Hilfeschrei eines Vaters - Impotenz - Viagra

Hallo liebe Mediziner,

jaja, es kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem Mann an seine Wissensgrenzen stößt, vor allem, wenn die Kinder mit ihren Fragen kommen.
Und da sie sich nicht mehr mit allgemeinen Phrasen zufrieden geben,
gebe ich diese Fragen mal ungefiltert hier weiter:

Was ist eigentlich Impotenz genau?
Zählt da nur das „Überhaupt-Nicht-Können“ oder fällt da auch schon
das „Ab-und-zu-nicht-Können“ bzw. das „Nur-sehr-kurz-Können“ drunter?

Um es deutlich zu fragen:
Definiert sich Impotenz ausschließlich über die Erektionsstörung/-schwäche?

Thema 2 = Viagra

Wie ungefähr wirkt es / was stellt es im Körper an?
Stärkt es nur erektionsgeschwächte Glieder?
Oder verlängert es auch das „können Können“?
Habe im Internet schon geguckt, allerdings hatte ich den Eindruck,
dass die Seiten doch etwas anbieterlastig und somit einseitig waren.
Daher die Frage an Euch.

Ich hoffe, die Fragen waren deutlich genug, um sie zu beantworten;
aber nicht zu deutlich, um irgendwo sauer aufzustoßen.

Danke schon mal an alle Experten.

P.S.: Macht es bitte nicht zu medizinisch, ich muss es schließlich verstehen und an zwei 11jährige weitervermitteln können.

Gruß
R.

Hallo Rainer,

Das Online-Lexikon Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Impotenz) liefert zum Thema Impotenz folgendes:

_Impotenz ist ein Fremdwort aus dem Lateinischen mit der Bedeutung Unfähigkeit - als Gegensatz zur Potenz. Im Speziellen versteht man darunter

bei Männern:

Die Unfähigkeit Kinder zu zeugen = Impotentia generandi, siehe unter Zeugungsunfähigkeit
Die Unfähigkeit, aus unterschiedlichsten Gründen eine Erektion zu bekommen oder ausreichend lange halten zu können bzw. den Geschlechtsverkehr befriedigend zu vollziehen = Impotentia coeundi, heute neutral zusammengefasst unter dem Überbegriff der erektilen Dysfunktion, s. dort.

bei Frauen:

Impotentia concipiendi = Unfähigkeit, schwanger zu werden
Impotentia gestandi = Unfähigkeit die Schwangerschaft auszutragen.

In der katholischen Kirche stellt die Impotentia coeundi nach geltendem Kirchenrecht als einzige dieser Störungen einen Scheidungsgrund dar._
Impotenz ist also i.e.S. die Unfähigkeit, Kinder zu bekommen und i.w.S. die Unfähigkeit, durch „erektile Dysfunktionen“ einen befriedigenden Geschlechtsverkehr haben zu können.

Zählt da nur das „Überhaupt-Nicht-Können“ oder fällt da auch
schon das „Ab-und-zu-nicht-Können“ bzw. das „Nur-sehr-kurz-Können“
drunter?

„Ab-und-zu-nicht-Können“ ist also noch keine Impotenz, „Nur-sehr-kurz-Können“ ist dann Impotenz, wenn’s dauerhaft unbefriedigend ist.

Um es deutlich zu fragen:
Definiert sich Impotenz ausschließlich über die
Erektionsstörung/-schwäche?

Nein. Es schließt eben die Zeugungsunfähigkeit mit ein. Das kann an Fehlern der Keimzellen selbst, hormonellen Schwierigkeiten oder genetischen Schäden liegen.

Thema 2 = Viagra

Wie ungefähr wirkt es / was stellt es im Körper an?

Auch hierzu hilf http://de.wikipedia.org/wiki/Viagra:

Der Wirkstoff von Viagra ist Sildenafil, das ist ein Phosphodiesterase-Hemmer. Hier erstmal eine utlrakurz-Version („Lügen für Kinder“), danach für Dich nochmal genauer, weil’s einfach unheimlich interessant ist.

Kurz:

Glatte Muskeln können kontrahiert in einem sog. Sperrtonus verharren. Das ist der Normalzustand in den Arterien zum Schwellkörper. Die Muskeln sind kontrahiert, verengen die Gefäße und lassen kein Blut durch. Die Kontraktion wird reguliert durch ein Botenmolekül, das ständig aufgebaut und wieder kaputtgemacht wird. Sollen die Muskeln entspannen, wird der Aufbau beschleunigt, der Stoff sammelt sich an und die Muskeln entpannen. In der Folge öffnen sich die Blutgefäße und Blut strömt ein. Das funktioniert bei erektiler Dysfunktion nicht. Sildenafil hemmt nun den Abbau des Botenmoleküls. Da es ja immer noch mäßig produziert wird, sammelt es sich also an und der Muskel entspannt.

