Staphylokokkus aureus nach OP

Hallo Leute,

meine Freundin hat sich nach einer OP (Abzess im Hals nach Paradontosebehandlung)
auch noch einen Staphylokokkus aureus geholt.

Die im Krankenhaus haben zuerst die Panik gekriegt, sie isoliert und verdächtig schnell, ohne weitere Behandlung, Überweisung zu einem Labor, Spezialisten etc. nach Hause geschickt. Sie versucht jetzt einen Arzt zu finden, der sich der Sache annimmt, weitere Laborteste macht und den Erreger nötigenfalls behandelt. Was man so im Internet oder in den Medien darüber erfahren kann, ist nicht gerade mutmachend (s.a. Beitrag auf ZDF/Frontal v. 4.4.).

Bisher hat sie keinen Arzt gefunden, der sich der Sache annimmt. Eher wird es von allen verharmlost. Auf Ihrem „vorläufigen“ Krankenhausentlassungsbericht steht: MRSA, Kontakt mit gesunden Menschen unbedenklich. Ein Antibiogramm hat sie auch mitbekommen. Daraus konnte ich nur entnehmen, dass es Antibiotika gibt auf die der Erreger nicht resisten ist. Z.Zt. bekommt sie aber keine Antibiotika, d.h. eigentlich überhaupt nichts gegen den Erreger.

Jetzt meine Fragen:

  1. Wie gefährdet sind die kranken Menschen in ihrem Umfeld? Sie hat einen Krebskranken und einen Neurodermitiker in der Familie?
  2. An welchen Facharzt soll sie sich wenden, denn: das Krankenhaus hat sie im Stick gelassen, der Hausarzt ist damit überfordert, hat keine weiteren Teste mehr gemacht und nur gemeint, das wäre schon ok, wenn das KH meint, dass sei unbedenklich und ausserhalb der KH würde der Erreger sowieso nicht überleben. (Ich bin ja kein Medinziner, aber das scheint mir etwas weit hergeholt.)
  3. Ist das wirklich so harmlos und bauschen es die Medien nur auf oder hat sich das KH - wie’s mir scheint ihr gegenüber nicht korrekt verhalten? (unterlassene Hilfeleistung? Gefährdung anderer Leute durch Aufhebung der Isolation?
  4. Ich habe sie öfters im KH besucht, sie auf die Wangen geküsst, ihr erlaubt, vom meiner Lippencreme mit dem Finger etwas abzustreichen um ihre trockenen Lippen einzucremen. Natürlich habe ich die Creme weiterhin normal, wie einen Lippenstift benutzt. Auch habe ich eine komisches Ekzem (Pilzbefall, Allergie, Psoriasis?) in Nacken schon sein längerer Zeit. Besteht nun die Gefahr, dass ich mich über den Lippenstift, die Haut oder sonstwie auch mit diesem Erreger infiziert habe? Wie kann ich Gewissheit bekommen? Muss ich auf akute Symptome warten oder tut das ein gezielter Test?

Wer kann mir da ein paar gute Ratschläge, gerne auch per e-Mail, geben?

Vielen Dank im Voraus.

Ama

Hallo Leute,

meine Freundin hat sich nach einer OP
(Abzess im Hals nach
Paradontosebehandlung)
auch noch einen Staphylokokkus aureus
geholt.

Die im Krankenhaus haben zuerst die Panik
gekriegt, sie isoliert und verdächtig
schnell, ohne weitere Behandlung,
Überweisung zu einem Labor, Spezialisten
etc. nach Hause geschickt.

Für das Krankenhaus wird ein MRSA (MultiResistenter Staphylococcus Aureus) zu einer Zeitbombe. Der Patient muß möglichst rasch nach Hause entlassen werden. Behandelt wird der Keim nur bei zwingenden Gründen, die hier offenbar nicht vorliegen. Das Bakterium ist i.ü. nicht ansteckender, als jeder andere Staphylococcus aureus.

Jetzt meine Fragen:

  1. Wie gefährdet sind die kranken
    Menschen in ihrem Umfeld? Sie hat einen
    Krebskranken und einen Neurodermitiker in
    der Familie?

Krebskranke als solche sind in der Regel nicht anfälliger, als „Gesunde“, es sei denn sie werden chemotherapeutisch behandelt.

  1. der Hausarzt ist damit
    überfordert, hat keine weiteren Teste
    mehr gemacht

Das Ergebnis steht wohl fest und braucht nicht dauernd kontrolliert werden.

ausserhalb der KH würde der Erreger sowieso :nicht überleben.

