Erste Hilfe vor dem Herzstillstand

Hallo zusammen!

Heute abend lief im TV ein Beitrag über Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt. Gezeigt wurden dabei Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Aber setzt die Anwendung dieser Maßnahmen nicht voraus, dass bereits ein Herstillstand eingetreten ist?

Was soll man also tun, wenn man bei jemandem Symptome eines Herzinfarkts bemerkt, aber weder die Atmung ausgefallen ist, noch das Herz still steht? Wie verhindert man, dass es überhaupt erst zu einem Herzstillstand oder einer Atemlähmung kommt.

Dass man den Notarzt sofort ruft ist klar. Was soll man sonst mit dem Infarktpatienten bis zum Eintreffen des Notarztes tun?

Für Eure Antworten schon einmal vielen Dank!

Gruß

Christoph

Hallo Christoph,

also, wenn jemand einen Herzinfarkt hat, aber noch atmet und das Herz somit noch schlägt, dann klar sofort Notarzt rufen, ansonsten die Person hinsetzten ( dann ist ned so viel Blut im Oberkörper), und ihr die Wartezeit bis der Notarzt kommt so angenehm wie möglich machen. Einfach beruhigend auf die Person einsprechen.
Wenn es zu einem Herzstillstand mit Atemstillstand kommt, kann man das als Nicht-Mediziner nicht verhindern, hab ich zumindest mal gelernt.

Hoffe, ich konnte dir ein bißchen weiterhelfen,
LG,
Hermi

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Hi,

ein Herzstillstand ist nicht die automatische und zwingende Folge eines Infarktes.

Ein Herzinfarkt wird dadurch charakterisiert daß ein Herzkranzgefäß, welches den Herzmuskel selber mit Blut versorgt, verstopft. Dadurch wird ein bestimmtes Areal nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt, es droht eine Nekrose (Gewebe stirbt ab).

In der Folge kommt es dann sehr oft zu Herzrhythmusstörungen, und da insbesondere zum Kammerflimmern: dabei steht das Herz nicht still, sondern es zuckt sehr schnell - schnell deswegen weil es nicht mehr genügend Blut auswirft, das wird durch eine Frequenzerhöhung zu kompensieren versucht, und es kommt eben ein Teufelskreis in Gang.

Dieses Kammerflimmern kommt einem wirklichen Stillstand des Herzens insofern nahe als kaum noch Blut aus dem Herzen gepumpt wird und es de facto wie ein Kreislaufstillstand ist.
Abhilfe schafft eine Defibrillation, damit wird das schnelle Flimmern beendet, und in der nachfolgenden Reanimation wieder ein „normaler“ Kreislauf hergestellt. Zu diesem Zweck verbreiten sich mehr und mehr die automatischen Defibrillatoren, die in den USA bereits wie hier Feuerlöscher an öffentlichen Orten vorgehalten werden.

Hat man keinen Defi zur Verfügung kann man den Patienten mit Herzdruckmassage und Beatmung behandeln, um eben dem „de-facto-Herzstillstand“ während des Kammerflimmerns zu begegnen.

Nun muß es ja nicht unbedingt zum KAmmerflimmern kommen, und darauf zielt Deine Frage ab.

Äußert jemand Infarkt-typische Symptome, also ein Enge- oder Druckgefühl in der Brust, häufig in die Arme (besonders den linken) ausstrahlende Schmerzen, Angst- und Vernichtungsgefühle, Atemnot, Übelkeit, dann liegt der Verdacht eines Infarktes nahe.

In diesem Fall sollte man den Patienten mit erhöhtem Oberkörper lagern, ihn aber nicht anstrengen. Jede Form körperlicher Betätigung sollte unterbleiben, er sollte ruhig bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes abwarten und liegen/sitzen bleiben. Man sollte denjenigen beruhigen, für frische Luft sorgen, und natürlich Hilfe holen.
Hilfe ist nicht der Hausarzt, der „irgendwann“ zum Hausbesuch erscheint, sondern der Rettungsdienst unter der Rufnummer 112.

