HOPS

Von: , Frage gestellt am Fr, 5. Dez 2003

Salopp gesagt, handelt es sich wohl um Altersdemenz. Wer weiß eine wirklich gute Seite, um sich über deren Verlauf zu informieren? Ich möchte wissen, was bei meiner Mutter noch alles auf mich zukommt. Die Vergesslichkeit wird immer gravierender, Phobien steigern sich, und ist dieser Wahn, von allen Seiten bestohlen zu werden, eigentlich eine "typische" Alterserscheinung?
Danke & Gruß,
Eva

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: HOPS

    Hallo Eva, Salopp gesagt, handelt es sich wohl um Altersdemenz. Wer weiß
    eine wirklich gute Seite, um sich über deren Verlauf zu
    informieren? Ich möchte wissen, was bei meiner Mutter noch
    alles auf mich zukommt. Die Vergesslichkeit wird immer
    gravierender, Phobien steigern sich, und ist dieser Wahn, von
    allen Seiten bestohlen zu werden, eigentlich eine "typische"
    Alterserscheinung?
    wirklich gute Seiten zu diesem Thema im Netz kann ich Dir leider nicht empfehlen.
    Aber einen Erfahrungsbericht aus meiner eigenen Familie.
    Eine meiner Großmütter litt (vermutlich, damals diagnostizierte man das noch nicht) unter Alzheimer.
    Zuerst war es "nur" Vergesslichkeit, danach gewisse Eigentumsvorbehalte (das Bestohlenwerdengefühl) und der Verlust der Fähigkeit zu rechnen und zu schreiben. Später nach einer Narkose konnte sie nicht mehr zusammenhängend sprechen. Zuletzt lallte sie nur noch, erkannte mich nicht mehr, meine Mutter selten. Da konnte sie aber auch schon nicht mehr selbstständig essen, von allem Anderen zu schweigen.

    Ob die von Dir befürchtete Altersdemenz sozusagen harmlos, wenn auch nicht zu vermeiden ist, oder eine beginnend Erkrankung, kann man mit einem Test beim Nervenarzt abklären. Ich weiss aber, dass sich ältere Leute oft mit Händen und Füße dagegen wehren,"weil sie ja nicht verrückt sind".

    Alles in allem kann ich Dir nur raten, rechtzeitig Verbindung mit Caritas, Diakonischem Werk o. ä. aufzunehmen. Die haben reichlich Erfahrung und geben auch dann Informationen, wenn Du mit diesen Institutionen nichts am Hut hast.

    ich wünsche Dir Kraft. Du wirst sie brauchen
    Angelika

  2. Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
    Re: Altersdemenz

    Hallo Eva,

    Wir haben momentan ein ähnliches Problem mit meiner "Schwiegermutter". Das Symptom "Bestohlenwerden" kennen wir zur Genüge, mit dem Ergebnis, daß die Frau alles so gut versteckt, daß es kein Mensch wiederfindet...
    Ein Erscheinungsbild, welches bei ihr und auch bei einer anderen bekannten Kranken auftritt ist das "Nicht-Wiedererkennen" des langjährigen Ehemannes.
    Obwohl andere Personen aus dem persönlichen Umfeld sehr wohl wiedererkannt werden liegt bei der Kranken die Einbildung vor, daß der Lebensgefährte nicht er selbst sei, sondern irgendjemand, von dem sie nicht weiß wer es ist und der sie bestehlen will, weil ihr Mann ja nicht da ist...

    Meinem Arzt zufolge, den ich um Rat bat, ist es auf jeden Fall sinnvoll eine Alzheimer-Angehörigen-Gruppe zu besuchen, oder sich mit dem örtlichen Ansprechpartner der Gruppe in Verbindung zu setzen. Ob sie dem Kranken selbst helfen können, wage ich zu bezweifeln, aber vielleicht gibt es Möglichkeiten und Verhaltensweisen für die Angehörigen mit dieser schwierigen Situation fertig zu werden.

    Link hierzu:
    http://www.deutsche-alzheimer.de/6_1_5.html

    Bei
    http://www.alzheimer-forschung.de/web/information/st...
    kannst Du Informationsmaterial bestellen.

