Essstörungen

Hallo,

mir wollen Ärzte einreden, dass ich eine Essstörung habe, weil sie keine handfeste Diagnose für meine Gewichtsabnahme finden können (außer: Hefepilze im Darm und fehlende Enzyme). Ständig kommt die Frage, ob ich mir einen Finger in den Mund stecke und all so was. Da es wirklich nicht auf mich zutrifft, komme ich mir wenig ernst genommen vor, weil es mir scheint, als wollten sie alles auf die Essstörung und auf meine Psyche schieben.

Nun habe ich morgen einen Termin und ich werde bestimmt auf die Essstörungen hin angesprochen werden. Ich möchte der Ärztin morgen mit guten Argumenten entgegentreten, kenne aber andere nicht Essstörungen (nur Magersucht und Bulimie (vom Namen her).

Welche anderen Essstörungen gibt es noch und wie Verhalten sich Betroffene dabei? Gibt es bestimmte Symptome?
Ich möchte einfach nur den Verdacht eindämpfen und nicht als Essgestörte behandelt werden.

Könnt Ihr mir helfen?
Mit guten Neujahrswünschen,

Paruna

Hallo,

mir wollen Ärzte einreden, dass ich eine Essstörung habe, weil
sie keine handfeste Diagnose für meine Gewichtsabnahme finden
können (außer: Hefepilze im Darm und fehlende Enzyme).

du hast abgenommen? woran ist dir das besonders aufgefallen?

Ständig kommt die Frage, ob ich mir einen Finger in den Mund stecke
und all so was. Da es wirklich nicht auf mich zutrifft, komme
ich mir wenig ernst genommen vor, weil es mir scheint, als
wollten sie alles auf die Essstörung und auf meine Psyche
schieben.

alles? knuddel, wie geht es dir jetzt? beim lesen? hast du lust zu schreiben, was dir besonders wichtig und dringend ist?

Nun habe ich morgen einen Termin und ich werde bestimmt auf
die Essstörungen hin angesprochen werden. Ich möchte der
Ärztin morgen mit guten Argumenten entgegentreten, kenne aber
andere nicht Essstörungen (nur Magersucht und Bulimie (vom
Namen her).

regel vor störung oder störung vor regel - was akzeptierst du bei dir eher?

Welche anderen Essstörungen gibt es noch und wie Verhalten
sich Betroffene dabei?

hungern aus zeitmangel oder „organisationsverschulden“ ist die häufigste, die ich kenne.

Gibt es bestimmte Symptome?

ja, den rehblick beim kannstdumalschnell?

Ich möchte einfach nur den Verdacht eindämpfen und nicht als
Essgestörte behandelt werden.

essen stört?

knuddel,

Hallo,

hier die Diagnosekriterien des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-IV) für die beiden bekannten Eßstörungen. Um eine ordentliche Diagnose stellen zu können, braucht man aber mehr. Deshalb ist das hier nur ein Informationsservice von mir für Dich. Du solltest auch eine Auge auf Kriterium C der Anorexia werfen. Mangelnde Krankheitseinsicht ist nämlich ein Merkmal dieser Störung.

Gruß,

Dipl. Psych. Oliver Walter

Anorexia nervosa

A. Weigerung, das Minimum des für Alter und Körpergröße normalen Körpergewichts zu halten (z.B. der Gewichtsverlust führt dauerhaft zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts; oder das Ausbleiben einer während der Wachstumsperiode zu erwartenden Gewichtszunahme führt zu einem Körpergewicht von weniger als 85% des zu erwartenden Gewichts).

B. Ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz bestehenden Untergewichts.

C. Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur und des Körpergewichts, übertriebener Einfluß des Körpergewichts oder der Figur auf die Selbstbewertung, oder Leugnen des Schweregrades des gegenwärtigen geringen Körpergewichts.