Es gibt also nicht viel zu tun, nur eben dafür sorgen daß sich der Patient nicht mehr viel bewegt, vor allem nicht anstrengt, und mit erhöhtem Oberkörper gelagert wird. Außerdem beruhigen, frische Luft, keine Hektik veranstalten und Notruf absetzen.

MecFleih

Hi,

Heute abend lief im TV ein Beitrag über Erste Hilfe bei einem
Herzinfarkt. Gezeigt wurden dabei Herzmassage und
Mund-zu-Mund-Beatmung. Aber setzt die Anwendung dieser
Maßnahmen nicht voraus, dass bereits ein Herstillstand
eingetreten ist?

Korrekt. Ansonsten führt die Herzmassage eher dazu, daß man den Herzstillstand verursacht :smile:

Was soll man also tun, wenn man bei jemandem Symptome eines
Herzinfarkts bemerkt, aber weder die Atmung ausgefallen ist,
noch das Herz still steht?

Dass man den Notarzt sofort ruft ist klar. Was soll man sonst
mit dem Infarktpatienten bis zum Eintreffen des Notarztes tun?

  1. Lagerung
    Herzinfarktpatienten lagert man am Besten aufrecht sitzend, irgendwo angelehnt. Durch die Oberkörperhochlage wird das Herz venös entlastet, es drückt also weniger Blut auf’s Herz (bildlich gesprochen).

  2. Ruhe
    Jegliche Art von Anstrengung ist strengstens verboten! Der Patient läuft nirgendswo mehr hin, noch nicht mal auf’s Klo. Zur Not holt man ihm nen Eimer.

  3. Atmung erleichtern
    Infarktpatienten haben häufig starke Beklemmungsgefühle.
    Oberste Hemdknöpfe lockern, Krawatte entfernen, Jacke ausziehen, BH aufmachen (kein Scherz!), Gürtel lockern, Fenster öffnen (-> Frischluft).

  4. Psychische Betreuung
    Infarktpatienten haben häufig Todesängste. Beruhigung, Händchen halten, gut zureden, aber nicht sinnlos vollschwallern. Unruhequellen (andere Leute, Gaffer, Musik, Lärm) entfernen lassen.

  5. Nitrospray
    Häufig haben solche Patienten Nitrospray dabei, weil eine Vorerkrankung bekannt ist. Das ist ein rotes Fläschen mit einer Flüssigkeit darin.
    Man kann (wenn der Puls kräftig ist!) dem Patienten dabei behilflich sein, 1-2 Hübe davon unter die Zunge zu sprühen. Natürlich nur, wenn er bei Bewusstsein ist. Das wissen diese Patienten aber meistens selbst.

  6. Eigenwärme erhalten
    Wenn es kalt ist, z.B. durch das offene Fenster und die entfernten Klamotten, kann man bspw. eine Decke nehmen, um die Patienten warm zu halten, ohne sie einzuengen.

  7. Bei nächster Gelegenheit einen sehr kostengünstigen Erste Hilfe-Kurs bei der Hilfsorganisation Deines Vertrauens besuchen!

Gruß,

Malte.

Hallo zusammen!

Ihr habt mir alle sehr erschöpfend Auskunft gegeben. Vielen Dank dafür! Mir wird auch bewusst, dass ich meine Erste-Hilfe-Kenntnisse mal wieder auffrischen muss.

Gruß

Christoph

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Liebe Hermione,

Da hab ich aber vor vielen Jahren etwas anderes gelernt,…
denn:

Wenn es zu einem Herzstillstand mit Atemstillstand kommt, kann
man das als Nicht-Mediziner nicht verhindern, hab ich
zumindest mal gelernt.

in 5-7 Minuten ist dieser Patient gestorben.Du wirst also niemals in dieser Zeit einen Arzt herbeischaffen können.
Also sofort äussere Herzmassage, beginnend mit einem starken Schlag auf die Herzgegend, dann beatmen mit wechselnder H.massage.
Diese Erst-Rettungsmassnahmen müssen selbst verständlich gelernt und geübt sein.(Samariterverein,Militär,Feuerwehr, Sportvereinen)

