Hallo Christoph,
ich bin gelernte Arzthelferin, arbeite seit 3 Jahren aber nicht mehr in diesem Beruf. Meine Mutter ist niedergelassene Ärztin, dementsprechend bekomme ich noch viel mit. allerdings sicher nicht mehr alles.
Ja, als Privatpatient bekommt man fast immer schneller einen Termin als als Kassenpatient. Was objektiv gesehen logisch, subjektiv gesehen unfair ist.
Die privaten Kassen, bezahlen das was der Arzt berechnet, und das ist der ganz klare Unterschíed zu den Kassen. Hierzu gibt es genau wie für die gesetzlichen Versicherungen einen Bewertungsmassstab, nach denen alle Leistungen und deren „Preis“ aufgeschlüsselt sind.
Die gesetzlichen Versicherungen bezahlen (noch, es ist im Gespräch sowas wieder einzuführen) nicht direkt an den Arzt sondern an die Kassenärztliche Vereinigung. Selbige wurde irgendwann mal gegründet um interessen der Ärzte zu vertreten und selbige zu schützen. Heute ist es (ich möchte hier nochmal anmerken das dies hier meine persönliche, subjektive Meinung ist, stellenweise mag sie auch nicht mehr 100% aktuell sein!) ein politisches Organ um bestimme Ärztegruppen an den Rand des/in den Ruin zu treiben.
Ein Bsp.: ein Hausarzt bekommt ein Budget für ein Quartal: Medikamentenverordnungen. Setzen wir den Betrag mal fiktiv auf 10.000 Euro fest. Jetzt hat dieser Arzt möglicherweise aber für 15.000 Eur aufgeschrieben, weil er der Ansicht ist, dass wenn jemand krank ist ihm auch geholfen werden muss. Diese 5.000 Eur bezahlt der Arzt aus eigener Tasche. Es wird ihm schlicht und ergreifend von der KV abgezogen.
Dies ist nur ein Bsp von vielen.
Leistungen werden gedeckelt, d.h. es gibt einen max. Betrag den ein Arzt bezahlt bekommt (berechnet nach Anzahl der „Scheine“ = Patienten, mit einem niemals ausreichendem Budget (es waren mal 60 Euro, stellt Dir dass allein mal bei einem Patienten vor der z.B. über einen längeren Zeitraum regelmässig neue Verbände haben muss (darin ist die Leistung des Arztes und die Verbandmaterialien enthalten (zzgl. zu zu bestreitenden laufenden Kosten), ein Handwerker würde dafür nicht mal morgens aufstehen!)).
Kannst Du Dir vorstellen was das z.B. für eine Radiologische Praxis heisst, die extrem hohe Anschaffungskosten für Geräte hat, dazu kommen Wartung, speziell ausgebildete Helferinnnen etc.? Selbst wenn die wollten können sie Dir mitunter keinen Termin geben, weil sie dann selbst ziemlich schnell ziemlich pleite wären.
Wenn Du mal darauf achtest, wirst Du feststellen das viele Ärzte zur Abrechnung hin eine Woche, einen Monat, wie lang auch immer hin zumachen (wahlweise Urlaub machen, Pseudo-Fortbildungen oder ähnliches). Aber bestimmt nicht weil eine Abrechnung so lange dauert (mit EDV braucht man max. einige wenige Stunden, wenn man noch viele „Randarbeiten“ zu erledigen hat), sondern weil es sich für einen Arzt nicht lohnt so viel zu arbeiten. Meine Mutter arbeitet von Quartal ca 6 Wochen bezahlt 6 Wochen umsonst… und die kann sich garantiert nicht über zu wenig Patienten beklagen.
Mein Fazit daraus war den medizinischen Bereich zu verlassen. Mal ganz davon abgesehen wie Arzthelferinnen bezahlt werden, gehen Ärzte mehr und mehr dazu über, was man ihnen auch nicht verdenken kann, mit weniger (viele unbezahlte, denn das ist in der Branche unüblich, Überstunden) oder sogar ganz ohne Helferinnen zu arbeiten. Meine Hochachtung vor jeder Arzthelferin die bereit ist dem Druck dieser Branche standzuhalten!
Also wunder Dich nicht wenn Du länger auf einen Termin warten musst oder sorg dafür das Du idealerweise immer zum 1. oder 2. eines neuen Quartals krank wirst
. Definitiv bin ich mir sicher, dass es aber auch in Zukunft nicht besser wird. Es lebe unsere Gesundheitsministerin. Damals haben wir gedacht Seehofer wäre eine Pest, heute wissen wir es besser… er war wohl eher eine Grippe.
Hoffe Dir ein wenig geholfen zu haben, mit meinen doch zugegeben recht zynischen Worten 
Liebe Grüsse
Coco