Leider Unsinn! Er überlebt ja in dem betroffenen Patienten.

sich das KH - wie’s mir scheint ihr
gegenüber nicht korrekt verhalten?
(unterlassene Hilfeleistung? Gefährdung
anderer Leute durch Aufhebung der
Isolation?

Das Krankenhaus hat sich korrekt verhalten.
Jeder gefährdet mit seinen Keimen „immungeschwächte“ Patienten. Eine Infektion mit einem MRSA ist eben nur sehr schwer zu behandeln.

  1. Ich habe sie öfters im KH besucht, sie
    auf die Wangen geküsst, ihr erlaubt, vom
    meiner Lippencreme mit dem Finger etwas
    abzustreichen um ihre trockenen Lippen
    einzucremen. Natürlich habe ich die Creme
    weiterhin normal, wie einen Lippenstift
    benutzt.

Bakterien der Staphylococcen-Gruppe sind überall. Ob man sich ansteckt, hängt nicht von der Resistenz der Keime ab.

Auch habe ich eine komisches
Ekzem (Pilzbefall, Allergie, Psoriasis?)
in Nacken schon sein längerer Zeit.

Spielt normalerweise keine Rolle.

Besteht nun die Gefahr, dass ich mich
über den Lippenstift, die Haut oder
sonstwie auch mit diesem Erreger
infiziert habe? Wie kann ich Gewissheit
bekommen? Muss ich auf akute Symptome
warten oder tut das ein gezielter Test?

Wahrscheinlich warten! Bei Gelegenheit würde ich Abstriche aus Nase und Rachen auf Bakterien untersuchen lassen. Dort findet man gelegentlich Staphylococcus aureus, der aber auch nicht in jedem Fall behandlungsbedürftig ist.

Hallo Dr. Dierkesmann,

danke für die schnelle und doch ziemlich beruhigende Antwort. Einige Fragen sind allerdings doch noch offen bzw. mit der Logik eines Unkundigen nicht zu durchdringen.

Für das Krankenhaus wird ein MRSA
(MultiResistenter Staphylococcus Aureus)
zu einer Zeitbombe.

Kann ich gut verstehen. Ist auch im Interesse der anderen Kranken. Trotzdem: schickt man jmd. mit so einer Infektion ohne Weiterbehandlung/Information/Medikamente etc. einfach nach Hause?

Behandelt wird der Keim nur bei
zwingenden Gründen, die hier offenbar
nicht vorliegen.

Was sind zwingende Gründe?
Wie soll das ein Patien begreifen, der erst isoliert wird, dann keine Antibiotika mehr bekommt und dringen nach Haus geschickt wird? Wenn er dann auch noch liest, was so ein Erreger anrichten kann und dass Leute bei denen er zu spät entdeckt/behandelt wurde heute Pflegefälle sind? (s.a. http://www.zdf.msnbc.de/news/51917.asp)

Das Bakterium ist i.ü.
nicht ansteckender, als jeder andere
Staphylococcus aureus.

Das ist beruhigend, allerdings, finden Sie es ok, dass sie keine Antibiotika mehr bekommt und auch nicht noch einmal ein Abstrich gemacht wurde, damit man sieht, wie das evoluiert (sprich: ob die Infektion, z.B. durch das eigene Immunsystem in Schach gehalten wird oder sich verbreitet hat)?

Das Ergebnis steht wohl fest und braucht
nicht dauernd kontrolliert werden.

Kann ich als Laie nicht begreifen. Wenn ich z.B. eine Blasenentzündung habe, wird nach Verabreichung von Medikamenten (ob nun Antibiotika oder nicht) kontrolliert, ob die Bakterienkonzentration zurückgegangen ist oder nicht. Warum wird da nichts mehr gemacht?

Infektion mit einem MRSA ist eben nur
sehr schwer zu behandeln.

Ok, das ist das einzige, was aus sämtlichen Dokumenten zu diesen Thema hervorgeht. Daher verstehe ich nicht, weshalb meine Freudin nun, mit diesem MRSA sich selbst überlassen wird bzw. warten muss, bis sie akute Symptome hat.

Oder anders gefragt:
Was würden Sie tun - Ihre Fachkenntnisse berücksichtigend -, wenn Ihr Kind, sagen wir nach einer simplen Mandeloperation mit MRSA aus dem KH kommen würde? Ohne Medikamente, ohne Indikation, ohne ÜB zu einem anderen Arzt? Abwarten und Tee trinken?

aureus, der aber auch nicht in jedem Fall
behandlungsbedürftig ist.

