Demenz und Unterbringung in Heimen

Hallo zusammen,

ich hätte mal eine Frage bzgl. der Unterbringung von Demenzkranken.
Kurze Vorgeschie´chte:
Meine Oma ist sehr stark dement und wir wollten sie
für zwei Wochen in einer Kurzzeitpflege unterbringen,
damit die Betreuungsperson mal Urlaub machen kann, sprich meine Mutter.

Als sie „eingeliefert“ wurde, hatte meine Mutter darauf hingewiesen, dass meine Oma „wegläuft“ und man aufpassen müsse, dass das eben nicht geschieht, weil sie keine Lust hat, dass sie irgendwann tot in einem Maisfeld gefunden wird. Ist ja schon vorgekommen.
Sie sagte, dass es das einfachste sei, die „Haustür“ zu verschließen.

Das wollte aber das Heim nicht mitmachen.

Jetzt frage ich mich, was man in einem solchen Fall macht.
Einen richterlichen Beschluss in unserem Fall wird man sicherlcih bekommen. Halt einen Beschluss dafür, dass man die Freiheitsrechte einschränken muss, um der Person vor sich selbst zu schützen (Sie würde bei roten Ampel über die Straße laufen und ist orientierungslos).

Ist das normal? Wohin in was für Einrichtungen kann man denn Demenzkranke sonst unterbringen??

Ich meine, wenn sie die Heime sträuben, aufzupassen oder zu garantieren, dass ein Demenzkranker wegläuft, wie sollen denn „pflichtbewusste“ Angehörige „Urlaub“ machen?

Ich habe zumindest schon mal gehört, dass es solche „Teilgeschlossenen“ Einrichtungen gibt (halt mir riesem Garten, wo die Kranken rumlaufen können). Nur hat bisher noch niemand vom Pflegedienst oder Krankenhaus oder Gesundheitsamt gesagt, wo.
Wisst Ihr mehr?

Vielen Dank schon mal für Eure Tipps

Doc

Hallo Doc,

ich kenne die Problematik dadurch, dass mein Vater (auch dement, aber nicht weglaufend) in 2 verschiedenen Heimen war, wo man mit dem Problem wie folgt umgegangen ist:

Das erste war ein Privatheim (d.h. kein Vertrag mit dem Pflegedienst, kein voller Zuschuss von der Pflegekasse). Dort hat man, wenn Frau X im Haus war, die Haustür abgeschlossen. Alle, die helle genug waren, wussten wo der Schlüssel war, nur eben Frau X nicht. Problem: was passiert z.B. wenn Feuer ausbricht?

Das andere war ein großes Pflegeheim, wo die dementen Bewohner im obersten Stockwerk wohnten. Die Treppe war durch ein Babygitter gesperrt, der Weg zum Aufzug durch eine große Pflanze etwas aus der Sicht genommen.

Die Pfleger sind in solchen Fällen immer zwischen Pest und Cholera. Rein theoretisch haben sie die Aufsichtspflicht, aber die Praxis ist vielschichtig. Man muss ja auch dem Zustand eines jeden Bewohners irgendwie gerecht werden.

Die Pflegekasse müsste eigentlich eine Liste mit Heimen haben, mit denen sie einen Vertrag hat. Es wird nichts anderes übrig bleiben, als diese Heime abzuklappern, zu gucken wie man dort mit dem Problem umgeht und ein geeignetes Haus aussuchen. Ich habe mehrere Wochen zugebracht mit Telefonaten und Besichtigungen, bis ich ein Heim gefunden habe, das ich in Ordnung fand.

Also, nerv die Pflegekasse, bis sie diese Liste rausrücken.

HTH
Ravenna

Hi Ravenna,

die Idee mit dem Schlüssel ist ja ok, aber Du sagst es selbst:
Was ist bei Feuer, etc.

Die Pflanze wird bei meiner Oma nicht ausreichen.

Die Idee mit der Liste werde ich mal umsetzen.

