heute, da ich nur noch „Sesselpupser“ *g* bin.

Wie man es anderen erklären soll - keine Ahnung. Muss man selber mitmachen.

Gruß, Markus

Heftig wird es, wenn du (wie ich) Texte wie Folgenden ins
Deutsche übersetzen musst (und andersrum wird’s noch heftiger,
glaub mir…)

Werd mich hüten zu behaupten, dass das einfach ist! Meine Texte sind zwar aus einem anderen Bereich, aber ähnlich abstrus manchmal. U.a. kriege ich immer die Autoren, die ihren Kontrahenten Namen geben, die etwas über den Charakter des Betreffenden aussagen oder ihre Romane mit Balladen und Gedichten spicken. Phantasievoll erdachte Philosophien, Religionen und so weiter, tun ein übriges, dass es einem nicht langweilig wird…

Dazu kommen zig Grafiken fürs Internet, die auch noch nach
etwas aussehen sollen.

Grafiken? Das sind dann die „kleinen“ Störungen aus dem Familienkreis, die mich vom Arbeiten abhalten und meine Gehirnkapazitäten aufzehren. „Mach mir mal die grafische Gestaltung für ein Geburtstagsalbum für den und den…“

Ich habe auch mal als Elektroniker angefangen, und da musste
ich auch mal „armdicke“ Kabel ziehen, aber danach war ich
nicht so fertig wie heute, da ich nur noch „Sesselpupser“ *g*
bin.

Körperliche Arbeit ist mir auch nicht fremd. Kann Briketts schaufeln, Möbel tragen, Pferdeställe ausmisten. Empfand die Erschöpfung hinterher immer als recht angenehm: Befriedigung über getane Arbeit und das Gefühl, mit Recht jetzt ausruhen zu dürfen. Geistige Arbeit verfolgt einen pausenlos und man wird irgendwie nie fertig.

Gruß,
Eva

Kommste mit ins Plauderbrett?

Hai,Sibylle!
Treffen wir uns da!
Gruß,
Eva