trennung?

Von: , Frage gestellt am So, 19. Okt 2003

hallo,
die frage stelle ich bewusst nicht im l+l brett, weil es mit emotionen wohl nichts zu tun hat:

folgendes szenario;

ein guter freund ist schwer erkrankt und schon seit wochen in der klinik. seine lebensgefaehrtin wollte sich kurz vor ausbruch der krankheit ( aus voellig anderen gruenden ) trennen.
nunmehr wird der freund zum endstadium nach hause entlassen.

wann sollte die gefeahrtin ihm sagen, dass es mit denen vorbei ist?

jetzt?
warten, bis er tot ist?

bloede frage... gebe ich zu... die entscheidung ist auch schon getroffen worden.. ich frage hier, um meine ansicht dazu untermauern zu koennen...
gruss
khs

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 5 hilfreich
    Re: trennung?

    Hi,

    ich glaube daß man solche Entscheidungen als Außenstehender nicht bewerten kann... selbst wenn man genauere Umstände kennen würde kann die Güterabwägung, ob man die Trennung "durchzieht" oder nicht - und wenn ja wann - nur von der Beteiligten getroffen werden.

    Grundsätzlich denke ich stehen hier 2 Dinge gegeneinander: der (unterstellte) Wunsch des Freundes seine Partnerin nicht zu verlieren - vor allem nicht jetzt - einerseits und ihr Wunsch nach Trennung andererseits.

    Wie groß ist der Pflegeaufwand, falls sie sich entschließt "den Mund zu halten" und sich in Erwartung seines Todes gar nicht mehr zu trennen um ihm das zu ersparen? Kann sie sich das, will sie sich das antun?
    Über welche zeitlichen Perspektiven - auch wenn das immer schwierig einzuschätzen ist - muß nachgedacht werden?
    Könnte sie es mit sich vereinen ihm gerade jetzt, wo er in seiner letzten Lebensphase auf vertraute Menschen angewiesen ist, den Laufpaß zu geben?
    Andererseits: falls das Verhältnis beiderseits nicht gut ist - hätte eine Trennung dann möglicherweise gar den positiven Charakter des "reinen Tisch machen" bevor das nicht mehr möglich ist...?

    Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Wenn trennen dann sofort (weil es niemandem nützt ein verkrampftes Verhältnis länger als nötig aufrecht zu halten) - oder eben gar nicht mehr trennen um ihn, den sie immerhin geliebt hat (unterstelle ich) vor dieser finalen Enttäuschung zu beschützen.

    Grundsätzlich bin ich kein Freund von "Gekrampfe", aber hier stehen sich 2 ganz wichtige Güter gegenüber. Das Bedürfnis eines Todkranken nicht ausgerechnet in dieser Phase seine Partnerin zu verlieren und andererseits auch ihr Bedürfnis nach Klärung des Verhältnisses.

    Man sollte, wenn man solche Entscheidungen zu treffen hat, immer den Satz bedenken: "Den eigenen Tod muß man nur sterben, mit dem Tod anderer muß man leben - und das ist manchmal viel schwerer."
    Sich jetzt "falsch" zu entscheiden bedeutet diese Entscheidung vermutlich nie wieder geraderücken und ändern zu können.

    Alles Gute für euch,

    MecFleih

    • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: trennung?

      Hi,

      ich glaube daß man solche Entscheidungen als Außenstehender
      nicht bewerten kann...
      moin,
      da hast du eigentlich recht - ich bin halt nur "befragt" worden, da ich beide gut und lange kenne...
      fakt und entwicklung ist: er kommt heute nachmittag gegen 3 aus der klinik, und sie schaut sich um 6 eine neue wohnung an...

      in den anderen punkten sehe ich es aehnlich wie du..
      gruss
      khs

      • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: trennung?

        Hi,

        danke für die Antwort! :-)

        Wie ich ja betont habe läßt sich solch eine Situation von Außenstehenden schlecht beurteilen bzw. man hat vielleicht eine Meinung dazu, aber ob man die genauso hätte wenn man selber entscheiden und handeln müßte?

