Hallo Josh,
ich möchte Dir gerne einmal etwas erzählen…
Vor einigen Jahren starb mein Vater leider viel zu früh mit 49 an einer selten Form von Krebs.
Auch ich fiel in ein dunkles schwarzes Loch und waberte nurmehr von Herzschmerz gepeinigt durch die Welt. Ich dachte ich könne nie wieder arbeiten gehen. Die erste Zeit bekam ich von meinem Hausarzt sedierende Medikamente, danach Stimmungsaufheller, denn ich wollte den Schmerz auf keinen Fall zu lassen, nicht daran denken, daß unser über alles geliebter Daddy nicht mehr bei uns war. Ich wollte den Verlust nicht wahrhaben.
Nach einer knappen Woche ging ich auch schon wieder arbeiten, trotz Medikamente, die ich (nur)ca. 4 Wochen lang einnahm.
Irgendwann begann mein Dad mir im Traum zu erscheinen, und zwar fast ausnahmslos als lebender Toter, der (so fühlte ich mich im Traum) mich aggressiv bedrohte. Einer der Träume war ein verschachtelter Traum, so einer in dem man träumt, daß man träumt…meine beste Freundin war in diesem Traum auch dabei…mein Vater lief uns hinterher und tote Katzen und Hunde fielen von einer Brücke, die Umgebung könnte Dali’s Feder entsprungen gewesen sein…wir traten in tote Tierkörper…
Ein anderer war, daß er plötzlich wieder bei uns war, aber Medikamente brauchte, damit die Totenstarre nicht einsetzt…der nächste, daß ich mit einem Zug mit ihm irgendwohin fahren sollte, mich aber kurz vorm Einsteigen in den Zug anders entschied und plötzlich in einem Treppenhaus stand, das komplett mit Reisig zugestopft war.
Mal war er auch ein Obdachloser, der unseren Hof fegen sollte…
Dann wieder „bekam“ ich im Traum symbolische Botschaften von ihm übermittelt.
Diese Träume kamen im Wechsel fast jede Nacht.
Auch ich versuchte mich an einen Therapeuten zu wenden, mit dem Erfolg, daß außer Geheule gar nichts bei mir ging. Ich war am Boden zerstört, konnte aber gleichzeitig nichts und niemanden an mich heranlassen.
Eines Tages, meine Freundin war schwanger und ich wollte ihr ein Buch schenken, waren wir im Bücherladen. Während meine Freundin bei den Erziehungsbüchern stöberte, zog ein Buch aus einem riesigen Regal meine Aufmerksamkeit auf sich.
Es hieß „Vom Umgang mit Toten“ in dem eine Frau unter anderem ihr eigenes Erlebnis mit ihrem verstorbenen Großvater beschrieb und noch vieles mehr. Ich las und las, und vergaß total die Zeit…
Als wir später nachhause fuhren, ließ ich das Gelesene Revue passieren, doch ein wirklicher Aha Effekt wollte sich noch nicht einstellen.
Der kam dann in der darauffolgenden Nacht. Mein Daddy erschien mir, aber anders als bisher, nicht mit diesem angsteinflößenden Charme eines Zombies, sondern liebevoll wir er immer war. Auch ich hatte ein wohliges heimeliges Gefühl, er stand da, nahm mich in seinen Arm und sagte mir, daß er mich lieb hat. Ich erwiederte seine Umarmung und sagte ihm, daß auch ihn ihn sehr lieb hätte.
Niemehr erschien er mir seitdem als Zombie oder als negativ gewertete, oder angsteinflößende Gestalt.
Ich hatte endlich gewagt zu Trauern,und mit der Trauer zu arbeiten, anstelle mich gegen sie zur Wehr zu setzen.
Auch das Loslassen können, muß erlernt werden und ist eng mit der Trauerarbeit verbunden. Aber loslassen zu können ist enorm wichtig, damit man die Trauerarbeit abschliessen kann.Es muß sicher jeder seinen eigenen Weg dahin finden…
Unter Medikamenteneinfluss kannst Du aber keine Trauerarbeit leisten, Du kannst sie nicht abschliessen und somit kannst Du auch nicht loslassen. Du verlagerst das Ganze nur, bis die Trauer irgendwann unkotrollierbare Wege findet und unter Umständen wirklichen Schaden anrichten kann.
Liebe Grüße und alles Gute
Maja