was hat das mit den Jodtabletten auf sich, die an die Bevölkerung verteilt werden sollen, die in der Nähe von Kernkraftwerken wohnen.
Störfälle werden ja heutzutage nicht mehr für sehr relevant gehalten, während die Bedrohung durch Terrorakte von den Verantwortlichen durch bevorstehende Ausgabe von Jodtabletten zu denken gibt.
Welcher biochemische Mechanismus lässt diese Jodtabletten wirken? Oder ist dies mal wieder unter reinem Aktionismus unserer Politiker abzulegen?
Was meint ihr? Was wisst ihr? Schon jetzt vielen Dank für Eure Antworten.
was hat das mit den Jodtabletten auf sich, die an die
Bevölkerung verteilt werden sollen, die in der Nähe von
Kernkraftwerken wohnen.
Störfälle werden ja heutzutage nicht mehr für sehr relevant
gehalten, während die Bedrohung durch Terrorakte von den
Verantwortlichen durch bevorstehende Ausgabe von Jodtabletten
zu denken gibt.
Grundsatz Nr.1: Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Vor Seascale, Three Mile Island und Tschernobyl hat auch niemand gewussst, dass der GAU überhaupt möglich ist. Alle drei Reaktoren galten als sicher. Die Terrorismus-Angst ist einfach das augenblickliche Pferd, auf das Politiker aller Coleur gerne aufspringen.
Zum Anderen sind Strahlenschäden ungefähr so voraussagbar wie eine Grippe-Epedemie. Manchen erwischt es, manchen nicht. Und bevor mich jetzt jemand aus dem Forum schlägt: in Hiroshima sind nachweislich Menschen aus der selben Straße teils sofort an der Strahlung gestorben, teils (relativ) alt geworden. Wie, mit welchen Beeinträchtigungen, weiß man allerdings auch.
Welcher biochemische Mechanismus lässt diese Jodtabletten
wirken? Oder ist dies mal wieder unter reinem Aktionismus
unserer Politiker abzulegen?
Fakt ist, dass unser Körper nicht zwischen Jodatomen und ihren strahlenden Cäsium-Zwillingen unterscheiden kann. Wenn die Jodspeicher Deines Körpers voll sind, nimmt er kein Cäsium auf. Soweit die Theorie. Aber ob das wirklich funktioniert, kann Dir keine Arzt versprechen. Das hängt nämlich von der individuellen Konstitution ab.
Jodmangel ist genauso gefährlich, wie ein Überfluss davon. Frag mal Deinen Internisten.
was hat das mit den Jodtabletten auf sich, die an die
Bevölkerung verteilt werden sollen, die in der Nähe von
Kernkraftwerken wohnen.
Die Tabletten sollen quasi den Körper mit Jod sättigen. Wenn dann der Körper mit radioaktivem Jod (aus Fall- bzw. Washout) in Kontakt kommt, lehnt der Körper resp. die Schilddrüse dankend ab, da schon gesättigt… *bildhaft gesprochen*
Oder ist dies mal wieder unter reinem Aktionismus
unserer Politiker abzulegen?
Zum Anderen sind Strahlenschäden ungefähr so voraussagbar wie
eine Grippe-Epedemie.
Das ist überhaupt nicht vergleichbar, denn:
Manchen erwischt es, manchen nicht.
das liegt daran, dass es neben den akuten Schäden (Strahlenkrankheit) die sog. stochastischen Schäden gibt. Hast du eine grössere Gruppe, ist recht gut vorhersagbar, wieviele Krebs kriegen können. Wohlgemerkt: nicht, welche Personen betroffen sind. Statistik eben, der man nebenbei durchaus ein wenig trauen darf.
Fakt ist, dass unser Körper nicht zwischen Jodatomen und ihren
strahlenden Cäsium-Zwillingen unterscheiden kann.
Jod ist ein Halogen, Cäsium ein Alkalimetall. Wieso soll das nicht unterscheidbar sein? Würde mich interessieren.
Fakt ist dagegen, dass der Körper nicht zwischen radioaktiven und stabilen Nukliden unterscheiden kann, da gleiche chem. Eigenschaften. (Also beispielsweise radioaktives Jod / stabiles Jod.)
Wenn die
Jodspeicher Deines Körpers voll sind, nimmt er kein Cäsium
auf.
Eher: kein Jod.
Das hängt nämlich von der
individuellen Konstitution ab.
Naja, vom Alter. M.W. wird ab 45 Jahren von der Jodeinnahme abgeraten, da die möglichen Strahlenschäden sowieso erst ein paar Jahrzehnte später kommen würden.
Jodmangel ist genauso gefährlich, wie ein Überfluss davon.
Im Zweifelsfall hätte ich lieber mal kurz nen Jodüberschuss statt radioaktives Jod in der Schilddrüse. Frag mal beim Onkologen…
Fakt ist, dass unser Körper nicht zwischen Jodatomen und ihren
strahlenden Cäsium-Zwillingen unterscheiden kann.
