Mein Senf dazu
Liebe Carry,
Diese Meinung, die ich jetzt schreibe, beruht auf eigenen Erfahrungen und auf den Ergebnissen intensiver Beschäftigung mit Psychopharmaka (Literatur, Arztgespräche, Supervisionen, Gedankenaustausch):
Ja, ein Hausarzt darf Antidepressiva verschreiben.
Ob er sorgsam umgeht, kann ich nicht beurteilen, aber aufgrund deines Nachtrages (Familiengeschichte, Mutter) hat er wahrscheinlich diesen Schluss gezogen.
Du sagst: „ohne nachzufragen“ - welche Fragen hättest du dir gewünscht?
Schade, dass du nicht zum Fragen gekommen bist, aber ich kenne das. Bis man dazu ansetzt, ist man auch schon draußen, auch wenn man sich noch so vornimmt, den Mund aufzumachen und sich nicht abwimmeln zu lassen. Ruf ihn doch an und bitte um ein paar Minuten Gespräch. Mehr, als dass er dich wieder abwimmelt, kann nicht passieren, aber vielleicht bringt es ja was.
Was die Medikamente selbst anbelangt, so habe ich kein Problem mit Seroxat (bzw. ähnlichen Präparaten). Ich persönlich habe keine Abhängigkeit entwickelt und habe auch keine Probleme beim Absetzen. Ich nehme sie 2 - 3 Monate lang bis ich eines Tages drauf vergesse. Dann nehme ich sie bis zu 6 Monate nicht und wenn ich spüre, es geht mir nicht so gut, fange ich wieder an. (Das ganze seit 6 Jahren).
Mit Lexotanil hätte ich meine Probleme. Auf Tranquilizer kann man eher und schneller süchtig werden als auf Medikamente aus der Seroxat-Gruppe. Habe vor etwa 10 Jahren Lexotanil genommen, die Dosis wurde immer höher, das Hirn immer lahmer und meine Emotionen immer flacher bis ich aufhörte. Hatte das Glück, dass ich keine Entzugserscheinungen hatte und habe mir mit mir selbst ausgemacht: nie mehr Tranquilizer!
Wie gesagt, das sind meine Erfahrungen, ob du damit was anfangen kannst, weiß ich nicht, aber vielleicht hilft es dir ein bisschen weiter.
Irene
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