Blutdruckmessgeräte - neuerliche Frage

Liebe Experten,
ich habe mich durch die älteren Threads bezüglich Blutdruckmessgeräte durchgelesen und interessante Informationen gefunden. Eine Zusatzfrage hätte ich noch an Euch:
im Handel wird ein Messgerät angeboten, das nach dem oszillometrischen Messprinzip arbeiten. Zitat: „Der grosse Vorteil dieser Messmethode liegt darin, dass kein Mikrofon erforderlich ist, von dessen genauer Positionierung beim Anlegen der Manschette die Zuverlässigkeit der Messwerte weitgehend abhängig ist.“

Könnt Ihr mir dazu etwas sagen? Ist das, was da behauptet wird, korrekt? Sollte man bei einer Neuanschaffung ein Gerät, das nach diesem Prinzip misst, den Vorzug geben?

Vielen Dank
Irene

Ehrlich gesagt, solche Geräte oder Messmethoden kenne ich nicht.

Ich weiss nur, dass der Blutdruck normalerweise in zwei Angaben diagnostiziert wird, dem systolischen (oberen) und diastolischen (unteren) Wert. Die gesamte medizinische Literatur fusst darauf.

Nun ist der untere und der obere Wert definiert als die Werte unter Manschettendruck, bei denen – je nach Blutdruck – charakteristische Wirbel im Blutstrom entstehen, die ein typisches Geräusch erzeugen, das man hören kann.

Wenn man also klassisch mit dem Stethoskop oder mit einem Mikrofon lauscht, dann arbeitet man exakt nach der Definition des Blutdrucks; anders gesagt, es geht nicht besser als so.

Eventuell aber geht es auf andere Weise, wenn schon nicht besser, dann wenigstens gleich gut. So wie man beispielsweise den Reifenluftdruck beim Auto sicher auch am Ton einer Trillerpfeife erkennen kann, die man schnell vors Ventil hält. Aber simpler ist, finde ich, der „konventionelle“ Weg über den Druckmesser.

Und so ist das auch bei Blutdruckmessgeräten.

Hi,
hier noch eine weitere Angabe aus der Produktbeschreibung:

Es arbeitet nach dem oszillometrischen Messprinzip. Die durch die Pulswellen verursachten und von der Manschette übertragenen Druckschwankungen (Oszillationen) werden abgespeichert und vom Mikroprozessor ausgewertet.

Meinst du - deines Wissens nach - hat diese Aussage Hand und Fuß?
Danke
Irene

Hi Irene,

hier spricht der Messknecht:

Bei der Blutdruckmessung wird nicht der Blutdruck gemessen, sondern der Druck, den die Manschette erzeugt. Du hast bestimmt schon mal ein altes Gerät gesehen, wo der Arzt pumpt, bis der Zeiger oben ist, dann ein Schräubchen öffnet und daraufhin der Zeiger nach unten wandert. Fällt jetzt der Blutdruck, so wie der Zeiger fällt? Mitnichten (NDR: mit Nichten) - der Druck unter der Manschette sinkt.

So weit, so gut - das hätten wir auch ohne Arzt hinbekommen. Die Kunst liegt nun darin, den oberen und den unteren Wert zu bestimmen; das tut der Arzt, indem er erstmal hochpumpt, bis die Ader abgedrückt ist, langsam den Druck vermindert und horcht, ab wann das Blut wieder fließt. Damit hat er den oberen Wert bestimmt. Wenn der Druck weit genug gefallen ist, dass die Manschette dem Blut keinen Widerstand mehr bietet - das ist der Moment, ab dem nichts mehr zu hören ist -, ist der untere Wert erreicht.

Es arbeitet nach dem oszillometrischen Messprinzip. Die durch die Pulswellen verursachten und von der Manschette übertragenen Druckschwankungen (Oszillationen) werden abgespeichert und vom Mikroprozessor ausgewertet.

Das ist Marketing-Geblubber. Auch so ein Automat muss „horchen“, sonst kann er weder den oberen noch den unteren Wert bestimmen, und nur darauf kommt es an. Das Abspeichern ersetzt das Kurzzeitgedächtnis.

Gruß Ralf

Hallo Ralf!
Danke! Ich freue mich immer, wenn ich etwas genau erklärt bekomme und dann weiß, wie die Dinge funktionieren. Gut, es ist also ein Marketing-Schmäh und keine glorreiche Neuerfindung.
Beste Grüße
Irene

ist also ein Marketing-Schmäh und keine glorreiche
Neuerfindung.

Du urteilst zu hart, finde ich.
Vielleicht ist es ja tatsächlich etwas glorreiches Neues.

Aber es ist einfach überflüssig. Die besten Blutdruckmessgeräte (die übrigens wirklich den Blutdruck messen, keinen „Manschettendruck“ :smile: sind die simpelsten. Ich kenne einen Kollegen, dessen Blutdruckmesser hat tatsächlich eine ca. 40 cm hohe Quecksilbersäule, und ist bis dato in puncto Genauigkeit unübertroffen.

Aber nichts gegen modernes Marketing, ohne das ja Bill Gates kein einziges Exemplar von Windows verkauft hätte.
Wer weiß, vielleicht heißt sein nächstes Produkt „Microsoft Blood Pressure 2004“ ?

–Michael

Hi Germike,

Die besten Blutdruckmessgeräte (die übrigens wirklich den Blutdruck messen, keinen „Manschettendruck“ :smile:

ich muss mich wiederholen: Auch die mit der Quecksilbersäule messen den Manschettendruck , was ja auch keine Schande ist, da nur so der Blutdruck unblutig bestimmt werden kann.

Gruß Ralf