Wann/wie unterscheidet man, ob der SA nun behandlungsbedürftig ist?

Wenn die Erklärungen zu ausführlich werden müssten, bin ich auch für Verweise auf Fachliteratur dankbar. Was ich bisher gelesen habe, ist eher beunruhigend und lässt darauf schliessen, dass MRSA mit Antibiotika behandelt werden muss. Was nun?

Vielen Dank nochmal.

Ama

Mal locker bleiben…
MRSA ist ein normaler S.aureus, der durch x-fache Selektion Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt hat. Er entsteht idR an Orten wo viel mit Antibiotika hantiert wird, dh. va. in großen Krankenhäusern.

Kann ich gut verstehen. Ist auch im
Interesse der anderen Kranken. Trotzdem:
schickt man jmd. mit so einer Infektion
ohne
Weiterbehandlung/Information/Medikamente
etc. einfach nach Hause?

Ohne Information natürlich nicht… aber wenn es Deiner Freundin an sich gut geht, ist die Entlassung für Sie das günstigste, denn was im KH ein Vorteil für MRSA ist (die div. Resistenzen) sind für ihn in „freier Wildbahn“ ein Selektionsnachteil wegen des viel aufwendigeren Stoffwechsels. Er wird früher oder später vom normalen S. aureus überwuchert.

Behandelt wird der Keim nur bei
zwingenden Gründen, die hier offenbar
nicht vorliegen.

Was sind zwingende Gründe?
Wie soll das ein Patien begreifen, der
erst isoliert wird, dann keine
Antibiotika mehr bekommt und dringen nach
Haus geschickt wird? Wenn er dann auch
noch liest, was so ein Erreger anrichten
kann und dass Leute bei denen er zu spät
entdeckt/behandelt wurde heute
Pflegefälle sind? (s.a.
http://www.zdf.msnbc.de/news/51917.asp)

Panik machen sichert Einschaltquoten… isoliert wird ein MRSA-Patient nicht, weil man ihn schützen will, sondern weil man immungeschwächte Patienten VOR ihm schützen will, weil die keine natürliche Abwehrmöglichkeit haben.

Das Bakterium ist i.ü.
nicht ansteckender, als jeder andere
Staphylococcus aureus.

Das ist beruhigend, allerdings, finden
Sie es ok, dass sie keine Antibiotika
mehr bekommt und auch nicht noch einmal
ein Abstrich gemacht wurde, damit man
sieht, wie das evoluiert (sprich: ob die
Infektion, z.B. durch das eigene
Immunsystem in Schach gehalten wird oder
sich verbreitet hat)?

Wenn man Deine Freundin entlassen hat, sprich, sie hat kein Fieber mehr und sie hat auch sonst kein schweres Krankheitsgefühl mehr, sind das ganz untrügliche Zeichen dafür, daß das Immunsystem ganze Arbeit leistet. Dann sind Antibiotika nicht mehr angebracht.

Das Ergebnis steht wohl fest und braucht
nicht dauernd kontrolliert werden.

Kann ich als Laie nicht begreifen. Wenn
ich z.B. eine Blasenentzündung habe, wird
nach Verabreichung von Medikamenten (ob
nun Antibiotika oder nicht) kontrolliert,
ob die Bakterienkonzentration
zurückgegangen ist oder nicht. Warum wird
da nichts mehr gemacht?

Weil Blasenentzündung und Abszeß nicht das gleiche sind…

Infektion mit einem MRSA ist eben nur
sehr schwer zu behandeln.

Ok, das ist das einzige, was aus
sämtlichen Dokumenten zu diesen Thema
hervorgeht. Daher verstehe ich nicht,
weshalb meine Freudin nun, mit diesem
MRSA sich selbst überlassen wird bzw.
warten muss, bis sie akute Symptome hat.

Ein akuter MRSA-Infekt entwickelt sich viel wahrscheinlicher im Krankenhaus (s.o.)

Oder anders gefragt:
Was würden Sie tun - Ihre Fachkenntnisse
berücksichtigend -, wenn Ihr Kind, sagen
wir nach einer simplen Mandeloperation
mit MRSA aus dem KH kommen würde? Ohne
Medikamente, ohne Indikation, ohne ÜB zu
einem anderen Arzt? Abwarten und Tee
trinken?

