In Schrift, Bild, als Befund und als Ton
Hallo Stefan,
meine Mutter ist über 70,
selbstständig, nicht mehr 100% auf der Höhe. Das
spielt im Alltagsleben keine Rolle, wohl aber bei
Arztbesuchen.
Welche Kostenentwicklung irritiert dich dabei besonders?
Wenn wir die Frau nach einem Arztbesuch nach Diagnose und
geplanter Behandlung fragen, kriegen wir nur völlig konfuse
Aussagen, die erkennen lassen, dass sie absolut nichts
verstanden (behalten?) hat, was der Arzt ihr gesagt hat.
Wir? Ist sie verunsichert? Sie kann das Gespräch mitzeichnen. Sich auf einen Brief zu beschränken finde ich blöd. Das ist doch alles gelebte Zeit. Und Zeit ist Geld. Zum Mitschneiden genügt ein einfaches Diktiergerät. Du kannst Gehörtes dann leichter relativieren und erkennst dann vielleicht, woraus die Unschärfe resultiert, und kannst Verunsicherndes eindeutig und mit ihr gemeinsam hinterfragen. Und anhand der Kopien der von ihm erstellten Befunde entpuppt sich mancher „Krebs“ als harmloses Handicap. Wenn sie die Auskunft des Arztes weiter relativieren will, lohnt bestimmt ein Blick zur Konkurrenz. Um die Kostenentwicklung zu begrenzen, sprecht euch vorher mit ihrer Krankenkasse ab. Der Homöopath ist dabei ein nicht zu unterschätzender Gegenüber, zumal er methodenbezogen am Benefit deiner Mutter verdient, ohne sich primär auf Diagnosen zurückziehen zu können, sobald sie Regress anmeldet.
Langer Rede, kurze Frage: Kann man sich eigentlich beim Arzt
Diagnose und Therapie schriftlich mitgeben lassen?
Ja. Für dich, sobald du ihn konsultierst. Für sie, wenn sie in deine Begleitung einwilligt, weil sie dich als Stütze schätzt.
Oder zufaxen lassen?
Damit entsteht ein Zeitleck, resignier. Außerdem büßt du dabei den Blickkontakt und die Stimmfärbung ein. Schließlich geht es um deine Mutter.
Wird sowas überhaupt gemacht?
Der Behandler ist dazu verpflichtet, ihr alles (als Kopie) zu überlassen, was er nicht ausdrücklich als persönliche Notiz abgelegt hat. Er kann andererseits nur abrechnen, was er dokumentiert. Sie kann ihn also auch über die Krankenkasse daran erinnern, was fehlt. Da die Abrechnung allerdings zeitlich versetzt erfolgt, hat sie einen relativ unscharfen Zugriff auf die von ihm eingeleiteten Manipulationen. Soweit zum Patientenrecht im Hier und Jetzt beim noch nicht HOPS- oder Alzheimer-Gemobbten. Der Abgleich mit der jeweiligen Guideline und dem ortsüblichen Disease-Management orientiert sie grob darüber, welche Anteile des offensichtlich noch ausstehenden Behandlungsplanes kassenseitig abgefangen werden.
Kostet das extra?
Für die Kopien, die Tonband-Batterie und den Tonaufzeichnungsträger würde ich bei der Kasse die Kostenübernahme erbitten.
Auf diese Art könnten wir nämlich in Ruhe zu hause nachlesen,
um was es eigentlich geht.
…um was es wem wann wo wie wobei geht? Je präziser du fragst, umso begrenzter ist die Antwort. Je offener, umso mehr Bauchstimme kommt rüber. Manchmal ist die Bauchstimme instruktiver als die Spitze des Eisbergs.
Eine Begleitung zum Arzt scheitert
sowohl am Unabhängigkeitswillen der Seniorin als auch an der
Terminplanung.
Du bist austauschbar. Wie der Arzt. Es ist IHR Leben.
Gruß