Direkter Draht von den Füssen zur Nase ?

Hallo Profis,

immer wenn ich morgens barfuß durch die Wohnung latsche, fängt maine Nase zu laufen an und ich muß mehrmals hintereinander nießen. (Der Fußgeruch ist es nicht) :smile:)

Woran liegt das und warum tritt der Effekt nur morgens auf?

Gruß Hägar

Dieses Phänomen kennt wohl jeder von uns. Obwohl ich mich jetzt seit fast 20 Jahren in der „Medizin-Szene“ bewege, habe ich noch nie in einem Lehrbuch eine sinnvolle Erklärung dafür gelesen (wenn jemand anderes einen Literaturtipp dazu hat, würde mich das interessieren).
Es hat mich immer gewundert, daß unsere hochspezialisierte High-Tech-Medizin für solch ein banales Phänomen keine Erklärung hat. Natürlich sind die Fußsohlen besonders stark mit sensiblen Nervenendigungen ausgestattet und signalisieren beim Barfußlaufen dem Organismus: „Kälte, Kälte, Kälte, Erkältung!“.
Wie das aber im einzelnen ablaufen soll, ist zumindest mir schleierhaft. Noch mehr schlagen sich die Leute, die „Fußreflexzonenmassage“ praktizieren, mit diesem Problem herum.
Danach sollen ja alle inneren Organe via Reflexzone an einer bestimmten Stelle der Fußsohle repräsentiert sein. Obwohl die Fußreflexzonentherapie zweifellos funktioniert, bleibt die Schulmedizin hier eine Erklärung schuldig, denn ein „direkter Draht von den Füßen zur Nase“ (oder zu spezifischen inneren Organen), wie Sie es formulieren, ist der schulmedizinischen Anatomie unbekannt.
Die Erklärung wird in der Alternativmedizin wohl in „Energiekanälchen“ (= „Meridiane“) gesucht, die durch den Körper ziehen sollen. Darüber könnten vielleicht Internet-Websites zur Fußreflexzonenmassage und zur Akupunktur etwas näheres zu sagen haben.
Schulmedizinisch gilt dies alles, wie gesagt, jedoch als Quatsch.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. med. Stefan Müschenich

hallo!

so ganz unbekannt sind die wechselwirkungen auch wieder nicht-die repräsentation verschiedener körperteile u.a. auf dem somatosensorischen cortex lässt sehr wohl einige dieser verbindungen schlüssig erscheinen; ausserdem kann man veränderungen, d.h. die einwanderung des einen gebietes in ein anderes inzwischen ja auch sehr gut sichtbar machen.

da andere „body maps“ schwerer zugänglich sind, z.b. die im thalamus entgehen uns momentan noch viele andere wertvolle informationen-ist aber nur eine frage der zeit bis diese nuss auch geknackt ist. :wink:)

tschüss

matthias

Lieber Matthias Weinberger,

>>> so ganz unbekannt sind die wechselwirkungen auch wieder
nicht-die repräsentation verschiedener körperteile u.a. auf
dem somatosensorischen cortex lässt sehr wohl einige dieser
verbindungen schlüssig erscheinen;

Naja, das überzeugt mich nicht recht. Natürlich wissen wir alle, daß über den Gyrus postcentralis („somatotopischer Homunkulus“) *jede* Stelle an der Körperoberfläche im Gehirn repräsentiert ist - sonst würde ich es gar nicht merken, wenn mir jemand mit der Nadel in den Fuß piekst. Das ist aber doch ein recht *allgemeiner* Zusammenhang, der nicht erklärt, wieso ausgerechnet kalte *Fußsohlen* unmittelbar zu Schnupfen führen (warum nicht z.B. ein kaltes rechtes Knie oder ein kalter linker Oberarm?).

>>> ausserdem kann man veränderungen, d.h. die einwanderung des einen gebietes in ein anderes inzwischen ja auch sehr gut sichtbar machen.

???
Verstehe nicht recht, was damit gemeint ist?!

>>> da andere „body maps“ schwerer zugänglich sind, z.b. die im
thalamus entgehen uns momentan noch viele andere wertvolle
informationen-ist aber nur eine frage der zeit bis diese nuss
auch geknackt ist. :wink:)

Bedeutet das „:wink:“, daß dieser von der Schulmedizin ja häufig vorgebrachte Fortschrittsglaube *ironisch* gemeint ist??

Dann laßt es mich *anders* formulieren: ich finde es bemerkenswert, daß man für ein solch triviales und in der Praxis des Hausarztes täglich vorkommendes Phänomen wie „Erkältung durch kalte Füße“ in der medizinischen Fachliteratur tausendmal weniger Informationen bzw. Erklärungen findet als für viele andere, sehr sehr spezielle biochemische Details bei extrem seltenen Krankheiten.

Vielleicht war ich ja ein besonders dummer Student (meine Noten und Zeugnisse sprechen eher dagegen…), aber Ihr könnt mir glauben, daß ich in 20 Jahren Medizinstudium und Arzt- bzw. Facharztausbildung nie eine schlüssige Erklärung dafür gelesen habe, warum man sich durch kalte Füße eine Erkältung („grippaler Infekt“) zuzieht; hingegen *habe* ich die hinterletzten Details von extrem seltenen Krankheiten gelernt - was wohl mit der relativen Praxisferne der akademischen Medizinerausbildung zusammenhängt.

Implizit geht die Medizin doch wohl von folgendem aus: kalte Füße „schwächen die Immunabwehr“, so daß dann sekundär grippe-ähnliche Erreger (meistens Viren, später dann ggf. auch Bakterien) angreifen und Husten, Schupfen, Heiserkeit usw. erzeugen können.