…so bald wie möglich raus aus dem KH, dahin wo kein MRSA sitzt.

aureus, der aber auch nicht in jedem Fall
behandlungsbedürftig ist.

Wann/wie unterscheidet man, ob der SA nun
behandlungsbedürftig ist?

Symptome: behandlungsbedürftig
keine Symptome: nicht behandlungsbedürftig

Wenn die Erklärungen zu ausführlich
werden müssten, bin ich auch für Verweise
auf Fachliteratur dankbar. Was ich bisher
gelesen habe, ist eher beunruhigend und
lässt darauf schliessen, dass MRSA mit
Antibiotika behandelt werden muss. Was
nun?

Mit den Antibiotika, die gegen MRSA wirken muß aus naheliegenden Gründen sparsam umgegangen werden, sie sollten nur immungeschwächten Patienten (bei AIDS, Chemotherapie etc.) vorbehalten bleiben. Sollte ein MRSA auch noch Resistenzen gegen diese Antibiotika entwickeln und sich zufällig auch nur ein einzelnes Bakterium etablieren und sich verbreiten können wäre das für viele Menschen sehr schlecht.
Da muß das Krankenhaus das Allgemeinwohl gegenüber dem sehr geringen Risiko Deiner Freundin abwägen.

Sonst noch Fragen?

Chris (kein Doktor, aber trotzdem schlau)

Danke für Eure Tipps, Ratschläge etc.
Trotzdem, da setzt meine Logik aus:

MRSA nach OP vorhanden,
wohl in besorgniserregender Konzentration
(Besiedlung), sonst wäre die Pat. nicht zum Schutz aller anderen isoliert worden bzw. müsste jeder KH-Besucher nur noch im Schutzanzug herumlaufen, weil ja SA überall vorhanden ist. Ergo: muss SA wohl doch etwas gefährliches sein. Zumindest für Kranke, frisch Operierte etc., was ja auch auf meine Freundin zutrifft.

Zweitens: mit oder ohne dem SA-infizierten Pat. ist SA im KH vorhanden, denn die Pat. hat es ja von dort bzw. ist ihre Ansteckung schon auf eine grobe Missachtung der Hygienerichtlinine zurückzuführen.

Sie dann ohne Info/Therapie/Nachkontrolle alleine sich selbst zu überlassen ist unfair und sehe ich als unterlassene Hilfeleistung, egal was Ihr dazu meint.

Keine Angst, nat. wird es keinen Prozess geben, sie ist viel zu sehr um ihre Gesundheit besorgt und nervl. am Ende um jetzt auch noch mit Rechstanwälten herumzustreiten und sich zusätzl. Stress zu erzeugen.

Und: alle KH-Patienen sollen geschützt werden, den wohl doch nicht so schrecklichen MRSA zu bekommen - so weit, so gut - aber wie wird sie ihn los, wenn keine Nachuntersuchung und keine Medikamente verabreicht werden? Ist es, wenn akute Beschwerden auftreten nicht schon zu spät bzw. die Behandlung recht kompliziert?

Meine Freundin ist inzw. so verängstigt und verunsichert, dass sie sich weder in die Nähe ihrer krebskranken Oma (mom. nicht in Chemotherapie), noch in die Nähe ihrer Nichten und Neffen (1 und 3 J, beide Neurodermitiker) traut und sich als wandelde Gefahr für ihre Umwelt sieht, denn sie musste ja eben zum Schutz der anderen das KH verlassen. Ausserdem fühlt sie sich unfair behandelt und alleingelassen, nachdem sie dort angesteckt wurde.

Ich glaube mit „wart’s ab, es ist schon nicht so schlimm“ kann ich sie nicht überzeugen. Also, das Risiko auf mich nehmend, hier jmd. zu nerven: An welchen Facharzt kann sie sich wenden, um diese Abstriche, Laborteste, Was-weiss-ich durchzuführen, die ihr letztendlich Gewissheit in die eine oder andere Richtung geben ???

Was geschieht denn mit KH, in denen man sich sowas zuziehen kann? Durch Heimschicken der infizierten Patienten ist doch die URSACHE nicht behoben. Oder? Ich glaub’ ich bin einfach zu dumm, um das zu begreifen.

Danke trotzem jedem, der sich die Mühe Macht, in meiner geistigen Umnachtung etwas Licht zu bringen.

