Ich bin steinreich - leider nur Gallensteine

Hallo,

so, da hat mir nun der Doc bestätigt, dass meine Gallenblase raus soll. Ich habe mich bei ihm und im Netz bereits informiert, wie das abläuft - soweit so gut.

  1. Hat jemand hier schon Erfahrungen mit der Entfernung der Gallenblase per Laparoskopie? Wie fühlt man sich danach? Mein Vater berichtete, er habe 2-3 Monate gebraucht, bis er das Gefühl hatte, seine inneren Organe seien wieder da wo sie hingehören.

  2. ich möchte die OP gerne bis in den Herbst hinauszögern (damit es nicht mehr so heiss ist). Wie kann ich meiner Galle solange ein bisschen helfen? Wenig Fett und kleine Mahlzeiten ist klar. Kaffee und Alkohol trinke ich sowieso nicht. Was gibt es sonst noch zu beachten? Was kann ich zu mir nehmen, das die Gallenbildung fördert (ausser Gallentee)?

Danke,

Myriam

Hallo Myriam,

hmmmm - ich bin ja nun weder Doc noch sonst irgendwie medizinisch „belastet“ :wink: Aber eine meiner früheren Kolleginnen hat auch mal ihre Gallenblase hergeben müssen, und fand das eigentlich nicht so gut. Zum einen hat das nach der OP wohl noch recht lange gedauert, bis sie überhaupt wieder normal essen konnte und zum anderen verträgt sie seitdem willkürlich manche Nahrungsmittel nimmer (kriegt sofort und heftigsten Durchfall davon). Ihre OP ist aber schon eher lange (ich schätze mal so 7-8 Jahre) her, und sie hat mir mal gesagt, daß man „heutzutage“ Gallenblasen nimmer so schnell rausmacht. Nun kann ich natürlich nicht sagen, wie das bei Dir aussieht, aber vielleicht hast Du ja noch nen zweiten Arzt, der einfach noch ne zweite Meinung hat. Wär ja doch gar nicht schlecht, wenn man Dich von Deinem „Steinreichtum“ erlösen könnte ohne die ganze Gallenblase zu opfern :wink:

Ich drück Dir auf jeden Fall sämtliche Daumen!

Petzi

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Hallo Petzi,

danke für Deinen Input. Laut meiner Info ist es genau andersherum: früher hat man öfterns nur die Steine entfernt bzw. per Ultraschall (oder so ähnlich) zertrümmert. Da sich aber bei den meisten Patienten aufgrund der erblichen und sonstigen Veranlagung die Steine recht schnell neu bilden, wird heute recht schnell die Gallenblase entfernt.

Abgesehen davon: wenn es mir mit einer erträglichen Ernährungsumstellung gelingen sollte, in den nächsten 4 Monaten eine deutliche Besserung zu erreichen, sieht mich kein Krankenhaus. Aber jede Woche eine Gallenkolik, das brauche ich einfach nicht.

Gruß,

Myriam

hallo myriam,
ich schliesse mich petzi´s meinung an. auch ich habe (wenn auch nur 2 grosse) gallensteine, die bisher gottseidank stumm blieben. dachte immer, naja, wenn die mal rebellieren, raus mit dem teil. hatte von freunden bisher gehört, alles no prob, hinterher gehts dir viel besser und du kannst wieder alles essen. nun hat man meiner schwiegermama (80J.) die galle entfernt. ihr war vorher grottenschlecht bei allem was sie ass (fettarm, miniportionen, never alk) und es ist jetzt kein deut besser, alle 4-6 wochen darf sie sich im krankenhaus einfinden,wo angeblich „griess in den gallengängen“ entfernt werden muss, der ihr, sofern er drin bleibt, mörderschmerzen macht. auch die story mit dem dünnpfiff nach entfernung stimmt,… damit allerdings rückten die docs auch erst raus, als die galle entfernt war.
ich habe meine „raus-damit“ meinung revidiert und würde erstmal alles andere probieren, die steine entfernen zu lassen, aber die blase zu .
erhalten. mein vertrauen in die docs hat somit einen weiteren knacks erhalten, gut informieren heisst die devise (sag ich dir und ich bin vom fach!)
grüsse
karin

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Hallo Myriam,
unsere älteste Tochter war mit 19 Jahren so steinreich, dass sie durch Laparoskopie davon befreit werden musste. Es ging nicht anders. Sie kam dann vor einigen Jahren am 2. Januar(es war ein Dienstag) ins Krankenhaus, einen Tag später wurde sie operiert und war wegen der Intubationsnarkose etwas daneben. Aber das ist normal. Und am nächsten Tag dem Donnerstag war sie schon wieder so frech, dass der Professor (OA´s und Assis waren noch in den Winterferien) sie am nächsten Morgen nach Haus entliess. So konnte sie am Abend den 90.ten Geburtstag ihrer ältesten Tante mitfeiern. Natürlich unter Schonung. Aber das,was ihr beim Essen Spass machte, hatte sie dann schon verdrückt. Im weiteren Verlauf der Heilungsphase keine Auffälligkeiten. In den letzten vier Jahren mußte sie keine Rücksicht auf das nehmen, was sie ißt oder trinkt. Sie würde sich immer wieder operieren lassen. Die Koliken waren so schmerzhaft!