Danke

Gruß
Doc

Unterbringungsbeschluß
Hallo Doc,

Auch das Landratsamt kann eine hilfreiche Informationsquelle sein.
Vorsicht übrigens mit dem Gerichtsbeschluß. Wenn der mal da ist, dann fallen alle Heim mit informeller Türregelung weg, dann akzeptiert das Gericht nur noch offizielle geschlossene Einrichtungen. Die sind zwar nicht deswegen schlechter, aber Eure Auswahlmöglichkeiten sind reduziert.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo,

es gibt natürlich Heime, die speziell für Demenzkranke sind, die verfügen dann auch baulich über die entsprechenden Sicherungen (wir bauen gerade so ein Heim). Diese Heime stehen aber bei weitem nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung und meist erst recht nicht für Kurzzeitpflege.

Leider wird Euch nichts anderes übrigbleiben, als evtl. für den Kurzzeitplatz einen Kompromiß einzugehen.

Es gibt einfach nicht genug Heime für diese speziellen Anforderungen und es gibt weder das Geld noch die Akzeptanz in der Bevölkerung für solche Bauten (klarer "Heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd andere an). Jeder möchte eine ideale Unterbringung, aber nicht vor meiner Haustür, aber in Laufnähe, wenn ich jemanden besuchen will…

Grüße

Wendy

Hallo,

hast du dich schon mal bei http://www.alois.de umgeschaut? Auch über die Gedächtnissprechstunden in den größeren Städten wirst du Hilfe bekommen. Das Problem ist, wie ein anderer Antworter ja schon beschrieb tatsächlich die Grauzone in der man sich da bewegt, wenn man nicht gerade eine rechtliche Betreuung mit Aufenthaltsbestimmungsrecht oder sogar einen Unterbringungsbeschluss hat (haben will). Dann geht die Sache rein formaljustistisch schnell Richtung Freiheitsberaubung, und einem solchen Vorwurf will sich natürlich niemand unnötig aussetzen. Trotzdem gibt es natürlich verständige Menschen, die zur Hilfe bereit sind, und z.B. auch ohne großes juristischen Aufheben elektronische „Fußfesseln“ (klingt schlimm, ist es aber gar nicht) im Heim einsetzen, die ich in solchen Fällen als die beste Lösung betrachte. Sie schränken die Bewegungsmöglichkeit zunächst gar nicht ein, und der oder die Betroffene spürt keine unnötigen Grenzen und kein unnötiges Eingesperrtsein. Er wird aber beim Verlassen des abgesicherten Geländes bemerkt und kann dann freundlich vom Pflegepersonal angesprochen und zurück geleitet werden.

Gruß vom Wiz

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familie & schizophrenie
Hallo zusammen,

demenz ist ein relationaler marker. er beschreibt eher das verhältnis der akteure zueinander im sinne einer hierarchie mit ungeduldigem kronprinzen als den momentanen effizienzgrad des phobie-handlings des betroffenen risikofreudigeren gegenübers.

vergleichst du die hirne von dir und deiner oma im brain-mapping, kannst du situativ gleiches provozieren. das krankheitsmodell trägt weder dein verhalten zu ihr noch die angst, die du in ihr dadurch auslöst. für das veränderte handlungsmuster trägst du selbst verantwortung: beobachte dich. dann hilfst du ihr am meisten, ihren alltag zu leben. im extremfall lohnt auch ein medikationsfreier rollentausch.

meine familie hat mich auch schon wegschließen lassen, droh. und es war kein ferienlager. auch kein fronteinsatz.

gruß.

Schuldzuweisungen aus sicherer Warte…
…sind für den dementen Patienten wie für den pflegenden Angehörigen nicht immer tröstend und hilfreich.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

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alter & behinderung
lieber wolfgang,

schuldzuweisungen sind für den dementen Patienten wie für den pflegenden
Angehörigen nicht immer tröstend und hilfreich.

als potentiell dementer siehst du das anders. und davor, dass dich jemand als dement einstuft, bist du nirgendwo sicher. jede treibjagd hat irgendwann begonnen. und wenn der hase zum jäger wird, liegt das oft an der demenz des bis dahin überlegenen.

mfg

ich fasse das jetzt mal…
nicht persönlich auf.
Wie weit die Demenz fortgeschritten ist, kannst Du gar nicht einschätzen. Eine „Hetzjagd“ wird sicherlich nicht vollführt.
Wenn Du Dich da persönlich angegriffen fühlst, kann ich nichts dafür.
Oft ist es aber so, dass Demenzkranke in der Anfangsphase dieses für sich nicht aktzeptieren und überspielen.
Sicherlich gibt es für „Verwirrtheit“, etc. auch andere Gründe, aber wenn diese medizinisch ausgeschlossen werden, stellt sich ja schon die Frage, was es sonst ist. Ich kann nur von meiner Oma sprechen, und da ist es Demenz oder Alzheimer. Nenn es wie Du es willst.