Ama

Das Problem Multiresistente Staphylokokken besteht in erster Linie fuer schwerkranke (und somit fuer alles mögliche anfällige) Patienten in Krankenhäusern (operative Abteilungen, Intensivstationen. Unter diesen Patienten breiten sich Infektionen mit den Erregern, bei denen die ueblichen Antibiotika oft nicht mehr greifen schnell aus und koenne dann lebensbedrohlich sein. Otto Normalverbraucher mit intaktem Immunsystem juckt das nicht.

Die im Krankenhaus haben zuerst die Panik
gekriegt, sie isoliert und verdächtig
schnell, ohne weitere Behandlung,
Überweisung zu einem Labor, Spezialisten
etc. nach Hause geschickt.

-Damit wurde die Uebertragung auf andere (Risiko-)patienten verhindert.

Sie versucht

jetzt einen Arzt zu finden, der sich der
Sache annimmt, weitere Laborteste macht
und den Erreger nötigenfalls behandelt.

Wenn sie von ihrer OP gegesen ist und keine Beschwerden/Entzuendung mehr hat, muss das meiner Meinung nach nicht behandelt werden. Das Problem besteht eigentlich nur im Umfeld Krankenhaus.

Was man so im Internet oder in den Medien
darüber erfahren kann, ist nicht gerade
mutmachend (s.a. Beitrag auf ZDF/Frontal
v. 4.4.).

Ja, ja - die Medien. Kommt ja auch bald das Sommerloch…

Bisher hat sie keinen Arzt gefunden, der
sich der Sache annimmt. Eher wird es von
allen verharmlost. Auf Ihrem
„vorläufigen“
Krankenhausentlassungsbericht steht:
MRSA, Kontakt mit gesunden Menschen
unbedenklich.

so isses…

Ein Antibiogramm hat sie

auch mitbekommen. Daraus konnte ich nur
entnehmen, dass es Antibiotika gibt auf
die der Erreger nicht resisten ist. Z.Zt.
bekommt sie aber keine Antibiotika, d.h.
eigentlich überhaupt nichts gegen den
Erreger.

muss auch nicht. s.o.

Die in Frage kommen Antibiotika sind dan oft sogenannte Reserveantibiotika, die nur in schweren, lebensbedrohlichen Faellen eingesetzt werden sollten. Wenn man diese zu oft und bei Bagatellinfektionen einsetzt, kommt es zu Resistenzen (so ist das Problem ueberhaupt erst entstanden - durch den uebermässigen, unkontrollierten Gebrauch von Antibiotika)

Jetzt meine Fragen:

  1. Wie gefährdet sind die kranken
    Menschen in ihrem Umfeld? Sie hat einen
    Krebskranken und einen Neurodermitiker in
    der Familie?

Kann ich so auf die ferne nicht genau sagen. Der Krebskranke kann gefährdet sein(Immunsystem geschwächt - besonders bei Chemotherapie). Wie es allerdings mit der Möglichkeit der Uebertragung im häuslichen Umfeld aussieht, bin ich ueberfragt, bin kein Mikrobiologe.

  1. An welchen Facharzt soll sie sich
    wenden, denn: das Krankenhaus hat sie im
    Stick gelassen, der Hausarzt ist damit
    überfordert, hat keine weiteren Teste
    mehr gemacht und nur gemeint, das wäre
    schon ok, wenn das KH meint, dass sei
    unbedenklich und ausserhalb der KH würde
    der Erreger sowieso nicht überleben. (Ich
    bin ja kein Medinziner, aber das scheint
    mir etwas weit hergeholt.)

Ne, ne, stimmt schon. Das Problem sind die „unnatuerlichen“ Bakterienpopulationen im Krankenhaus, wo durch veränderte Umweltbedingungen ganz andere Staemme optimale Wachstumsbedingungen vorfinden als vor der Tuer.

  1. Ist das wirklich so harmlos
  • fuer normale Menschen -ja

bauschen es die Medien nur auf

-ja

  1. Ich habe sie öfters im KH besucht, sie
    auf die Wangen geküsst, ihr erlaubt, vom
    meiner Lippencreme mit dem Finger etwas
    abzustreichen um ihre trockenen Lippen
    einzucremen. Natürlich habe ich die Creme
    weiterhin normal, wie einen Lippenstift
    benutzt.
  • is schon o.k
    Auch habe ich eine komisches

Ekzem (Pilzbefall, Allergie, Psoriasis?)
in Nacken schon sein längerer Zeit.

-Mag sein.

Besteht nun die Gefahr, dass ich mich
über den Lippenstift, die Haut oder
sonstwie auch mit diesem Erreger
infiziert habe?

-Keine Panik, die Gefahr ist sehr gering.