Zwischen Iod und Cäsium kann der Körper sehr gut unterscheiden, was er nicht kann, ist die Unterscheidung zwischen Nukliden von Iod.
Also zwischen stabilen und radioaktiven Iod.
Bezüglich Cäsium.
Dort spielt die chemische Ähnlichkeit zwischen Cäsium und Kalium eine Rolle. Beide Elemente werden vom Körper nahezu gleichbehandelt nud somit kann (radioaktives) Cäsium in Stoffwechsellvorgänge gelangen, in denen Kalium eine Rolle spielt und das sind viele nd vor allem Dingen wichtige Prozesse.
Welcher biochemische Mechanismus lässt diese Jodtabletten
wirken? Oder ist dies mal wieder unter reinem Aktionismus
unserer Politiker abzulegen?
das ist weniger Biochemie, als vielmehr Physikochemie.
Das Stichwort ist Massenwirkungsgesetz bzw. Verteilung.
Im Prinzip geht man davon aus, daß das stabil Iod das radioaktive ‚verdünnt‘. Da Iod auch ausgeschieden wird, hofft man durch diese Maßnahem weiterhin, daß das radioaktive Iod auch zum größten Teil ausgeschieden wird.
Zuerst einmal vielen Dank für Eure schnellen Antworten(Debatten) und die schnelle Einführung in Isotopen-Physik.
Habe ich das richtig verstanden, dass die Jodtabletten prophylaktisch in Erwartung eines Nuklearcrashs durch Terroranschlag genommen werden müßten, damit die Jodspeicher der Schilddrüse optimal aufgefüllt sind, wenn so ein Radiojodisotop eingeatmet, gegessen oder sonstwas wird? Oder kann man sie nach dem Big Bang einnehmen?
Wie ist das überhaupt mit der Strahlung (siehe Tschernobyl)? Sind diese Jotabletten also nur für den Spezialzweck da, dass die Jodisotopen durch die Luft fliegen?
Wenn ja, dann haben es sich die Entscheider mal wieder viel zu leicht gemacht. Die Verstrahlungsgefahr glaube ich als viel lebensgefährlicher anzusehen.
Oder ist dies mal wieder unter reinem Aktionismus
unserer Politiker abzulegen?
zu den medizinischen Hintergründen wurde ja schon etwas geschrieben, wobei man vielleicht noch erwähnen sollte, dass in den nicht ganz eng an einer Unglücksstelle liegenden Orten die Belastung durch radioaktives Jod sehr stark von Windrichtung und zig Zufällen ist und als Gefahr über einen sehr langen Zeitraum bestehen kann, eine Einnahme von Jodtabletten also auch nach dem Unglücksfall noch durchaus sinnvoll sein kann.
Hinter der Aktion stecken momentan aber weniger die Politiker, sondern die AKW-Betreiber. Die Politiker sind da zur Zeit eher zurückhaltend, weil sie einerseits befürchten, dass solche Aktionen Panik auslösen, andererseits - sicher nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Dinger dann im Schadensfall zwar theoretisch in jedem Haushalt sind, dort aber nicht gefunden werden. Daher wird von politischer Seite momentan eher an der zentralen Bevorratung festgehalten, bei der erst im konkreten Unglücksfall eine Verteilung an die Bevölkerung stattfinden soll.
Habe ich das richtig verstanden, dass die Jodtabletten
prophylaktisch in Erwartung eines Nuklearcrashs durch
Terroranschlag genommen werden müßten, damit die Jodspeicher
der Schilddrüse optimal aufgefüllt sind, wenn so ein
Radiojodisotop eingeatmet, gegessen oder sonstwas wird? Oder
kann man sie nach dem Big Bang einnehmen?
Hallo
Der BigBang , der „Nuclearcrash vom Terroristen“ oder wie Du es bezeichnest , es soll wohl eine A-Bombe gemeint sein .
Staubteilchen einatmen ist stark giftig , da Staubteilchen dann wahrscheinlich stark radioaktiv strahlen .
Auch mit Jod sollte man sowas vermeiden .
Wenn eine Jodaufnahme zu erwarten ist , kann man eine Jodtablette mit nichtradioaktivem Jod einnehmen , welches dann in der Schilddrüse gespeichert wird . Die Aufnahme radioaktiven Jodes läßt sich wohl nur schlecht oder gar nicht rückgängig machen .
Wie ist das überhaupt mit der Strahlung (siehe Tschernobyl)?
Übel
Sind diese Jotabletten also nur für den Spezialzweck da, dass
die Jodisotopen durch die Luft fliegen?
Jod … ja , es fliegt durch die Luft , es wird danach auch abgeregnet und so weiter .
Im Trinkwasser und in der Nahrung kann auch Jod sein .
Wenn ja, dann haben es sich die Entscheider mal wieder viel zu
leicht gemacht. Die Verstrahlungsgefahr glaube ich als viel
lebensgefährlicher anzusehen.
Was heißt „leicht gemacht“ ?
Es ist ein Hilfe , die man im Ernstfall annehmen sollte .
