Unfruchtbare Frau und Pille

Hallo,

ich habe mit einer Freundin diskutiert ob eine unfruchtbare Frau evtl. die Pille nehmen muss wegen der fehlenden Hormone.
Kann das sein?

Sie bekommt keine Periode- die Pille dann als „Hormon Ausgleich“ ?
Auch mit Pille würde sie die Periode doch nicht bekommen…

Haben uns da verstrickt…

Danke!

Hi!

ich habe mit einer Freundin diskutiert ob eine unfruchtbare
Frau evtl. die Pille nehmen muss wegen der fehlenden Hormone.
Kann das sein?

Öhm, Unfruchtbarkeit ist nicht gleich Unfruchtbarkeit.
Es kommt darauf an, wo genau die Ursache liegt. Möglichkeiten:

  • oft genug psychisch (!)
  • Hormonelle Störungen (was ist, wenn die sich wieder ev spontan geben?)
  • mechanische Behinderungen: Verklebungen/Vernarbungen der Eileiter
  • Erkrankungen der Gebärmutter (zb große Myome) oder Anomalien
  • Störungen bei der Zervixschleimproduktion (Schleim läßt die Spermien zb nicht durch)
  • Störungen im Monatszyklus
  • Erkrankungen in der Vagina
  • Endometriose (v.a. an den Eierstöcken angesiedelt)
  • Immunologische Faktoren (Frau bekämpft Spermien des Mannes)
  • Untergewicht, Diabetes, Rauchen, Medikamente…
  • nicht zuletzt liegt es auch häufig am Mann, falls ein fester Partner besteht

So mal die wichtigsten Punkte. In einigen Fällen besteht zwar Unfruchtbarkeit, aber keine absolute, d.h. irgendwann wird sie vielleicht doch schwanger. Außerdem können sich auch einige der o.g. Dinge spontan wieder geben - was dann?

Sie bekommt keine Periode- die Pille dann als „Hormon
Ausgleich“ ?

Wenn denn eine Hormonstörung zugrunde liegt, ja. Aber dann erst, wenn man mittels Screening die fehlenden Hormone genau bestimmt hat. SChließlich handelt es sich dabei um eine „Funktionskette“:

  1. Hormon GnRH aus dem Hypothalamus
  2. das bewirkt die Ausschüttung von FSH und LH
  3. diese wiederrum bewirken die Ausschüttung von Östradiol/Östrogen

Je nachdem, welches dieser Hormone unzureichend produziert wird, muß dieses ersetzt werden. Östrogen (Pille) ist also nicht immer Mittel der Wahl.

Auch mit Pille würde sie die Periode doch nicht bekommen…

siehe oben

Haben uns da verstrickt…

Na, hoffentlich kommt ihr da wieder raus *gg*

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon,

danke erstmal!!

Wenn die Frau also zB durch fehlende Hormone NICHT schwanger werden kann, dann hat sie auch keine Regel oder?
Dann wäre die Pille als Ersatz dienlich?

Wenn dem so ist, habe ich eine Wette um die richtige Antwort gewonnen… wenn nicht, Pech :smile:

Danke!!!

Hi!

Wenn die Frau also zB durch fehlende Hormone NICHT schwanger
werden kann, dann hat sie auch keine Regel oder?

Genau bis ins Detail weiß ich es nicht. Ich kanns dir nur zum ersten TEil der Reaktionskette sagen :wink:
Also wenn die Ausschüttung von GnRH aus dem Hypothalamus wegfällt - was ja auch die Pille bewirkt -, wird sie wohl keine Regel haben. Das kannst du dir mit einem einfachen BEispiel klarmachen:
wie gesagt, wirkt die Pille ja genauso indem sie die GnRH-Ausschüttung verhindert. Nimmt die Frau die Pille ohne die Pillenpause durchgehend, hat sie ja auch keine Periode (aus diesem Grunde nehmen sie sie ja drei Monate lang).
Ergo wird sie wegen fehlendem GnRH auch nicht schwanger werden (ist ja auch der Fall bei Frauen in der Postmenopause).

Zu LH und FSH (falls da eine Störung besteht) kann ich es dir nicht mit Sicherheit sagen, müßte da aber rein aus logischen Gesichtspunkten ebenso sein.

Vorraussetzung ist natürlich, das die GnRH-Ausschüttung ausreichend unterdrückt wird, bei nur verminderter Produktion sieht es wohl anders aus…
(Frauen in den Wechseljahren KÖNNEN ja auch schwanger werden, da die Produktion langsam abnimmt, erst wenn sie in der Postmenopause ganz versiegt, werden sie sicher nciht mehr schwanger)

Dann wäre die Pille als Ersatz dienlich?

Ähm, versteh jetzt die Frage nicht ganz. Meinst du als „Hormonersatz“?
Nu ja, wenn der Hund bei der GnRH-Ausschüttung begraben liegt, nutzt die Pille ja nix bzw. das wäre dann doppelt gemoppelt :wink:

Besteht allerdings ein endogener Östrogenmangel (kann man mit dem sog. „Östrogen-Gestagen-Test“ feststellen) - falls also da der Hund begraben liegt *g* - gibt man tatsächlich Östrogen-Gestagen-Präparate („Pille“). Ist dabei der LH- oder FSH-Spiegel erniedrigt, gibt man Gonadotropine, ist er erhöht: Prolaktinhemmer (z.b. Bromocriptin).
Die Sachlage ist also komplizierter, als ihr sicher dachtet :wink:

Aber ich glaube, ich verstehe jetzt, warum ihr euch verstrickt habt.

