Sehr geehrte Frauke,
In einem „Kaffee-Shop“ gibt es momentan ein sogenanntes
Wohlfühl-Licht zu einem recht annehmbaren Preis. Angaben laut
Anbieter: 2 Leuchtstoffröhren, mind. 7.000 lux .
Meine Frage nun: reichen diese 7.000 lux für eine
Lichttherapie zur Behandlung einer saisonal abhängigen
Depression aus? Wenn ja, wie lange müsste man das Licht
„konsumieren“?
Danke für Eure Antworten!
Frauke
Ich zitiere aus einem der zur Zeit führenden Lehrbücher von Berger, Mathias: „Psychische Erkrankungen - Klinik und Therapie“, Urban & Fischer Verlag als Imprint der Elsevier GmbH, München 2004, Seite 603:
„In den letzten Jahren wurde immer wieder beobachtet, daß bei der speziellen Form der Winterdepression die Applikation von Licht hilfreich war. Patienten, die ausschließlich im Winter unter Abgeschlagenheit, vermehrtem Heißgunger, Hypersomnie [damit ist ein vermehrtes Schlafbedürfnis gemeint; S.M.] und körperlichen Mißempfindungen leiden, sollen positiv auf eine tägliche, mindestens halbstündige Exposition mit wenigstens 10000 Lux hellem Licht ansprechen. Der Expositionszeitpunkt während des Tages ist dabei offenbar bedeutungslos. Da der Lichteffekt nur sehr schwierig vom Placeboeffekt dieses Verfahrens zu trennen ist, besteht über die Behandlungsmethode Uneinigkeit. Bei einigen Patienten kommt es als Nebenwirkung offenbar durch die Lichtapplikation zu einer gewissen Agitiertheit und zu Schlafstörungen“.
Ich hoffe, daß diese Textstelle Ihre Frage beantwortet.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Stefan Müschenich
Hallo,
vor einigen Monaten gab es bei der Stiftung Warentest dazu einen ausführlichen und interessanten Test. Vielleicht hilft das weiter.
Viele Grüße
Heidi
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Hallo,
hier die Antwort aus einem anderen führenden Lehrbuch der Psychiatrie:
„Lichttherapie
Täglich 2-4 Stunden helles Licht (mindestens 2.500 Lux, Lampe nicht weiter als 1 Meter vom Auge entfernt) kann die depressive Symptomatik bei saisonalen Formen (“ Winterdepression") innerhalb von einigen Wochen bessern oder vollständig supprimieren. Die Wirkung des Lichts ist am besten, wenn die Behandlung am Morgen stattfindet" (Ebert, D. [2001]. Psychiatrie systematisch. Bremen: unimed).
Die Unterschiede in den Angaben (siehe zum Vergleich das Zitat, das mein Kollege Dr. Müschenisch brachte) sind nicht untypisch für die Situation, die in Bezug auf diese Behandlungsmethode der SAD besteht.
Gruß,
Dipl. Psych. Oliver Walter
Lieber Herr Walter,
…insbesondere, wenn man bedenkt, daß Herr Prof. Ebert ja selber
*Co-Autor* des von mir zitierten Buches ist, in dem Berger als
„Herausgeber“ fungiert?
Genau gesagt, ist Herr Prof. Berger an der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg der Chef von Ebert.
Wie allerdings die zur Lichttherapie erforderliche Lux-Stärke innerhalb von zwei Jahren (das von Berger herausgegebene und auf 2004 vordatierte Buch erschien in Wirklichkeit bereits 2003 - das von Ebert 2001) um 7.500 ansteigen und die erforderliche tägliche Mindestbestrahlungsdauer auf ein Viertel bzw. ein Achtel absinken konnte…: wollen wir das der Einfachheit halber etwas euphemistisch dem ständigen „Fortschritt der Wissenschaften“ zuschreiben??

…oder lieber durch Multiplikationseffekte erklären, nach dem Motto:
30 Minuten mit 10.000 Lux entsprechen 120 Minuten mit 2.500 Lux??
Allerdings ist letztgenannte Formel sicherlich nicht überstrapazierbar: 3 Minuten mit 100.000 Lux oder 4 Stunden mit 1.250 Lux erscheinen nun doch etwas unrealistisch… - wobei ich schon bereits den von Ebert vorgebrachten und von Ihnen, Herr Walter, zitierten Vorschlag ein wenig weltfremd finde: kann man sich einen unter Winterdepressionen leidenden Patienten vorstellen, der „einige Wochen lang“ täglich vier Stunden (sic!) in weniger als einem Meter Abstand vor einer hellen Lampe sitzt???
Viele Grüße,
Dr. Stefan Müschenich
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Lieber Herr Müschenich,
als erste möchte ich um Entschuldigung für meinen Lapsus linguae im Hinblick auf Ihren Namen bitten. Es steckte keine Absicht dahinter, sondern ein schlichtes Vertippen.
Auf die Frage, welche lichttherapeutische Behandlung nun die größten Effekte erzielt bzw. welche Angabe aus welchem Lehrbuch die richtige ist, kenne ich selbst keine Antwort. Den gleichen arithmetischen Versuch, wie Sie ihn anstellten, um beide Angaben zur Deckung zu bringen, habe ich gestern abend während des Nachdenkens über die Diskrepanzen gemacht. Aber das ist natürlich spekulativ, weil eine solche Arithmetik nicht unbedingt den therapeutischen Effekt garantieren kann. Wer weiß, ob der Effekt in solch einfacher Weise von Bestrahlungsintensität und Bestrahlungsdauer abhängt? Möglicherweise tut er es in einem gewissen Bereich.
Da ich mir diese Frage nicht beantworten konnte und eine Diskrepanz zwischen den Lehrbuchautoren besteht, habe ich die Frage Prof. Ebert per eMail gestellt. Vielleicht hat er eine Antwort. Wenn ja, dann leite ich sie an Sie weiter.
Beste Grüße,
Oliver Walter