Nimmst Du die Tabletten nicht , bekommst Du sehr leicht Schilddrüsenkrebs , thats why .
Die anderen Belastungen werden durch Jodtabletten nicht vermindert , und ich weiß auch niemanden , der das behauptet hat .
MfG
Habe ich das richtig verstanden, dass die Jodtabletten
prophylaktisch in Erwartung eines Nuklearcrashs durch
Terroranschlag genommen werden müßten,
Nein, wäre nicht sinnvoll. Diese speziellen Jodtabletten sind höher dosiert als die Tabletten, die man üblicherweise wegen Schilddrüsenproblemen einnimmt. Und insofern wäre eine grundlose Einnahme hoher Jod-Dosen auch wieder nicht ideal (hohe Iodkonzentration beeinflusst div. Stoffwechselleistungen, etc…)
Oder
kann man sie nach dem Big Bang einnehmen?
sollte ausreichen.
Wie ist das überhaupt mit der Strahlung (siehe Tschernobyl)?
Sind diese Jotabletten also nur für den Spezialzweck da, dass
die Jodisotopen durch die Luft fliegen?
Ja. Die meisten anderen Isotope sind m.W. deshalb nicht so gefährlich, weil sie entweder eine sehr kurze Halbwertszeit (klingt sehr schnell ab) oder eine wesenlich längere HWZ haben (Aktitiät des zerfallenden Nuklids ist so nicht sonderlich hoch)
Wenn ja, dann haben es sich die Entscheider mal wieder viel zu
leicht gemacht. Die Verstrahlungsgefahr glaube ich als viel
lebensgefährlicher anzusehen.
radioaktives Jod strahlt doch auch…
Natürlich gibt’s noch andere Erste-Hilfe-Taktiken beim GAU: Kontaminierte, d.h. mit radioaktivem Material belastete Klamotten ausziehen, duschen (um radioaktive Nuklide vom Körper zu spülen), im Haus bleiben und dieses geschlossen halten… etc.
Eine kurze & knackige Übersicht darüber z.b. hier: http://archiv.greenpeace.de/GP_DOK_3P/REDAKTIO/E9910…
(…) chemische Ähnlichkeit zwischen Cäsium und
Kalium
wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere (Tschernobyl ist ja nun schon ein Weilchen her), bestehen Ahnlichkeiten zwischen Calzium und Cäsium bzw. zwischen Strontium und Kalium? Oder bin ich da auf dem Holzweg?
Bin etwas in Eile und lese deshalb nicht alle Vorredner.
Falls die Frage schon beantwortet wurde: Doppelt hält besser!
Bei einem Reaktorunfall oder Nuklearwaffeneinsatz können verschiedene, radioaktive Substanzen freigesetzt werden. Diese unterscheidet man nach der Art ihrer abgegebenen Strahlung in Alpha-, Beta- oder Gammastrahler.
Eines davon ist radioaktives Jod, ein Alphastrahler.
Alphastrahlen können zwar schon ein Blatt Papier nicht mehr durchdringen, sind aber, wenn sie direkt auf die Zellen wirken, verheerend.
Die Schilddrüse hat immer ein immenses Bedürfnis nach Jod, und lagert deshalb eingeatmetes oder verschluchtes isotopes Jod ein, das dort großen Schaden anrichtet. Dem beugt man vor, indem man die Schilddrüse mit hohen Dosen normalen Jods auffüllt, so daß diese pappsatterweise keine Lust mehr auf die radioaktive Variante hat.
Dies funktioniert natürlich nur, wenn das Jod so schnell wie möglich genommen wird. Nach einigen Tagen ist es zu spät.
Übrigens halten wir im Katastrophenschutz auch Massen dieser Jodtabletten vor, um auf solche Bedrohung reagieren und die Bevölkerung schnell und flächendeckend mit Jod versorgen zu können.
Ach ja, der Unterschied zu Cäsium liegt darin, daß radioaktives Jod eine Halbwertszeit von wenigen Tagen, Cäsium von etlichen Jahren hat. Der Gefahrenwert von radioaktivem Jod ist nach einem Monat gleich Null, Cäsium hält da schon etliches länger.
Liebe Grüße,
Marcus
(der nun doch die anderen Posts gelesen hat)
wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere (Tschernobyl ist ja
nun schon ein Weilchen her), bestehen Ahnlichkeiten zwischen Calzium und Cäsium bzw. zwischen Strontium und
Kalium? Oder bin ich da auf dem Holzweg?
Du bist auf dem Holzweg
Kalium und Cäsium sind Alkalimetalle und somit ähnlich
Calcium und Strontium sind Erd alkalimetalle und somit ähnlich.
Kalium und Cäsium sind einwertig, Calcium und Strontium sind zweiwertig. Dadurch unterscheiden sie sich im chemischen und somit biochemischen Verhalten dramatisch. Mir ist kein Stoffwechselvorgang bekannt, wo Kalium gegen Calcium oder Strontium ausgetauscht werden kann, laß mich aber gerne belehren.