D. Bei postmenarchalen Frauen das Vorliegen einer Amenorrhoe, d.h. das Ausbleiben von mindestens drei aufeinanderfolgenden Menstruationszyklen (Amenorrhoe wird auch dann angenommen, wenn bei einer Frau die Periode nur nach Verabreichung von Hormonen, z.B. Östrogen, eintritt).

Restriktiver Typus : Während der aktuellen Episode der Anorexia Nervosa hat die Person keine regelmäßigen „Freßanfälle“ gehabt oder hat kein „Purging“-Verhalten (das heißt selbstinduziertes Erbrechen oder Mißbrauch von Laxantien, Diuretika oder Klistieren) gezeigt.

„Binge-Eating/Purging“-Typus : Während der aktuellen Episode der Anorexia Nervosa hat die Person regelmäßig Freßanfälle gehabt und hat Purgingverhalten (das heißt selbstinduziertes Erbrechen oder Mißbrauch von Laxantien, Diuretika oder Klistieren) gezeigt.

Bulimia nervosa

A. Wiederholte Episoden von „Freßattacken“. Eine „Freßattacken“-Episode ist gekennzeichnet durch beide der folgenden Merkmale:

(1) Verzehr einer Nahrungsmenge in einem bestimmten Zeitraum (z.B. innerhalb eines Zeitraums von 2 Stunden), wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist, als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum und unter vergleichbaren Bedingungen essen würden.
(2) Das Gefühl während der Episode die Kontrolle über das Eßverhalten zu verlieren (z.B. das Gefühl, weder mit dem Essen aufhören zu können, noch Kontrolle über Art und Menge der Nahrung zu haben).

B. Wiederholte Anwendung von unangemessenen, einer Gewichtzunahme gegensteuernden Maßnahmen, wie z.B. selbstinduziertes Erbrechen, Mißbrauch von Laxantien, Diuretika, Klistieren oder anderen Arzneimitteln, Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung.

C. Die „Freßattacken“ und das unangemessene Kompensationsverhalten kommen drei Monate lang im Durchschnitt mindestens zweimal pro Woche vor.

D. Figur und Körpergewicht haben einen übermäßigen Einfluß auf die Selbstbewertung.

E. Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf von Episoden einer Anorexia Nervosa auf.

"Purging"-Typus : Die Person induziert während der aktuellen Episode der Bulimia Nervosa regelmäßig Erbrechen oder mißbraucht Laxantien, Diuretika oder Klistiere.

„Nicht-Purging“-Typus : Die Person hat während der aktuellen Episode der Bulimia Nervosa andere unangemessene, einer Gewichtszunahme gegensteuernde Maßnahmen gezeigt wie beispielsweise Fasten oder übermäßige körperliche Betätigung, hat aber nicht regelmäßig Erbrechen induziert oder Laxantien, Diuretika oder Klistiere mißbraucht.

Hallo Paruna!

Ich würde noch zu einem oder zwei weiteren Ärzten gehen, und mir von denen eine Diagnose geben lassen, denn wie oft ist es schon vorgekommen, dass man drei Ärzte hatte und zwei oder drei Diagnosen!

Hast Du wirklich abgenommen, oder warst Du schon immer so? Hast Du rapide abgenommen, wenn ja?

Wäre es nicht einfach sinnvoll mit den ärzten ganz ruhig zu reden und ihnen klar zu machen, dass du nicht den Wunsch hast dünn zu sein, und auch ganz bestimmt nicht absichtlich in diese Situation reingekommen bist?!
Sprich sie direkt darauf an, dass Du das nicht toll findest, dass sie Dir das einreden wollen, und frage sie auch, warum sie Dir das einreden wollen!!

Wenn es Dir reicht, dann sage einfach, dass Du zu einem anderen Arzt gehst.

Bei einer Bekannten war das auch so, dass sie abgenommen hat, obwohl sie weiterhin normal gegessen hat, aber bei ihr hat irgendwas mit der Verdauung nicht mehr so richtig geklappt.
Es muss also nicht immer gleich ein Fall von Essstörung vorliegen.