        Außerdem hängt natürlich immer viel vom Verhältnis der beiden Partner - sowohl in der Vergangenheit wie auch jetzt - ab. Auch da haben andere nicht genügend Einblick um beurteilen zu können.

        Was ich in Deinen Antworten gelesen habe läßt mich allerdings annehmen daß ich persönlich wohl eher in Richtung "Theater spielen" tendiert hätte.
        Wenn sie ihn schon seit mehr als einem halben Jahr nicht verlassen und auch in seiner Krankheit begleitet hat - dann ist es ja offenbar nicht so daß sie damit nicht umgehen kann. Außerdem schreibst Du daß sich die beiden schon ewig kennen und die Beziehung auch schon ein paar Jährchen alt ist. Da stellt sich natürlich wirklich die Frage ob es "fair" ist den Freund ausgerechnet jetzt noch zu verlassen...
        Dazu kommt daß sie zwar für sich persönlich die Trennung klargemacht hat, andererseits aber doch nicht immun gegen die Reaktionen des Umfeldes ist. Dieses wäre aber notwendig wenn sie sich trennt, denn Kritik und Verachtung wird sie mit Sicherheit auf sich ziehen.
        Wenn seine Prognose also nicht mehr allzu lange geht hätte ich persönlich mich anders entschieden als sie - aber das ist nur eine Vermutung und wie geschrieben unter Vorbehalt.

        Gruß,

        MecFleih

        • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: trennung?

          moin,
          stimmt schon... als aussenstehender weiss man zuwenig, um eine "richtige" entscheidung zu treffen.
          fuer ihre entscheidung spricht:

          die beziehung war hinueber, das zusammenbleiben war - wie schon gesagt - eine mischung aus phlegma und schwierigem wohnungsmarkt in rhein-main.
          die beziehung war AUCH hinueber, weil er auf ihre kosten lebte und wenig anstrengungen machte, die situation zu verbessern.

          seitdem er im krankenhaus ist, tyrannisiert er sein umfeld: die aerzte haben alle keine ahnung, die schwestern nehmen seine krankheit nicht ernst. von seinen mitpatienten laesst er sich quasi feiern, weil er die hoechsten dosen morphine und die hammerhaerteste chemo bekommen hat. seiner noch-lebensgefaehrtin, die ihn taeglich besucht hat, wirft er andauernd vor, sie wuerde nicht genug verstaendnis fuer ihn haben.. konkreter wird er nicht... ich kann IHN verstehen: die aussichtslosigkeit seiner situation laesst alle moeglichen reaktionen und erklaerungen zu.
          ich habe ihn auch nehrfach besucht: er erzaehlte mir permanent, was ihm schmerzt, was er fuer treatments bekommt. o.k. beim ersten mal hat mich das interessiert, beim fuenften mal dann nicht mehr, und ich habe ihm auch deutlich gesagt, dass es mir irgendwo abgeht... und siehe da, wir konnten entspannt ueber andere dinge sprechen..
          leider hat sie die kraft nicht, diese gespraeche umzubiegen...
          aus dem krankenhaus konnte sie dann wenigstens verschwinden, sich entziehen... wenn er aber ab heute nachmittag zu hause ist, wird das die hoelle, wenn er sich nicht gruendlich in der birne geaendert hat...
          gruss
          kuddel

          • Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
            Re^5: trennung?

            Hi Kuddel,

            wirst Du erfahren wie der Tag heute verläuft und wie es langfristig weitergeht?

            Würde mich interessieren...

            MecFleih

  2. Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
    Re: trennung?

