Hallo,
dass viele Medikamente bei Männern und Frauen durchaus unterschiedlich wirken, ist schon länger bekannt. So ist z.B. die Gefahr der Tablettensucht bei Frauen deshalb größer, weil Frauen bei vielen Schlaf- und Schmerzmitteln eine höhere Dosis benötigen, um einen vergleichbaren Effekt zu erzielen. Ein wichtiger Grund aber nicht der einzige für diese Unterschiede ist, dass Frauen aufgrund der Unterschiede in den Hormonkonzentrationen, schon eine andere Aufnahme des Medikaments zeigen (also wieviel des genommenen Medikaments z.B. in den Blutkreislauf kommt). Es gibt auch häufig Unterschiede bei Frauen, die die Pille nehmen zu denen, die sie nicht nehmen.
Als Folge des Contergan-Skandals hatte man - das heißt also zunächst in bester Absicht - damit angefangen, Frauen bewusst aus den klinischen Studien herauszunehmen. Es gab lange ein Gesetz, das Frauen in der ersten Testphase nicht zuließ.
Erst in den letzten Jahren wurde verstärkt festgestellt, dass manche Medikamente bei Frauen nicht wirken oder zu stark wirken. Warum dieses Dilemma nicht beseitigt wird, hat sowohl finanzielle als auch Interessens- und unbewusste gründe.
Finanziell:
* Das Nachtesten bereits zugelassener Medikamente hätte enorme Kosten zu Folge.
* Frauen zeigen leiden häufiger unter Nebenwirkungen, weshalb Frauen als Testpersonen nicht so erwünscht sind.
(*) Ob Frauen bei den meisten Medikamenten schlechter anschlagen, kann ich nicht wirklich sagen. Ich war bisher davon ausgegangen, hatte aber vor allem von Untersuchungen zu Schmerzmitteln gelesen. Nun hab ich aber vor ca. 3 Wochen gerade einen Vortrag zu dem Thema gehört, in dem die Professorin auch Beispiele aufführte, bei denn Frauen unter einer Überdosierung litten (da die Dosis für Männer optimiert wurde). Sie betonte, dass es bisher keine Regel gibt, ob die Wirkung stärker oder schwächer ist.
Interesse & Unbewusst
* Die meisten Wissenschaftler sind weiterhin Männer, und das Interesse speziell weibliche Probleme zu untersuchen ist geringer.
* Man hat herausgefunden, dass männliche Ärzte (von denen es immernoch mehr gibt als weibliche) unbewusst mehr männliche Testpersonen aussuchen, weibliche Ärzte mehr weibliche.
Und zuletzt: Nein, man kann das Problem nicht dadurch in den Griff bekommen, alte Testreihen erneut auszuwerten, denn häufig wurde das Geschlecht der Testperson nicht vermerkt. In manchen Fällen, wenn die Anzahl der weiblichen Testpersonen bekannt ist, ist diese zu gering, um der Statistik zu genügen.
Viele Grüße