Hi Nicky,
zu der Operation kann ich Dir leider nichts schreiben, aber zur Vollnarkose, so Du denn eine bekommst…
Man wird Dich vor der Operation in einem Aufklärungsgespräch und mittels eines entsprechenden Schriftstückes, welches Du durchlesen und unterschreiben mußt, einschüchtern
In dem Blatt werden so viele Nebenwirkungen und mögliche Pannen aufgeführt daß Du am liebsten schreiend wegrennen möchtest.
In der Tat ist das alles bei weitem nicht so schlimm wie es zunächst erscheint und die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen ist extrem gering. Man sichert sich mit der vorherigen Aufklärung nur rechtlich ab, deswegen solltest Du dich davon nicht beeinflussen lassen.
Generell kann man sagen daß eine Narkose aus verschiedenen Komponenten besteht: man schaltet Dein Bewußtsein aus, man schaltet das Schmerzempfinden ab und man gibt Dir entspannende Medikamente, damit Du locker und unverkrampft bist und der Operateur nicht gegen Deine eventuelle Abwehrspannung ankämpfen muß.
Je nachdem wie der Anästhesist Deine Vorgeschichte kennt und welches Gewicht Du hast wird er den für Dich pasenden Cocktail aus Medikamenten mixen. Man hat verschiedene Präparate zur Verfügung und dosiert diese nach ml pro kg Körpergewicht. Wieviel Schlaf-, Schmerz- und Entspannungsmittel Du brauchst um optimal narkotisiert zu sein hängt also vom Gewicht des Patienten ab, und da die Mittel alle sehr gut erprobt sind und viele Erfahrungswerte vorliegen ist nahezu ausgeschlossen daß Du einen der Horrortrips erlebst, die man sich als Patient immer ausmalt.
Es ist nicht besonders schwer zu erkennen ob der Patient wirklich eingeschlafen ist und ob er Schmerzen hat oder nicht. Reagierst Du auf bestimmte Reize oder auch nicht, bist Du bei Bewußtsein - oder auch nicht
Unabhängig davon daß Du es im Schlaf nicht bewußt miterlebst (und das ist ja das Entscheidende, weswegen alle Angst haben) kann der Körper Schmerz wahrnehmen. Das ist aber durch Veränderung von Körper-Parametern auch gut erkennbar und dann gibt es wieder eine Dröhnung mit Schmerzmittel.
Fazit: Die weit verbreitete Angst vor Narkosen ist unbegründet. Du wirst während der OP nichts spüren, keine Angst und keine Schmerzen haben, und auch danach kannst Du ausreichend Schmerzmittel bekommen um dich wohlzufühlen.
Am Anfang der ganzen Prozedur wird man Dich in den Vorbereitungsraum vor dem OP bringen. Bangemachen gilt nicht, also laß Dich von der im wahrsten Sinne des Wortes sterilen Athmosphäre nicht ins Bochshorn jagen. Die Ausstaffierung und auch die abgedrehten Klamotten der Marsmännchen dort dienen einer möglichst hohen Sauberkeit, insbesondere vor kleinen, fiesen Krankheitskeimen. Grün ist die OP-Kleidung deswegen weil das die Komplementärfarbe zu rot ist, und das ist nun mal die Farbe unseres Blutes. Verschmutzungen würden also auf den grünen Kitteln umgehend auffallen.
Du steigst dann im Vorbereitungsraum aus dem Bett auf den OP-Tisch. Das Bett gilt als „unrein“ und muß deswegen draußen bleiben. Der OP-Tisch ist eine fahrbare Trage, die man aus dem Vorbereitungsraum in den OP fahren kann wenn Du schlummerst, später kann man Dich damit wieder herausfahren, außerdem ist das Ding in verschiedener Weise verstellbar, so wie der Operateur es braucht - also eine praktische Sache.
Nun also, auf dem OP-Tisch im Vorbereitungsraum bekommst Du zuerst einen venösen Zugang - im Volksmund sagt man „einen Tropf“. Über den kann man im weiteren Verlauf die Medikamente direkt in die Blutbahn spritzen, was den Vorteil hat daß sie dort sofort wirken. Entgegen der oft vermuteten Annahme bleibt die Nadel nicht im Arm, sie dient nur dazu in die Vene zu picksen und wird dann wieder herausgezogen. In der Vene bleibt nur ein kleiner, sehr flexibler Schlauch. Die oft verbreitete Sorge den Arm nicht mehr bewegen zu dürfen weil eine Nadel im Arm steckt ist also falsch.
Dann wird man Dir ein EKG kleben. Dazu kommen ein paar Aufkleberchen in die Nähe der Schultern und unterhalb der Brust seitlich an den Brustkorb - keine Sorge, der „BH-Bereich“ muß nicht freigelegt werden, die Aufkleber kommen nur daneben. An die Aufkleber werden Kabel geklemmt, die Deine Herzaktionen in das EKG-Gerät melden und man kann dann sehen ob Dein Kreislauf OK ist. Geht’s ihm gut ist alles prima, sollte etwas nicht optimal sein kann man ja über den Zugang für bessere Verhältnisse sorgen.
