Hallo Eva,
ich denke, es gibt eine gewisse soziokulturelle Entwicklung in vielen Bereichen unseres Lebens. Diese Entwicklungen treiben manchmal für eine gewisse Zeit recht bunte Blüten. Hinzu kommen dann noch technische Aspekte, die diese Blüten ggf. unterstützen. So kann ich mich auch noch gut an die Zeit als kleines Kind erinnern, in der einmal die Woche die Badewanne angesagt war. Und ehrlich, ich fand die Sache damals mit nicht so richtig gut funktionierendem Warmwassersystem, einem hässlich in kalten Farben gekachelten Badezimmer, etc. auch nicht erstrebenswert; soll heißen, man bekam mich auch nicht häufiger rein, und wenn es Muttern mit ihren drei Kindern und kranker Mutter im Haus mal wieder nicht gelungen war, den üblichen Termin einzuhalten, dann ging auch keines der Kinder freiwillig. Dann kam die erste Wohnung mit Dusche und die Sache mit dem ekeligen nass-kalten und immer leicht verschimmelten Duschvorhang, der einem ständig in die Dusche wehte, wieder gekoppelt mit einem mäßigen Warmwassersystem konnte die Begeisterung auch nicht wecken. Als dreckig haben wir uns aber alle zu der Zeit nicht empfunden und waren es auch nicht. Deo kam dann irgendwann mal auf und blieb, das Trockenshampoo für die Haare kam und ging …
Und dann kamen einige Dinge zusammen: Das Haus mit ordentlichem Warmwassersystem, Die schöne Dusche in warmen Farben mit ordentlicher Trennwand, Pubertät, und schließlich ein amerikanischer Austauschschüler, und schon wurde die tägliche Dusche zum Normalfall und heute fühle ich mich richtig krank, wenn es mal einen Tag nichts mit der Dusche wird. Klar, für die Haut wäre es besser mal auszusetzen, und ich nehme nur dir guten ph-neutralen für sensible Haut ausgelegten Duschgels, aber die morgendliche Dusche macht mich prima wach, gibt ein wenig Zeit für mich selbst, … Jetzt beim Hausbau oder nach der Gartenarbeit darf es auch noch mal Abends ein Gang sein, aber dann nach Möglichkeit ganz ohne Chemie und hinterher Creme auf trockene Stellen.
Unsere Austauschschüler waren da in den 80ern schon ganz anders drauf. Einer ging gerne auch fünf bis sechs mal am Tag unter die Dusche, nahm jedes mal ein neues Badetuch und fing sich dann am dritten Tag von seiner Gastmutter ein deutliches „NO“ auf die wohl eher rethorische Frage: „May I use the shower?“, ein, gefolgt von einer gehörigen Standpauke über Wasserverschwendung, Hautschäden, …
Heute sind wir in D natürlich ganz groß mit den Desinfektionsmitteln, neuerdings sogar wür Waschmaschine und Geschirrspüler, und ich kann nur hoffen, dass auch dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist, aber mal abwarten.
Gruß vom Wiz
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