    Moin Kuddel, die frage stelle ich bewusst nicht im l+l brett, weil es mit
    emotionen wohl nichts zu tun hat:
    Hat es nicht? Vielleicht nicht im klassischen Sinne von L+L, aber sind platonische Gefühle nicht auch Emotionen? ein guter freund ist schwer erkrankt und schon seit wochen in
    der klinik. seine lebensgefaehrtin wollte sich kurz vor
    ausbruch der krankheit ( aus voellig anderen gruenden )
    trennen.
    Hätte sie es mal wirklich vorher getan, dann stünde sie jetzt nicht vor dieser Situation. Na ja, hinterher ist man immer schlauer... nunmehr wird der freund zum endstadium nach hause entlassen.
    Endstadium heißt hier was? Was sagen die Ärzte, wie viel Zeit geben sie ihm (mir ist klar, wie schwer sowas zu sagen ist). Wird er pflegebedürftig werden? Wird er stets im Vollbesitz seine rgeistigen Kräfte sein? wann sollte die gefeahrtin ihm sagen, dass es mit denen vorbei
    ist?
    Das kann nur sie entscheiden. Da dürften sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Wie lange waren sie zusammen? Wie intensiv war es? Wie ist es auseinander gegangen? Wie wäre ihre Beziehung jetzt ohne die Krankheit? Wie wichtig ist er ihr als Mensch, als Freund - und nicht mehr als Geliebter? jetzt?
    warten, bis er tot ist?
    Ich kann nur sagen, wie ICH ganz persönlich es halten würde. Angenommen, es war eine lange Beziehung, die sich auseinandergelebt hat, ich habe mich neu verliebt und würde mich trennen wollen. Es gab keinen Streit oder dergleichen und die Ärzte würden mir sagen, dass sie noch 2 oder 3 Wochen hat. Ich denke ich würde in diesem Fall das Spiel spielen. Länger? Ich weiß es nicht. Wenn aus Liebe Haß geworden wäre? Sicher nicht. bloede frage... gebe ich zu... die entscheidung ist auch schon
    getroffen worden.. ich frage hier, um meine ansicht dazu
    untermauern zu koennen...
    Verrätst du uns / mir, wie deine Bekannte sich entschieden hat?

    Gruß, Claus

    • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: trennung?


      Verrätst du uns / mir, wie deine Bekannte sich entschieden
      hat?
      moin,
      schau mal in meine antwort an mcfleih - da steht drin, was heute passiert.
      die zwei waren ca 5 jahre zusammen - es war allerdings eine sandkastenfreundschaft, die dann spaeter zur beziehung wurde.
      die trennung sollte ihrerseits ca schon vor einem halben jahr laufen, aber sachzwaenge und phlegma hielten sie zusammen.. die krankheit brach vor ca 2 monaten aus..
      gruss
      kuddel

      • Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: trennung?

        Remoin, schau mal in meine antwort an mcfleih - da steht drin, was
        heute passiert.
        Dass sie eine neue Wohnung besichtigt hatte ich wohl gelesen - aber anders interpretiert... die zwei waren ca 5 jahre zusammen - es war allerdings eine
        sandkastenfreundschaft, die dann spaeter zur beziehung wurde.
        die trennung sollte ihrerseits ca schon vor einem halben jahr
        laufen, aber sachzwaenge und phlegma hielten sie zusammen..
        Mag sich doof anhören, aber wenn Sachzwänge und Phlegma zusammen halten, dann... die krankheit brach vor ca 2 monaten aus..
        ... waren es also mindestens 4 Monate Gründe, die nichts mit dem zu erwartenden Ableben zu tun haben.

        Aber in so einer Situation kann nur jeder für sich selber entscheiden, eine Entscheidung, um die ich niemanden beneide. Ich glaube ich würde zum Theater neigen - nicht nur für den ex-Partner, sondern auch ganz egoistisch für mich selber. Denn ich müßte mit all dem weiterleben...

        Gruß und viel Glück deiner Bekannten!

  3. Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
    Re: trennung?

    hallo Karl-Heinz!

    Bei Bekannten ist etwas ähnliches passiert.
    Eine Familie mit zwei Kindern, die Ehe der Eltern wurde immer schlechter, Mann hatte schon 1/2 Jahr eine Geliebte, seine Frau bekam Krebs.
    Sie bat ihn, bis zu ihrem Tod bei ihr zubleiben.

    Das Problem ist, dass private Probleme, privater Stress durchaus der Auslöser für eine schlimme Krankheit sein können, in vielen Fällen, um den Partner nicht zu verlieren --->Krankheit als Weg.

    Allerdings ist es ein zweischneidiges Schwert, wie der Partner sich verhalten sollte.
    Ich finde, dass man das als Außenstehender wirklich nicht bewerten kann, weil da ja nun sehr viele Faktoren eine Rolle spielen.

    Viele Grüße
    Berlind



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