Diabetes - einige Fragen

Hallo zusammen :smile:

hoffentlich bin ich hier richtig mit meinen Fragen. Ich habe seit einigen Monaten einen Freund, der an Diabetes Typ 1 erkrankt ist. Er hat mir schon erklärt, wie Diabetes entsteht, welche Folgeerkrankungen es verursachen kann, wie es behandelt wird etc. Ich habe ungefähr verstanden, wie eine Unter- oder Überzuckerung abläuft und was dann zu geschehen hat.

Mein Freund ist 37 und spricht immer wieder davon, dass er als Diabetiker eine viel geringere Lebenserwartung hat. Er spricht von den Folgeerkrankungen, als wenn sie für ihn unausweichlich wären. Ich habe im Internet eigentlich immer nur die Information gefunden, dass das Risiko von Folgeerkrankungen gering ist, wenn der Patient darum bemüht ist, den Blutzuckerwert in den „normalen“ Grenzen zu halten. Dies wäre entweder mit der konventionellen Methode möglich (sprich Mahlzeiten und Broteinheiten genau berechnen und dem zugeführten Insulin anpassen) oder aber, indem man regelmäßig den Blutzuckerspiegel misst und dann gemäß den zugeführten Broteinheiten Insulin spritzt.

Ich bin nicht ganz sicher, wie häufig nun diese regelmäßigen Messungen stattfinden sollen. Mein Freund misst morgens, tagsüber nicht (er meint, da er da nichts isst, braucht er nicht zu messen), abends dann hin und wieder und vorm Schlafen gehen. Natürlich misst er, wenn er das Gefühl hat, der Blutzuckerwert tanze aus der Reihe. Nun kommen aber (in meinen Augen oft) Werte von 35 mg/dl bzw. 250 oder mehr zustande. Mein Freund ist der Meinung, er messe oft genug, und er könne sich die Werte auch nicht erklären. Insofern ist das also ein Teil meiner Fragen hier: Muss er öfter messen? Sollte er vielleicht doch mal einen Arzt aufsuchen? Oder ist das ganz normal für einen Diabetiker, dass die Blutzuckerwerte so schwanken?

Da hier ja nun ärztliche Diagnosen definitiv nicht möglich sind, verzichte ich mal auf eine Schilderung seines Allgemeinzustands.

Allerdings kann und will ich ihn ja nicht zum Arztbesuch zwingen. Ich möchte auch nicht als überbesorgte neue Freundin ein wohl doch recht sensibles Thema plattwalzen. Es betrifft mich ja nun aber auch ein wenig mit, und ich mache mir auch Sorgen. Darum erhoffe ich mir vielleicht ein paar hilfreiche Tipps, auch wenn das vielleicht schon fast eher ins „Psycho-Brett“ gehört. Vielleicht wisst Ihr ja auch ein paar Adressen, wo Angehörige von Diabetespatienten sich Rat und Hilfe holen können.

Vielen Dank schon einmal im Voraus

von Salat

Hallo,

mal so aus Angehörigensicht und vom interessierten medizinischen Laien, dem diese Krankheit vielleicht auch droht (tweilweise erblich) und der aufgrund seiner Informationen hiervor keine Angst hat:

  1. Messen alleine ist nur die halbe Miete, denn ich kann natürlich auch vor dem langsam überhitzenden Atiomreaktor einfach nur stehen bleiben und immer wieder die Werte messen. Wenn ich hierauf aber nicht angemessen reagiere, ist die Katastrophe nur eine Frage der Zeit. Andererseits dürfte es oft schon ausreichen einfach nur einen Schalter passend umzulegen um das Ding wieder in den Regelbetrieb zu bekommen. Was ich sagen will: Auf jede Messung muss die angemessene Reaktion erfolgen, und dann kann man mit Diabetes üblicherweise ein vollkommen normales und auch nicht in seiner Lebenserwartung deutlich vermindertes Leben führen. Meine Oma wurde schon Mitte der 70er über 80 mit Diabetes, mein Vater ist inzwischen auch schon 70 bei noch recht ordentlicher Gesundheit, seine Schwester geht momentan auf die 80 zu und ist noch putzmunter, ständig auf Reisen, …