Nur bezweifle ich, daß bei dem geschilderten Phänomen (kalte Füße und dann sofort Schnupfen) schon Viren beteiligt sind, es scheint doch eher ein reflektorisches Geschehen zu sein (was sagen denn nun eigentlich die Fußreflexzonenleute dazu??).

Wie gesagt, wenn mir jemand eine Textstelle aus einem gängigen medizinischen Lehrbuch (Allgemeinmedizin, Innere, HNO) zitieren kann, in der schlüssig dargelegt wird, wieso man durch kalte Füße Schnupfen bekommt, dann kriegt er…mindestens 120 Gummipunkte!

Viele Grüße,

Stefan Müschenich

hallo!

Naja, das überzeugt mich nicht recht. Natürlich wissen wir
alle, daß über den Gyrus postcentralis („somatotopischer
Homunkulus“) *jede* Stelle an der Körperoberfläche im Gehirn
repräsentiert ist - sonst würde ich es gar nicht merken, wenn
mir jemand mit der Nadel in den Fuß piekst. Das ist aber doch
ein recht *allgemeiner* Zusammenhang, der nicht erklärt, wieso
ausgerechnet kalte *Fußsohlen* unmittelbar zu Schnupfen führen
(warum nicht z.B. ein kaltes rechtes Knie oder ein kalter
linker Oberarm?).

klar-wenn es um schnupfen durch kalte füsse geht dann kann der cortex
nur ein teil des puzzles sein; aber: bereiche die auf dem cortex
nebeneinander liegen beeinflussen sich gegenseitig. und wenn man sich
die lage von genitalien und füssen ansieht dann wundert es mich nicht
mehr wenn man sich durch kalte füsse z.b. blasenprobleme zuziehen
kann. diese wechselwirkung ist auch ausreichend bestätigt worden,
z.b. Soros „Functional reorganization of the human primary
somatosensory cortex after acute pain demonstrated by
magnetoencephalography“ (ok-anderes thema; aber es geht mir um die
plastizität).

>>> ausserdem kann man veränderungen, d.h. die
einwanderung des einen gebietes in ein anderes inzwischen ja
auch sehr gut sichtbar machen.

???
Verstehe nicht recht, was damit gemeint ist?!

wenn ein bereich, z.b. die hände nicht mehr ausreichend stimuliert
wird dann fangen benachbarte bereiche an (z.b. die wangen, die
lippen) „einzuwandern“, d.h. sie übernehmen die nervenzellen die
vorher die hand versorgt haben. berührt man dann die wange der
betreffenden person wird die empfindung in der hand wahrgenommen.
herta flor ist da eine der führenden forscherinnen.
man vermutet dass auch schon ohne eine sichtbare einwanderung (fMRI)
eine enge beziehung vorhanden ist die bei bestimmten reizen
anspricht-z.b. bewegungen der zehen/füsse beim orgasmus.

>>> da andere „body maps“ schwerer zugänglich sind,
z.b. die im
thalamus entgehen uns momentan noch viele andere wertvolle
informationen-ist aber nur eine frage der zeit bis diese nuss
auch geknackt ist. :wink:)

Bedeutet das „:wink:“, daß dieser von der Schulmedizin ja häufig
vorgebrachte Fortschrittsglaube *ironisch* gemeint ist??

ganz im gegenteil! ich sehe die zukunft als sehr hoffnungsvoll. die
letzten 10 jahre haben sachen aufgedeckt die man nie zu träumen
gewagt hat.
vielleicht findet ja man eine „karte“ auf der die nase und die füsse
nebeneinander liegen?

Dann laßt es mich *anders* formulieren: ich finde es
bemerkenswert, daß man für ein solch triviales und in der
Praxis des Hausarztes täglich vorkommendes Phänomen wie
„Erkältung durch kalte Füße“ in der medizinischen
Fachliteratur tausendmal weniger Informationen bzw.
Erklärungen findet als für viele andere, sehr sehr spezielle
biochemische Details bei extrem seltenen Krankheiten.

weil es eben trivial ist.
sachen die oft vorkommen werden als uninteressant betrachtet-bzw.
sind nicht „sexy“ genug um forschungen zu rechtfertigen die viel geld
kosten.

Implizit geht die Medizin doch wohl von folgendem aus: kalte
Füße „schwächen die Immunabwehr“, so daß dann sekundär
grippe-ähnliche Erreger (meistens Viren, später dann ggf. auch
Bakterien) angreifen und Husten, Schupfen, Heiserkeit usw.
erzeugen können.

kalte füsse schwächen die immunabwehr ist aber auch nicht so
besonders. wo ist der mechanismus?
das hauptproblem der schulmedizin (und ich werf die physiotherapie
gleich mit in den selben topf) ist die verankerung im 19ten und 20ten
jahrhundert. die meisten grundlagen werden seit jahrzehnten
mitgeschleift ohne sie gründlich zu überarbeiten.
noch denken die meisten in einem „bottom up“ schema und lassen völlig
ausser acht dass an dem betroffenen körper ein gehirn dranhängt.
die reaktion des gehirns auf kalte füsse wird immer vergessen-das
wäre der „top down“ weg.
kalte füsse könnten als massiver wärmeverlust interpretiert werden;
gegenmassnahme: mehr blut hinschicken.
aber: das fehlt dann in den nasenschleimhäuten und löst zusammen mit
der schwerkraft eine laufende nase aus. sekundär können erreger durch
die minderdurchblutung nicht mehr ausreichend bekämpft werden.

die nase wird ausserdem nie gleich „ventiliert“, d.h. ein kanal ist
immer weniger belüftet; könnte zusätzlich zu einer infektion
beitragen.

tschüss

matthias