Die Pille als Hormonersatz zu geben um eine Blutung herbeizuführen ist natürlich Unsinn (siehe oben), wird aber dennoch gemacht.
Und zwar bei älteren Frauen in der Postmenopause. Die haben nämlich genau das Problem der unzureichenden Hormonproduktion.
Allerdings gibt man die Pille nur, um die BEschwerden der Wechseljahre zu lindern ebenso die Folgen in der Postmenopause (Atrophien, Osteoporose…) - was aber kontrovers diskutiert wird wegen der Nebenwirkungen (u.a. Krebsauslösend).
BTW: Zu den Nebenwirkungen dieser Therapie gehört die Regelblutung, die auftreten kann, aber ein Eisprung wird nicht ausgelöst (aus anderen Gründen: alle Follikel sind „verbraucht“).

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon,

danke für die Antwort!!

Aber ich glaube, ich verstehe jetzt, warum ihr euch verstrickt
habt.

GEEENAAAUUU… hmmm…

Und wenn die Frau nun konkret endogenen Östrogenmangel hat als Folge einer Chemo??
Verfährt man da ebenso mit Gabe einer Pille?

Tritt dann nach Absetzen dieser nach drei Wochen die Monatsblutung ein obwohl kein Ei gereift ist?
(Was blutet dann da?? Du schriebst die Blutung tritt ein…)

Kompliziert…:smile:

Viele Grüße,

Anna

Hi!

Und wenn die Frau nun konkret endogenen Östrogenmangel hat als
Folge einer Chemo??
Verfährt man da ebenso mit Gabe einer Pille?

Oje, das wird ja immer komplizierter… *g*
Mit Chemos kenn ich mich nicht gut aus, kann nur folgendes Sagen:

Chemo-Medis stören die Keimzellen, sodaß eine Ovulation (Eisprung) ganz/teilweise verhindert wird - je nach Medikament und Therapiedauer und -intensität kann dies reversibel oder gar irreversibel sein. (Mal abgesehen davon, man rät ja nach einer Chemo, besonders wegen Rezidivgefahr des Krebses, erst mal in nächster Zeit von Schwangerschaften ab.)

Somit ist in dem Fall die SAchlage noch komplizierter. Der endogene östrogenmangel muß nicht Folge der Chemo sein! Daß die Frau nicht schwanger werden kann, liegt an o.g. Gründen. Sehen wir also den endogenen Ö-Mangel als Zusatz.

Ist durch die Chemo die Ovulationsstörung nur reversibel, muß man zunächst abwarten, bis sich die Keimzellen wieder erholt haben. Eigentlich ist hierzu keine Therapie notwendig. Zusätzlich kann man aber die Ovulation versuchen auszulösen (was im allgemeinen bei Kinderwunsch gemacht wird) z.b mittels Clomifen, den Gonadotropinen HCG und HMG, LH oder bei Hyperprolaktinämie Dopaminagonisten (Bromocriptin). In dem Falle wohl eher Gonadotropine (weil das Ovar ja insuffizient ist).
Um in der ersten Phase nach der Chemo SICHER eine Schwangerschaft zu verhindern, würde man aber eher von der Pille abraten und lieber zu Kondomen greifen (sag ich jetzt mal so, mit Sicherheit weiß ich es aber nicht - wo sind die Fachärzte, wenn man sie mal braucht? *gg*)

Besteht nun zusätzlich endogener Ö-Mangel, würde man in diesem Falle EHER keine „Pille“ geben, weil Östrogen die Ausschüttung sowohl von GnRH als auch von FSH und LH (=Gonadotropine) hemmt. Die gleichzeitige Gabe von Ö. und Gonadotropinen würde sich also eher gegenseitig aufheben.

Tritt dann nach Absetzen dieser nach drei Wochen die
Monatsblutung ein …

So schnell sicher nicht!
Da durch die Chemo fast alle schnell wachsenden Zellen beeinträchtigt werden (äußert sich in Haarausfall (Haarwachstum!), SChleimhautschäden (wächst ja auch ständig nach): Gastrointestinale Störungen und Stomatitis etc…), wird sich auch das Endometrium (SChleimhaut der Gebärmutter) erst wieder erholen müssen, bevor es normal funktionieren kann. Wie lange diese Erholungsphase dauert, ist wohl individuell verschieden, dauert aber sicher länger als nur drei Wochen.

…obwohl kein Ei gereift ist?

Klar kann es zu einer Blutung kommen, obwohl keine Ovulation stattgefunden hat! Sog. anovulatorische Blutung. Dabei ist meist das Endometrium irregulär, kann aber normal bluten. Kommt sogar öfter bei jungen Frauen vor.

(Was blutet dann da?? Du schriebst die Blutung tritt ein…)

Ich schrieb es im Zusammenhang mit der Östrogentherapie bei älteren Frauen. Aber auch sonst gilt: Östrogen baut ja die Schleimhaut der Gebärmutter auf, Progesteron sorgt dafür daß es noch weiter „ausgebaut“ wird (Sekretion usw.). Und durch deren beider Abfall kommt es zur Blutung (Abstoßung der Schleimhaut). Siehe Physiologiebücher.
Dabei ist es irrelevant, ob Ö. vom Körper selbst produziert oder von außen zugefügt wird.

Kompliziert…:smile:

Meine Güte! Da habt ihr euch aber echt völlig verstrickt *gg*

kopfschmerzende Grüße, :wink:
Sharon

danke Dir!!
Hallo Sharon,

ich danke Dir für Deine Mühe!!!

Bin noch nicht so lange hier Mitglied dass ich Sternchen verteilen könnte;-(
Du hättest sie ECHT verdient!!!

(kann sie ja später noch nachreichen?)

Viele Grüße
Anna