  2. Die notwendigen Reaktionen auf die Messergebnisse sind eine passende Insulindosierung (sofern Insulin gespritzt wird und man die heute übliche intensivierte Therapie fährt) und eine entsprechende Aufnahme von Kohlenhydraten. Da heute Humaninsulin gespritzt wird, also genau der Stoff, den der Körper auch selbst bildet, muss man sich nicht mehr sklavisch an bestimmte einmal festzementierte Diätvorschriften halten, sondern kann ganz normal essen und trinken, muss sich eben nur das Insulin hierzu passend spritzen. Eine gewisse Regelmäßigkeit vereinfacht die Sache aber natürlich. D.h. es spricht nichts gegen das Glas Bier am Abend, das Stück Torte am Sonntag, … solange man nicht vollkommen exzessiv lebt.

Was aber natürlich nicht geht, ist die von dir berichtete Geschichte mit dem fasten über den ganzen Tag. Mehrere kleine Mahlzeiten sorgen für einen besseren und konstanteren Blutzuckerverlauf, und den sollte man immer versuchen zu erreichen. Ein Regelkreis lässt sich um so besser im Griff behalten, je geringer die Ausschläge sind. Extremfälle mit Traubenzucker-Einsatz o.ä. sollte man auf jeden Fall vermeiden!

  1. Eine „normale“, ausgewogene Küche reicht vollkommen. D.h. Frühstück wie auch jedem Gesunden empfohlen mit Brot/Brötchen, vielleicht etwas Obst, Müsli, …, Hauptsache die damit aufgenommenen BE passen zum Plan. Eine kleine Zwischennmahlzeit (Pausenbrot), Mittagessen, ein Keks zum Kaffee, Abendessen, und vielleicht noch etwas Reserve für ein paar Chips zum Fernsehen, und gut ist. Ob Mittags oder Abends die Hauptmahlzeit eingenommen wird, spielt nicht so die große Rolle, aber ein vollkommener Verzicht auf eine Mahlzeit ist nur in extremen Ausnahmefällen gestattet und für den Regelfall vollkommen tabu!

  2. Besondere Diätprodukte braucht es nicht und hat es z.B. bei uns in der Familie nie gegeben! D.h. eine Torte wird eben von den Mengen an Zucker, Mehl und Früchten auf die passende Zahlt Tortenstücke so berechnet, dass die Betroffenen wissen, was sie für ein Stück zusätzlich spritzen müssen, und gut ist.

  3. Eine allgemein gesunde Lebensweise ist natürlich immer anzuraten. Insbesonder auf Übergewicht sollte man achten (wobei meine Schwester mal eine Freundin hatte, deren Diabetes perfekt eingestellt war, obwohl sie aussaß wie zwei Öltanks in einem), und auch etwas Bewegung, Stressausgleich, … schaden nicht. Ich kenne durchaus auch gute Sportler mit Diabetes.

Also munter bleiben und bloß nicht in den Teufelskreis geraten, es sei eh alles zu spät und man bräuchte daher keine Rücksicht mehr auf die Krankheit zu nehmen.

Gruß vom Wiz

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Hallo,
mein Mann ist seit Jahren Diabetiker, und ich habe mich deshalb möglichst „gebildet“!
Erst einmal: Dein Freund muß unbedingt zum Arzt ( Internist) und sich gut einstellen lassen - dies möglicherweise sogar bei einem Spitalsaufenthalt!
Dann regelmäßig messen, Tabletten nehmen oder Insulin spritzen, genau die Diät befolgen ( möglichst regelmäßige Mahlzeiten: drei größere und drei kleinere) - diesbezüglich wird er genau vom Arzt informiert und mit Diätplänen versorgt! Ja, und ganz, ganz wichtig:Bewegung, Bewegung - Sport, Sport!
Wenn er dies gewissenhaft befolgt, dann hat er keine Spätfolgen zu befürchten und sich durchaus gesund fühlen. Disziplin ist aber ganz wichtig!
Alles Gute
Annemarie

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