Krebspatienten verhungern

Von: , Frage gestellt am Di, 9. Dez 2003

Tach,

Letztens erzählte mir mein Nachbar, dass er nur 600 kcal/die bekommt. Parenteral. Er wurde gerade bestrahlt. Wegen Hals-Metastasen. Als ich ihn gefragt hat, ob ihm übel ist, staunte er. Das Angebot, mit seinem Stationsarzt zu reden, um die Energiebilanz zu optimieren, hat er abgelehnt. Er wollte die Kalorienzufuhr mit dem zuständigen Oberarzt klären. Als ich zwei Wochen später seine Tochter fragte, wann er wieder heim kann, sagte sie, dass er tot ist. Verhungert. Krebspatienten verhungern, hatte ihr der behandelnde Arzt erklärt. Woraus schließt ihr, dass ein behandelnder Arzt passive Sterbehilfe mit euch abspricht? Mein Nachbar war erst Anfang Neunzig. Er hätte keine Energie mehr gehabt, sagten andere Nachbarn. Er wollte sterben, meinten sie. Von einer Patientenverfügung war nicht die Rede.

Gruß.

55 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Krebspatienten verhungern

    Hi Biggi, Mein Nachbar war
    erst
    erst.... *grübel Anfang Neunzig. Er hätte keine Energie mehr gehabt,
    sagten andere Nachbarn.
    Sie werden damit nicht so falsch liegen... Er wollte sterben, meinten sie.
    Auch damit könnten sie in seinem Sinne sprechen... Von einer Patientenverfügung war nicht die Rede.
    Kennst du Patientenverfügungen? Dann lies mal, was darin (durchaus in persönlich verfügten Abwandlungen) steht.

    Ich habe mittlerweile drei mir sehr, sehr nahe stehende krebskranke Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, habe meine Beobachtungen über den natürlichen sich schwächenden Willen dieser Menschen auch in einem Thread beschrieben, als erlösendes Loslassen (nicht als therapeutisch verschlissene Formel).
    Worum kämpfst Du?
    Gruß.
    Auch Gruß, Anja

    • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Krebspatienten verhungern

      Hi Anja, Kennst du Patientenverfügungen?
      Die tauchen dann immer aus dem Nirvana auf, nachdem der Andere tot ist. Bis dahin werden die wie Geheimaktien gehandelt. erlösendes Loslassen
      Worum kämpfst Du?
      Ich? Um Selbstbestimmtheit. Auch für den Fall, dass mich einer verhungern lassen will, nur weil er gerade weniger Hoffnung hat als ich selbst.

      Gruß.

      • Antwort von nach 13 Stunden 4 hilfreich
        Re^3: Krebspatienten verhungern

        Hallo Biggi,

        kannst Du Dir eigentlich vorstellen, daß Dein Nachbar Dir nicht auf die Nase gebunden hat, was er sich für den Falle einer schweren Krankheit und evtl. unheilbare Kranheit wünscht?

        Eine Patientenverfügung ist etwas sehr persönliches, daß man meist mit einem oder zwei Menschen abspricht. Ich dränge auch nicht jedem auf, daß ich einen Organspenderausweis habe.

        Wendy

        • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
          Person

          Hallo Wendy, kannst Du Dir eigentlich vorstellen, daß Dein Nachbar Dir
          nicht auf die Nase gebunden hat, was er sich für den Falle
          einer schweren Krankheit und evtl. unheilbare Kranheit
          wünscht?
          Er hatte an dem Tag gestrahlt, regelrecht gegrinst. Das macht er selten. Kann sein, dass ich sein Grinsen falsch gedeutet hab. Eine Patientenverfügung ist etwas sehr persönliches, daß man
          meist mit einem oder zwei Menschen abspricht. Ich dränge auch
          nicht jedem auf, daß ich einen Organspenderausweis habe.
          Ich habe keinen. Schon um vor unfreiwilligen Lebendspenden sicher zu sein.

          Biggi

          • Antwort von nach 18 Stunden 3 hilfreich
            off topic

            Hallo Biggy, Ich habe keinen.
            Spendenausweis. Schon um vor unfreiwilligen Lebendspenden
            sicher zu sein.
            Wie lebt es sich, mit soviel Misstrauen?

            Gruesse, Elke

            • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
              Re: off topic

              Hallo Elke, Ich habe keinen Spendenausweis. Schon um vor unfreiwilligen Lebendspenden sicher zu sein.
              Wie lebt es sich, mit so viel Misstrauen?
              Sicher. Sehr sicher vor zerstörender Nähe. Neben mir haben viele überlebt. Ich bin froh über jeden Einzelnen.

              Gruß.

            • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
              Re^2: off topic

              Hallo Biggi,
              neben mir lebt jemand mit fremder Niere und jemand mit fremden Herzen (definitiv keine Lebend-Spender). Fuer die bin ich dankbar.
              Gruesse Elke

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^3: off topic

              Hallo Elke, neben mir lebt jemand mit fremder Niere und jemand mit fremden
              Herzen (definitiv keine Lebend-Spender). Fuer die bin ich
              dankbar.
              Die Stunden vom Hirntod bis zur Organentnahme sind schlimm. Überhaupt die Entscheidung, eine Hirntoddiagnostik einzuleiten, ist schlimm. Und jeder Anlass weniger dazu nimmt das Tempo aus der Situation. Du kannst dich dann besser auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Egal wer draußen wartet.

              Gruesse

            • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
              Re^4: off topic

              Hallo Biggi,
              Die Stunden vom Hirntod bis zur Organentnahme sind schlimm.
              Das bezweifle ich nicht. Überhaupt die Entscheidung, eine Hirntoddiagnostik
              einzuleiten, ist schlimm.
              Auch das nicht. Und jeder Anlass weniger dazu nimmt
              das Tempo aus der Situation. Du kannst dich dann besser auf
              das Hier und Jetzt konzentrieren. Egal wer draußen wartet.
              Trotzdem halte ich deine Befuerchtungen gegenueber einer
              erschlichenen Lebendentnahme von Organen fuer beleidigend
              gegenueber dem Notfallpersonal in Krankenhaeusern.

              Was die in deinem anderen Posting angesprochene "Sicherheit"
              deines Lebens betrifft, so magst du marginal sicherer leben
              als ich mit Organspendeausweis (genau wie mein Mann und meine
              Kinder), aber ich glaube nicht, dass diese eventuell existierende
              faktische groessere Sicherheit meine subjektiv empfundene Sicherheit,
              die sich aus dem Glauben an die Menschen im Allgemeinen herleitet,
              uebertrifft. Anders gesagt: Don Quixote hat ein schwereres Leben als ich.
              Gegen Windmuehlen zu kaempfen empfinde ich als Verschwendung meiner
              Energien, die ich, meine Familie und meine Freunde fuer anderes brauchen.

              Gruesse, Elke



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