Nichts für ungut
Gruß
Doc

Krimi
Hi,

Wie weit die Demenz fortgeschritten ist, kannst Du gar nicht
einschätzen.

Von wem sprichst du gerade, wenn du an Demenz denkst? Natürlich ist Ausgrenzung und Vermitteln von Existenzangst ein Prozess. Mobbing eben.

Eine „Hetzjagd“ wird sicherlich nicht vollführt.

Aus welcher Perspektive?

Wenn Du Dich da persönlich angegriffen fühlst, kann ich nichts
dafür.

Ich bin nicht deine Oma. Das bedauere ich auch nicht.

Oft ist es aber so, dass Demenzkranke in der Anfangsphase
dieses für sich nicht aktzeptieren und überspielen.

Dieses? Shakira…

Sicherlich gibt es für „Verwirrtheit“, etc. auch andere
Gründe, aber wenn diese medizinisch ausgeschlossen werden,
stellt sich ja schon die Frage, was es sonst ist.

Verwirrend ist für mich jede Porno-Webcam. Dabei ist es ja nur Haut. Fremde Haut.

Ich kann nur von meiner Oma sprechen, und da ist es Demenz oder Alzheimer.

Es ist deine Oma? Ein unpersönliches Subjekt, staun.

Nenn es wie Du es willst.

Ich nenne es Frau. Einverstanden? Eine Frau. Es ist eine Frau.

Nichts für ungut

Nichts?

Gruß

Hallo Biggi,

nedu, wenn jemand aus seinem Haus muß, weil die Zustände wegen progredienter Altersdemenz untragbar geworden sind, dann ist das eine recht eindeutige Angelegenheit, und bis es so weit gekommen ist, haben die pflegenden Angehörigen wohl bereits einiges geleistet (z.B. an Einfühlung und Selbstverleugnung), was man nicht als Hetzjagd diffamieren sollte.
Du deutest Deine Erfahrung an, bei voller situativer Orientierung als dement interniert worden zu sein. Ich kann mir wohl kaum richtig vorstellen, wie verheerend diese Erfahrung womöglich für dich gewesen ist. Mag sein, daß man Dich da hat in die Pfanne hauen wollen, ich weiß es nicht.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

hallo wolfgang,

ich will dich nicht verunsichern, aber keiner von den damals disziplinarisch in der geschlossenen internierten war desorientiert. jeder von ihnen war jemandem, der erfolgreicher argumentieren konnte, im weg. in schweigehaft eben.

gruß.

Hallo Birgit,

da schätze ich mal, warst Du nicht in der Geriatrie. Ich habe etliche geriatrische Einrichtungen besucht, aber da war jeweils höchstens mal da und dort einer, der wußte, wo er war.

Daß einem ein Mensch „im Wege steht“, denn man zwar lange Zeit gepflegt hat, das aber irgendwann nicht mehr schafft, das ist nichts weiter als eine böse Wortwahl.

Ich habe Frauen kennengelernt, von Liebe sichtlich erfüllte, alte Frauen, die Ihren Ehemann internieren lassen haben und im Pflegeheim viele Stunden täglich bei ihm sind, obwohl der alles vergessen hat, wobei mit „alles“ hier „alles“ gemeint ist.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang,

da schätze ich mal, warst Du nicht in der Geriatrie. Ich habe
etliche geriatrische Einrichtungen besucht, aber da war
jeweils höchstens mal da und dort einer, der wußte, wo er war.

Daß einem ein Mensch „im Wege steht“, denn man zwar lange Zeit
gepflegt hat, das aber irgendwann nicht mehr schafft, das ist
nichts weiter als eine böse Wortwahl.

Ich habe Frauen kennengelernt, von Liebe sichtlich erfüllte,
alte Frauen, die Ihren Ehemann internieren lassen haben und im
Pflegeheim viele Stunden täglich bei ihm sind, obwohl der
alles vergessen hat, wobei mit „alles“ hier „alles“ gemeint
ist.