Man wird Dir dann noch eine Art Wäscheklammer am Finger befestigen. Die rote Lampe in der Wäscheklammer checkt durch den Finger und ohne daß es weh tut den Sauerstoffgehalt im Blut. Du wirst nachher noch lesen wozu das gut ist.
So, jetzt wird’s dann spannend 
Du darfst nämlich nun überlegen wovon Du träumen möchtest wenn Du einschläfst… Der Anästhesist wird Dir nämlich nun ein „Einschlafmittel“ in den Zugang spritzen und Du wirst nur Sekunden später feststellen daß „Müdigkeit heranflutet“, gegen die Du dich nicht wirst wehren können - Du wirst sehen, ein geiles Feeling! 
Ab jetzt bekommst Du rein gar nichts mehr mit und wir könnten hier aufhören, Du wirst nämlich irgendwann in Deinem Zimmer im Bett wieder wach werden und hast schon alles überstanden - war doch echt nicht so schlimm, oder?
Na gut, um Dir trotzdem den weiteren Ablauf zu schildern: wenn Du also eingeschlafen bist und auch die nach Deinem Körpergewicht und der Wirkung berechnete Menge des Medikamenten-Cocktails bekommen hast wird Dein Körper sich ein wenig schwer tun selber zu atmen. Also hilft man ihm mittels einer künstlichen Beatmung, und damit die optimal ist und zu keinem Zeitpunkt sowas wie „Luftnot“ auftritt (die Du nicht wahrnehmen würdest, denn Du bist ja narkotisiert, aber Dein Körper würde auf den Sauerstoffmangel reagieren) haben wir ja eben die Wäscheklammer an den Finger gemacht. Die Wäscheklammer - Wichtigtuer nennen es Pulsoxymeter
- würde registrieren wenn der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt, und dann gäbe es Alarm und man könnte mehr Sauerstoff geben bevor Dein Körper wahrnimmt daß der O2-Wert gesunken ist.
Zu dieser künstlichen Beatmung führt man einen Schlauch, Ärzte nennen ihn Endotrachealtubus, in die Luftröhre ein. Wärst Du bei Bewußtsein wäre das ein wenig unangenehm, aber Du schläfst ja… Über diesen Tubus bekommst Du dann durch eine Beatmungsmaschine Sauerstoff. Er wird sooft und in der Menge in Deine Lunge gepumpt wie Du normalerweise atmen würdest. Wegen der Wäscheklammer und auch aus Erfahrung weiß man immer wieviel Sauerstoff Du brauchst damit es Dir gut geht.
Während der Operation spritzt man dann allerdings nicht andauernd Medikamente in den Zugang, sondern man leitet neben dem Sauerstoff ein Narkosegas über den Tubus in die Lunge. Das Mittel gelangt so direkt in den Körper und ist höchst effektiv. Das Stellrad für die Gasmenge dreht man je nach Größe/Gewicht des Patienten auf einen Wert von ca. 1, die Skala geht aber bis 8. Mit dem Teil könnte man also Elefanten schlafen lassen und schmerzfrei halten - Du brauchst also keine Sorge haben wach zu werden, etc. Das würde man auch über die Meßgeräte lange bevor Du wirklich zu Bewußtsein kommen würdest merken. Also keine Sorge, da kann nix passieren…
Zum Ende der Operation hin dreht man dann das Gas ab. Ein Weilchen lang pennst Du trotzdem noch, dann kehren allmählich die Lebensgeister zurück
Sobald Du selber wieder anfängst zu atmen zieht man den Tubus raus, und die bequeme Zeit des „nicht mal mehr selber atmen müssens“
ist vorbei. Du wirst zwar noch eine ganze Weile total benommen sein und nicht mitbekommen was los ist, denn die Wirkung der Medikamente klingt langsam ab. Man fährt Dich aus dem OP zurück zur Schleuse, wo Dein Bett wartet, legt Dich vom OP-Tisch in Dein Bett zurück und da wirst Du wahrscheinlich erstmal gleich wieder einpennen weil Du noch benommen bist.
Wenn Du dann wacher geworden bist geht es Dir entweder gut - naja gut, eine Wunde ist natürlich da, aber das wirst Du überleben - oder Du hast doch ein wenig Schmerzen. Dann sagst Du einer Schwester Bescheid und man gibt Dir etwas dagegen.
Letztlich ist das alles nur deswegen beängstigend weil man einen „Kontrollverlust“ hat, also nicht mitbekommt was mit einem geschieht und Angst hat man könnte entweder nicht fest genug schlafen oder aber nach nicht mehr aufwachen. Beides ist aber eine vollkommen unbegründete Sorge.
Eine Narkose ist halb so schlimm, das wirst Du locker über die Bühne bringen.
Ich drücke Dir die Daumen und hoffe ich konnte Dir ein wenig von der Angst nehmen.
MecFleih