Eine wahrer Fortschritt gegenüber den Gallenblasen-OP´s meines Vaters und Schwiegervaters vor ca. 30-40 Jahren mit wochenlanger Liegezeit im Krankenhaus und entsprechenden Schmerzen. Und alles lief damals nach dem Motto ab: Großer Chirurg - großer Schnitt. Das mußte dann alles wieder zusammenwachsen. Anschließend Reha ein paar Wochen.

Nimm Deinen Mut zusammen, und Du wirst erlöst von den Koliken oder zumindest von der immer drohenden Gefahr vor diesen Koliken.

Gute Besserung
Bernd

Hallo,

so, da hat mir nun der Doc bestätigt, dass meine Gallenblase
raus soll. Ich habe mich bei ihm und im Netz bereits
informiert, wie das abläuft - soweit so gut.

  1. Hat jemand hier schon Erfahrungen mit der Entfernung der
    Gallenblase per Laparoskopie? Wie fühlt man sich danach? Mein
    Vater berichtete, er habe 2-3 Monate gebraucht, bis er das
    Gefühl hatte, seine inneren Organe seien wieder da wo sie
    hingehören.

Letzten Montag meldete ich mich mit gemischten Gefühlen im Krankenhaus (Marienkrankenhaus Cochem). Am Dienstag wollte man minimal invasiv meine Steine rausfieseln. Der Chirurg säbelte mich gleich komplett auf, weil nicht nur 9 Steine störten, sondern auch die Gallenblase unerwartet vereitert und verwachsen war. Leber und Galle waren entzündet. Ca. 1 1/2 Stunden soll die OP gedauert haben. Mein Alabasterbauch hat nun eine ca. 27 cm lange, mit Klammern zusammengehaltene Naht. Am Mittwoch war ich kaum in der Lage zweimal das Bett zu verlassen. Am Donnerstag früh meinte die Oberschwester „ich könne tun und lassen, was ich will“. Das bedeutete für mich raus (war sehr schmerzhaft) aus den Federn, raus in den Garten, auch wenn die heraushängenden Schläuche und Thrombosestrümpfe nicht gerade eine Zierde sind. Pünktlich zu den täglich fünf Infusionen (Antibiotikas), Spritzen und natürlich zum Essen, war ich da. Ansonsten latschte ich im Zeitlupentempo von einer schattigen Bank zur nächsten. Am Montag früh war ich wieder zuhause. Ich habe derzeit erträgliche Schmerzen und gehe davon aus, daß diese noch einige Zeit andauern werden. Anmerken will ich noch, daß der Arzt spöttisch meinte, ich sei ein harter Hund, weil ich ohne großen Gemecker alles über mich ergehen ließ. Mein letzter Krankenhausaufenthalt war vor gut dreißig Jahren (Blinddarm)! Am Sonntag lasse ich mir in der Klinik die Klammern rausmachen (geh Hausärzten aus dem Weg! Die haben idR nicht das passende Werkzeug).

  1. ich möchte die OP gerne bis in den Herbst hinauszögern
    (damit es nicht mehr so heiss ist). Wie kann ich meiner Galle
    solange ein bisschen helfen? Wenig Fett und kleine Mahlzeiten
    ist klar. Kaffee und Alkohol trinke ich sowieso nicht. Was
    gibt es sonst noch zu beachten? Was kann ich zu mir nehmen,
    das die Gallenbildung fördert (ausser Gallentee)?

Um ehrlich zu sein, ich rate Dir das Zeugs schnell rauschmeißen zu lassen. Ich habe, weil die Betreuung unseres Hundes nur im Urlaub meiner Frau möglich war, acht Wochen lang irgendwie die Wartezeit zwischen vereinbarten OP-Termin und dem OP-Tag „überlebt“. Immer in der Gefahr gelebt, plötzlich per Sanka eingeliefert zu werden. Der behandelnde Arzt meinte, ich war überfällig zur OP. Ich kenne Fälle, bei denen kam die OP zu spät (in einem älteren Lehrbuch der Medizin stand was von einer Sterblichkeitsrate bei Gallensteinen von rund 1% aller Betroffenen; das ist hoch!). Die Gallenpillen, die ich schluckte haben nach meiner Meinung nur eine psychologische Wirkung (Placebo?) gehabt. Nachteilig für meine Psyche war/ist, daß ich medizinische Kenntnisse habe und damit eine kritische Einstellung zu Ärzten und dem Drumherum habe. Aber ich habe es „überlebt“ und weiß, ich hatte keine andere Chance. Die Alternativen wären Schmerzen ohne Ende, ggf. ein schöner Grabstein und lachende Erben.

Noch ein wichtiger Tip. Bei den Patienten gibt es in der Klinik zweierlei Typen. Die Nervensägen, Miesmacher und Grantler und die sog. netten Patienten. Da ich ab Donnerstag kaum anwesend war, dürfte ich wahrscheinlich zu den „netten“ gehört haben. Mit fast allen Schwestern, Pflegern und Hilfskräften (incl. Putzfrauen) hatte ich ein gutes Verhältnis und auch über deren private Themen geratscht.

Danke,

Myriam