Wer da wo wann wie was tatsächlich vergessen hat, spürst du wahrscheinlich erst, wenn du dort selbst, vielleicht mit Schlaganfall und motorischer Aphasie, liegst. Vielleicht hast du dann sogar vergessen, wer von euch beiden eine Lebensversicherung abgeschlossen hat und welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie sich räumlich und familiär verändern will.

Mit herzlichem Gruß,

Natürlich gilt auch bei einem dementen Menschen, daß man nicht in ihn hinein-, sondern nur an in hinschauen kann. Aber es hilft ja nichts, als Angehöriger muß man auf die Veränderungen reagieren, die mit einem progredient Dementen geschehen.
Da hierbei letztlich kein Erfolg möglich ist, kann man den pflegenden Angehörigen generell unlautere Motive unterstellen, wenn man zu einer schäbigen Denkungsart neigt.
Mir persönlich z.B. wurde damals von seiten der Pflegedienste und Amtspersonen sowohl zum Vorwurf gemacht, die Einweisung in die geschlossene Geriatrie zulange hinausgezögert zu haben, als auch das Gegenteil.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

enge

Natürlich gilt auch bei einem dementen Menschen, daß man nicht
in ihn hinein-, sondern nur an in hinschauen kann. Aber es
hilft ja nichts, als Angehöriger muß man auf die Veränderungen
reagieren, die mit einem progredient Dementen geschehen.

mich hat auch wütend gemacht, wie wenig ich für meine oma tun konnte. gemeinsam atmen ging. alles andere war zu invasiv. da war zu viel gleichzeitiges. nenn es demenz oder angst. sie hatte keine chance, sich anders zu verhalten. wenn miteinander zur maßnahme wird, verletzt alles. jeder blick.

Da hierbei letztlich kein Erfolg möglich ist, kann man den
pflegenden Angehörigen generell unlautere Motive unterstellen,
wenn man zu einer schäbigen Denkungsart neigt.

http://www.letssingit.com/?http://www.letssingit.com…

Mir persönlich z.B. wurde damals von seiten der Pflegedienste
und Amtspersonen sowohl zum Vorwurf gemacht, die Einweisung in
die geschlossene Geriatrie zulange hinausgezögert zu haben,
als auch das Gegenteil.

Stille trennt auch. Wer aufhört zu streiten, hört auf zu begleiten.

Mit herzlichem Gruß,

Stille trennt auch. Wer aufhört zu streiten, hört auf zu
begleiten.

Ja, das wars. Irgendwann konnte ich den Streit nicht mehr gewinnen, den Streit gegen die Inkontinenz, gegen die Selbstgefährdung und all das. Profis haben das mit amtsgerichtlicher Fürsorge dann noch zwei Jahre länger als ich hingekriegt.

Jetzt erzähl mal, mit Deiner Oma, wer war denn als Betreuer bestellt?

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

zeitdruck

Jetzt erzähl mal, mit Deiner Oma, wer war denn als Betreuer
bestellt?

keine ahnung. ich hatte sie angerufen, um sie zu hören. manchmal fragte die schwester zurück, ob wir fertig sind. hab gefragt, ob das handy bei meiner oma bleiben darf. das stations-handy. tja. es ging. atmen ging. als das rasseln stärker wurde, bin ich zu ihr gefahren. lymphangiosis nannte der chefarzt das, was wie aspirierte buchtelsuppe aussah. die schwester fühlte sich beobachtet, glaube ich. ich war keinen moment allein mit meiner oma. die schwester fütterte so hastig. auf lunge. vielleicht hab ich gestört, weiß ja nicht, wie es war, wenn ich nicht zugeschaut hab. ich wußte nur, dass sich mein vater und meine oma immer gestritten haben. hab die beiden nur im streit erlebt. an dem tag war sie zu schwach zum streiten. schon fast im licht. und dann meinte der chefarzt, dass die kassen einen sauerstoffkonzentrator stellen und oma mit blasenkathetern umgehen kann. ich wollte meine eltern erst fragen, da ich mich grad in münchen beworben hatte und die ablehnung noch nicht da war. am selben abend starb sie. ich dachte, ich hätte noch zeit. zu spät. eine milchmädchenrechnung.

Mit herzlichem Gruß,