Lang:

Um die Funktion zu verstehen, muß man wissen, wie ein Muskel gesteuert wird. Es sind glatte Muskelzellen (Anm: „normale“ Muskeln wie Skelett- und Herzmuskeln sind Quergestreifte Muskeln - die unterscheiden sich von glatten Muskeln!), die normalerweise kontrahiert (angespannt) sind und so den Blutstrom in den Schwellkörper verhindern. Muskeln kontrahieren, indem sie zwei Filamente gegeneinander bewegen. Ein Filament ist das Aktin, das andere ist das Myosin. Das Myosin braucht Kalzium, um am Aktin zu binden. Das geschieht über ein weiteres Molekül, eine Art „Adapter“, das Caldesmon. Wenn Kalzium da ist, bindet also das Myosin am Caldesmon, was am Aktin hängt. Dann kann sich das Myosin ein Stück entlang des Aktinfilamentes ziehen, wobei sich der Muskel kontrahiert. Wenn jetzt noch mehr Kalzium da ist, dann löst dieses das Caldesmon ab und die über das Caldesmon vemittelte Bindung zwischen Myosin und Aktin bricht auf. Jetzt kann das ganze spiel von vorne losgehen - womit sich der Muskel weiter kontrahieren würde.

Die Kontraktion kann aber auch durch klein Botenmoleküle unterbunden werden. Wenn diese zugegen sind, löst sich der Sperrtonus. Ein wichtiges dieser Botenmoleküle ist cGMP (voll: cyclisches Guanosin-Mono-Phosphat). Dies wird in der Zelle von bestimmten Enzymen hergestellt aus dem immer vorhandenen GTP (Guanosin-Tri-Phosphat). Um eine exakte Regulation der cGMP-Konzentration in der Zelle zu erreichen, darf sich das cGMP natürlich nicht einfach ansammeln. Darum gibt es auch enzyme, die das cGMP gleich wieder kaputt machen. Diese Enzyme nennt man Phosphodiesterasen oder kurz PD. Wenn also die PD aktiv sind, ist nie genug cGMP da, um die Kontraktion zu lösen. Nun kann natürlich durch Signale von Außen (zB. durch einen Hormon- oder Nervensignal) die Aktivität der Enzyme gesteigert werden, welche cGMP herstellen, worauf sich der Muskel entspannt. Das ist der normale Weg. Aus irgendwelchen Gründen funktioniert der bei einer erektilen Dysfunktion nicht mehr richtig. Sildenafil hemmt nun die Enzyme, welche cGMP abbauen (also die PD, somit ist Sildenafil ein PD-Hemmer). Damit sammelt sich cGMP an und der Sperrtonus wird gelöst, die Muskeln weiten sich, Blut strömt in den Schwellkörper und alles ist wieder „im Lot“.

Gruß,
Jochen

Söhne und Töchter (offtopic)
Hallo Rainer,

was mich vor kurzem schockte waren Fragen meiner Töchter…

Zum Schluß sagte eine der beiden:
„Mama, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass du in deinem Alter noch an Sex denkst geschweige denn hast.“

Gruß *wink* Daggi

Danke
Hallo Jochen,

vielen Dank für die schnelle Hilfe.
Ich hoffe, ich kann das irgendwie verständlich
rüber bringen.

Gruß
R.

„Mama, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass du in
deinem Alter noch an Sex denkst geschweige denn hast.“

Hallo Daggi,
ich nehme an, Du bist ähnlich steinalt wie ich (Bj 1965):smile:

Aber ich erinnere mich noch gut an meine „Jugend“, und für mich war es damals auch etwas schwer zu glauben, dass meine Eltern … na Du weißt schon. Sie hatten doch schließlich ihre Schuldigkeit getan und mich zur Welt gebracht :smile:

Gruß und schönes WE

R.

…und Nichten (offtopic)
Hai, Daggi,

ein Gespräch Anfang des Jahres mit 'ner Nichte: „…Orgasmus?“ „Warum fragst Du eigentlich nicht Deine Mutter?“ „Woher soll die denn das wissen?“

*gnignigni*
Gruß
Sibylle