Habe selbst zwei Infarkte überlebt, vermutlich nur dank eben eines selbst erteilten Faustschlages, in den ersten Sekunden, auf die Herzgegend.
Es besteht nach meiner Ansicht,die Möglichkeit, dass, durch den Schlag, das Gerinsel sich auflöst ?
Die Druckstösse auf die Herzgegend, müssen derart stark sein, dass man ev. das Risiko eines Rippenbruches in Kauf nimmt. Aus diesem Grund darf man Herzmassage nur am Phantomgerät üben.

Gruss
Fritz
a.d.Uw.

Hallo Fritz!

Ich verstehe Hermiones Beitrag so, daß man ohne Medikamente und andere Ausrüstung das Auftreten des Herzstillstandes bei einem Herzinfarkt nicht wesentlich beeinflussen kann und stimme dem eigentlich auch zu.
Je nach Region und Größe des verursachten Gewebeschadens tritt der Herzstillstand wahrscheinlicher ein oder nicht. Sollte es tatsächlich dazu kommen muß man natürlich mit der Herzdruckmassage beginnen.
Der oft erwähnte Faustschlag löst meines Wissens das Gerinnsel nicht auf, wenn er überhaupt wirksam ist, dann mehr über Anregung der elektrischen Erregungsbildung des Herzens.

Gruß Peter

Urban Legends…
Hi Fritz,

Wenn es zu einem Herzstillstand mit Atemstillstand kommt, kann
man das als Nicht-Mediziner nicht verhindern, hab ich
zumindest mal gelernt.

Das ist soweit fast richtig. Wobei die von mir o.g. Maßnahmen den Herzstillstand schon verhindern können - evtl. Sie machen es jedenfalls wahrscheinlicher, daß er nicht eintritt.

in 5-7 Minuten ist dieser Patient gestorben.Du wirst also
niemals in dieser Zeit einen Arzt herbeischaffen können.
Also sofort äussere Herzmassage, beginnend mit einem starken
Schlag auf die Herzgegend, dann beatmen mit wechselnder
H.massage.
Diese Erst-Rettungsmassnahmen müssen selbst verständlich
gelernt und geübt sein.(Samariterverein,Militär,Feuerwehr,
Sportvereinen)

Völlig korrekt, bis auf…

Habe selbst zwei Infarkte überlebt, vermutlich nur dank eben
eines selbst erteilten Faustschlages, in den ersten Sekunden,
auf die Herzgegend.
Es besteht nach meiner Ansicht,die Möglichkeit, dass, durch
den Schlag, das Gerinsel sich auflöst ?

…den präkordialen Faustschlag. Der präkordiale Faustschlag ist nix für Ersthelfer, weil er natürlich keine Gerinnsel auflöst, sondern lediglich einen elektrischen Impuls setzt. Dieser widerum bringt nur was bei beobachtetem Aussetzen der elektrischen Herzerregung und innerhalb weniger Sekunden, welches man ohne geeignetes Gerät kaum mitbekommen wird.

Die Druckstösse auf die Herzgegend, müssen derart stark sein,
dass man ev. das Risiko eines Rippenbruches in Kauf nimmt. Aus
diesem Grund darf man Herzmassage nur am Phantomgerät üben.

Generell soll das Brustbein bei der Herzdruckmassage 5-7cm tief bewegt werden. Dabei kann es besonders bei älteren Leuten durchaus dazu kommen, daß einige oder sogar alle Rippen gebrochen werden (muß aber nicht). Das nimmt man in der Tat in Kauf.

Gruß,

Malte.

PS: Ein Herzinfarkt endet bei Beachtung der in meinem anderen Posting genannten Maßnahmen de facto sehr selten im Herzstillstand. Ich hab jedenfalls in 4 1/2 Jahren Rettungsdienst zigfach „wache“ HI-Patienten gefahren, aber nur vereinzelt nach HI reanimieren müssen.