Hallo!
Ich hab mal gehört, dass es deshalb so schmerzt, wenn man eine Spritze in die Arterie anstatt in die Vene bekommt, weil in Arterien der Blutdruck viel größer ist.
Entspricht das der Wahrheit? Wenn ja, wie kommt das?
Danke
V
Hallo!
Ich hab mal gehört, dass es deshalb so schmerzt, wenn man eine Spritze in die Arterie anstatt in die Vene bekommt, weil in Arterien der Blutdruck viel größer ist.
Entspricht das der Wahrheit? Wenn ja, wie kommt das?
Danke
V
Hallo Verena!
Stimmen tut, dass der Druck in den Arterien größer ist als in den Venen. Das liegt daran, dass der Blutfluss in den Arterien durch die Pumpfunktion des Herzen hervorgerufen wird und über eine Muskelschicht in den Arterien auch weiter geleitet wird. In den Venen fließ das Blut auf verschiedene Arten: in den Venen, die weit vom Herzen entfernt sind, wird das Blut von der Arterientätigkeit „gepumpt“, das heißt, in Nachbarschaft einer Vene verlaufen meist zwei Arterien und die drücken von außen auf die Venen und transportieren dabei das Blut zum Herzen hin. Klappen in den Venen verhindern dann das Zurückfließen des Blutes und damit das „Versacken“ des Blutes. Und so ähnlich wie die Arterien drücken auch Muskeln bei Anspannung auf die Venen und helfen beim Bluttransport.
Bei den Venen, die in der Nähe des Herzens sind (obere und untere Hohlvene sind dafür das beste Beispiel) wird das Blut vom herzen direkt angesogen. Wenn das Herz sich nämlich nach einem Pumpschlag entspannt, dann offnen sich Klappen zum rechten Vorhof des herzens und der dabei entstehende Unterdruck (=Sog) „zieht“ das Blut zum Herzen hin.
Mit den verschieden starken Schmerzen dürfte das aber nichts zu tun haben, denn Schmerzen entstehen durch Reizung von nerven, die dann an ihren Endigungen (Synapsen) Calcium ausschütten, das als Botenstoff wirkt und dem Gehirn Schmerz signalisiert. Ich denke eher, dass die stärkeren Schmerzen bei einer intraarteriellen Injektion daher kommen, dass die Arterien tiefer im Gewebe liegen als Venen und in ihrer Nachbarschaft unheimlich viele und auch relativ große Nerven liegen, die gereizt werden können.
Gruß Wolfram
Hallo!
Was da eigentlich weh tut, ist nicht die verletzte Arterie, sondern der Bluterguß im Gewebe, den das mit sehr hohem Druck aus der Arterie austretende Blut verursacht. Dei der Vene reicht draufdrücken mit Tupfer für 5 Minuten, bei der Arterie dürfens schon ne Viertelstunde oder mehr sein.
Allerdings frage ich mich gerade, welche Spritzen man in die Arterie gibt. Eigentlich nämlich gar keine. Da nimmt man allenfalls Blut raus ab, wenn man Blutgase messen möchte, oder legt eine arterielle Strecke zur Messung des Blutdrucks.
Das arterielle System ist das Hochdrucksystem des Körpers. Darin fließt das Blut zu den Organen und Zellen hin. Dort gibt es Sauerstoff und Nährstoffe ab und wird langsamer, da es durch kleinste Gefäße ins venöse System übergeht und von der Unterdruckpumpe Herz wieder angesaugt wird. Deshalb tiefer Druck im venösen System.
Liebe Grüße,
Marcus
Allerdings frage ich mich gerade, welche Spritzen man in die
Arterie gibt.
Hallo Markus!
Es gibt einige weige Ausnahmen, bei denen man direkt in Arterien spritzt: zum Beispiel Kontrastmittel zur Darstellung des Gefäßsystems beim röntgen oder Arzneimittel zum Aufweiten von Gefäßen. So etwas passiert aber auf Intensivstationen, weil es nicht ganz ungefählich ist.
Gruß Wolfram
… naja.
Arterien haben selbst eine sensible Nervenversorgung (Kopfschmerzen werden zB so verursacht) -> Aua beim Pieks in die Gefäßwand. Intraarterielle Injektionen tun dann nochmal weh, weil das arterielle Blut in die Kapillaren des Versorgungsgebiets strömt und da zT ordentlich Schaden anrichten kann (zB bei Barbituraten -> da wird immer erst ne kleine Testdosis gespritzt). Bei Venen ist das umgekehrt -> Vedünnungseffekt durch Zuflüsse von weiteren Venen. Aber auch da kanns weh tun (Reizung durch z.B. Propofol, Hypertone Lösungen wie etwa parenterale ernährung -> manchmal Zentrale Zugänge in dicken Venen nötig).
Wie tief etwas im Gewebe liegt ist total egal, es kommt auf die sensible Versorgung an.
Chris
PS: bei versehentlicher arterieller Injektion NIE reflexmäßig die Nadel rausziehen. Das Gefäß wird spastisch und man kann dann nur noch schwer was dafür tun. Lieber mit Kochsalz spülen (=verdünnen) und mit Vasodilatantien einen Vasospasmus verhindern und die Perfusion sichern (=Nekrosen verhindern/klein halten).