Viel Glück und sag mal bescheid, wie es gelaufen ist!

Grüßle
Berlind

Hi Paruna,

mir wollen Ärzte einreden, dass ich eine Essstörung habe, weil
sie keine handfeste Diagnose für meine Gewichtsabnahme finden
können

Meine Frage wäre schlicht die: Hast du denn eine Erklärung dafür? Davon schreibst Du nichts. Von daher halte ich den von O.W. genannten Faktor „C“ durchaus für möglich: mangelnde Krankheitseinsicht…

als
wollten sie alles auf die Essstörung und auf meine Psyche
schieben.

Nun, wenn Du keinen Grund (schwerwiegende Krankheit, Appetitlosigkeit wegen Depressionen, Hunger aufgrund finanziellen Notstandes o.äh.) nennen oder nur vermuten kannst, liegt der Verdacht einer Essstörung durchaus nahe…
Also: Wie erklärst Du Dir Deinen Gewichtsverlust?
Wie groß bist Du und was wiegst Du?
Was siehst Du, wenn Du in den Spiegel guckst? Eine superschlanke, eine wohlproportionierte oder eine fette Frau?
Wenn Du nach der Tabelle Normal-, Ideal- oder gar Untergewicht hast und Dich dennoch als fett empfindest, spricht das auch für eine Essstörung.

Nun habe ich morgen einen Termin und ich werde bestimmt auf
die Essstörungen hin angesprochen werden. Ich möchte der
Ärztin morgen mit guten Argumenten entgegentreten,

Süchtige fühlen sich immer unschlagbar mit ihren Argumenten…

kenne aber
andere nicht Essstörungen (nur Magersucht und Bulimie (vom
Namen her).

Brauchst Du hier „Schützenhilfe“, um Deine Argumentation (sprich: Deinen Selbstbetrug) medizinisch zu untermauern?

Welche anderen Essstörungen gibt es noch und wie Verhalten
sich Betroffene dabei? Gibt es bestimmte Symptome?

Siehe oben…

Ich möchte einfach nur den Verdacht eindämpfen und nicht als
Essgestörte behandelt werden.

Natürlich nicht, denn dann müsstest Du handeln, auch noch so was grauenhaftes unternehmen wie „Zunehmen“ , um wieder gesund zu werden!!!

Ich kann und will nicht behaupten, dass Du da ein Problem hast, das steht mir nicht zu. Aber Deine Fragestellung und die Art und Weise, wie Du Dir hier (Argumentations-)Hilfe versprichst, sprechen für mich eher dafür.
LG,
Anja

Hallo,

vielen Dank für die Diagnosekriterien, die haben mir sehr geholfen und mir geholfen, mich und die Ärztin davon zu überzeugen, dass ich an keiner Esstörung leide.
Nun geht es an weitere Untersuchungen…

Beste Grüße und alles Gute, Paruna

Hallo,

hier die Diagnosekriterien des Diagnostischen und
Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-IV) für die
beiden bekannten Eßstörungen. Um eine ordentliche Diagnose
stellen zu können, braucht man aber mehr. Deshalb ist das hier
nur ein Informationsservice von mir für Dich. Du solltest auch
eine Auge auf Kriterium C der Anorexia werfen. Mangelnde
Krankheitseinsicht ist nämlich ein Merkmal dieser Störung.

Gruß,

Dipl. Psych. Oliver Walter

Hallo Paruna,

dafür sind Diagnosekriterien da, damit es weniger Fehldiagnosen und mehr Übereinstimmung zwischen den Diagnostikern gibt. Traurig aber, daß eine Ärztin erst mit „Verdachtsdiagnosen“ um sich wirft und anscheinend wenig Ahnung von der Materie hat. :frowning:

Gruß,

Oliver Walter