Wie kann ich Gewissheit bekommen?

Glaub Deinem gesundem Menschneverstand und nicht den Medien.
Man kann Test machen (Abstriche aus allen angenehmen und unangenehmen Körperöffnungen), wenn die positiv sind und Du Träger bist, kannst Du auch Antibiotika schlucken. Das bringt aber nur neue Probleme mit sich (s.o.): Ausserdem rottest du vielleicht den Problemkeim aus, gleichzeitig aber auch alle nuetzlichen Mitbewohner deines Darmtraktes usw.

Muss ich auf akute Symptome

warten oder tut das ein gezielter Test?

Mustt Du gar nicht warten, vergiss es einfach.

Wenn du willst kann ich Dir noch einen Artikel (WORD ´97, PC) schicken, den ich im Deutschen Ärzteblatt zu der Thematik gefunden habe.

MfG oliver,arzt, geburtshelfer

Danke, Oliver,

scheint ja alles nicht so wild zu sein, auch wenn sich einges meiner Logik entzieht (s. letzte Antwort, auf Input von Chris). Aber ich weiss schon, ich bin eine unverbesserliche Haarspalterin und möchte immer alles ganz genau begreifen, bevor ich mich mit Workarounds zufrieden gebe.

Ama

Chris hat im wesentlichen voellig recht. Hier noch einige Bemerkungen.

ist ihre Ansteckung schon auf
eine grobe Missachtung der
Hygienerichtlinine zurückzuführen.

Durchaus möglich, aber im Einzelfall schwer zu sichern.

Sie dann ohne Info/Therapie/Nachkontrolle
alleine sich selbst zu überlassen ist
unfair und sehe ich als unterlassene
Hilfeleistung

Informationen für den Patienten sind immer wichtig. Therapie wohl kaum erforderlich, da vorübergehende oder dauerhafte Besiedlung mit Staph.aureus noch keinen Krankheitswert hat. Zu Nachkontrolle siehe meinen ersten Beitrag!

Ist es,
wenn akute Beschwerden auftreten nicht
schon zu spät bzw. die Behandlung recht
kompliziert?

In der Regel treten keine „akuten“ Beschwerden auf. Es handelt sich nicht um eine „Infektionskrankheit“ wie z.B. Scharlach, Masern usw., die nach einer bestimmten Zeit zum Ausbruch kommen.
Der Körper unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Resistenzen von Staph. aureus, was heisst, seine eigenen Abwehrkräfte reichen aus, mit solchen Keimen fertig zu werden. Die Patientin kann sich völlig problemlos mit ihren Mitmenschen „beschäftigen“, ohne Angst haben zu müssen, Ihnen etwas Schlechtes zuzufügen. Dies zu erörtern, wäre sinnvolle und nötige Information durch den Arzt.

sich als
wandelde Gefahr für ihre Umwelt sieht,

Völliger Unsinn!

denn sie musste ja eben zum Schutz der
anderen das KH verlassen.

Richtig. Schließlich soll das Personal nicht Träger des MRSA werden in einer operativen Abteilung mit Frischoperierten und offenen Wunden.

Ausserdem fühlt
sie sich unfair behandelt und
alleingelassen, nachdem sie dort
angesteckt wurde.

Verständlich, weil mit ihr offenbar nicht ausreichend und verständlich gesprochen wurde.

An welchen
Facharzt kann sie sich wenden, um diese
Abstriche, Laborteste, Was-weiss-ich
durchzuführen, die ihr letztendlich
Gewissheit in die eine oder andere
Richtung geben ???

Gewissheit hat sie doch oder? Abstriche in einem 1/2 Jahr sinnvoll. Wahrscheinlich läßt sich der SA dann nicht mehr nachweisen.

Was geschieht denn mit KH, in denen man
sich sowas zuziehen kann? Durch
Heimschicken der infizierten Patienten
ist doch die URSACHE nicht behoben. Oder?

Eine Infektion läßt sich prinzipiell nicht ausschalten, aber natürlich durch entsprechende Sorgfalt zum selteneren Ereignis machen. In Deutschland sterben etwa 20.000 Menschen/Jahr (grobe Schätzung) an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion. Hierbei spielt Staph. aureus oder gar MRSA nur äußerst selten eine ursächliche Rolle.
Rüdiger Dierkesmann

Danke
… Euch allen für die geduldigen und ausführlichen Antworten, die bestimmt den seelischen Zustand meiner Freundin wesentlich verbessern werden.

Ama