    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft!
    HylTox

  3. Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
    Re: HOPS

    Hallo Eva,

    ja, kein schönes Thema, und die Gewissheit, dass es schlimmer wird, macht es nicht unbedingt besser. Da tut der Austausch mit anderen betroffenen Angehörigen gut. Gute Anlaufstelle im Web finde ich http://www.alois.de, ein von Pfizer gesponsertes Alzheimer-Portal. Ansonsten auch natürlich die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft unter http://www.deutsche-alzheimer.de oder das Alzheimer-Forum unter http://www.alzheimerforum.de. Weitere Links findest du dort oder bei einer Google-Suche nach Alzheimer und Demenz.

    Wichtig dabei: Da die "echte" Alzheimer-Erkrankung nur im Rahmen einer Ausschlussdiagnosik, bzw. postmortal mit Sicherheit dignostiziert werden kann, befassen sich alle genanten Portale und auch die dahinterstehenden Gruppen recht umfassend mit dem Thema Demenz, auch wenn sie nur den Begriff Alzheimer im Namen tragen.

    Gruß vom Wiz, der seine ebenfalls betroffene Schwiegermutter seit einigen Jahren mitbetreut, und es für das Wichtigste hält, sich im Umgang mit Betroffenen den Humor und die gute Laune zu erhalten (auch wenns schwer fällt), da die Krankheit sonst gerne auch die Angehörigen in die Depression treibt. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  4. Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
    Re: HOPS

    Salopp gesagt, handelt es sich wohl um Altersdemenz.
    Danke euch für die Tipps und die Ermutigung. Meine Mutter ist mit 92 noch ganz gut zuwege, auch körperlich. Der schleichende geistige Verfall ist wohl die "normale" Altersdemenz, laut Aussage des Arztes, kein Alzheimer (soweit man das eben sicher feststellen kann). Man unterhält sich mit ihr sehr schön, verabschiedet sich und sie bekennt, zart errötend: "Nun habe ich schon wieder ganz vergessen, worüber wir gesprochen haben..." :-) Sie hat Schwierigkeiten, ihre Kinder und Enkelkinder zu sortieren, zuzuordnen, auseinanderzuhalten, vergisst ganze Abschnitte ihres Lebens, immer wexelnd, und bevorstehende Ereignisse, z.B. Friseur gehen, Besuch einer Adventsfeier, vergisst sie fast noch während man davon spricht. Morgens ist sie meistens recht klar, zum Abend hin wird sie immer verwirrter, sie hat auch Tage, da wirkt sie vollkommen hilflos und desorientiert. Es ist sehr kräftezehrend, sie sozusagen aufrechtzuhalten. Manchmal ist mir, als nährte sie sich - unabsichtlich und unbewusst natürlich - von meiner eigenen Lebenskraft. Na ja, noch geht's, aber ihr Zustand wird ja eher schlechter als besser, und das macht mir etwas Sorge...
    Gruß,
    Eva

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: HOPS

      Hallo Eva

      Hallo Eva,

      es gibt ein paar sehr gute Bücher zu dem Thema:

      Erwin Böhm: Verwirrt nicht die Verwirrten ISBN 3884140973 [Buch anschauen] [Buch anschauen]
      Edda Klessman : Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben
      ISBN 3456835515 [Buch anschauen] [Buch anschauen]
      Der Klassiker von Naomi Feil: Validation ISBN 3497016330 [Buch anschauen] [Buch anschauen]
      Eva Schmitt: Leitlinien zum Umgan mit Verwirrten ISBN 387870612X [Buch anschauen] [Buch anschauen]

      Ich denke auch nicht dass die Vergesslichkeit noch besser wird. Das einzige was man da tun kann ist die Großmutter so annehmen wie sie ist - nicht verbessern, nicht versuchen ein "Gehirntraining" durchzuziehen. Heftige Reaktionen der Umgebung sind sehr belastend für die Betroffenen. Ich weiss dass das nicht sehr tröstlich ist aber die Demenz einer 92jährigen muß man akzeptieren.
      Versucht viel für sie da zu sein, regelt Schwierigkeiten so unauffällig wie möglich.

      Ich wünsche Euch allen viel Kraft und Geduld

      Sue

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