Hallo Neurologen,
Die Signalübertragung von Neuron, Axon, Synapse etc. hat eine gewisse Geschwindigkeit. Wie aber geschieht sowas bei einem Klaviervirtuosen? Die Fingeranschläge müssen ja in Sekundenbruchteilen erfolgen, erhalten aber vom Motorik-Zentrum zuerst den Befehl: Finger krümmen-strecken-krümmen etc. Schlimmer wird’s noch beim Spiel ab Blatt, wo doch zuerst mal das Sehzentrum aktiv ist und dann erst die Motorik.
Falls mir jemand ein besseres Brett empfehlen kann für diese Frage - vielen Dank und Gruss: hardy
Hallo!
Wo liegt das Problem?
Ein Muskel braucht nur 50 Millisekunden um anzuspannen-da passt ganz schön viel in eine Sekunde rein.
)
Die realistische Frequenz die wir aufrechterhalten können liegt allerdings nur bei ca. 8Hz bzw. 10Hz.
Vom Blatt wird ja auch früher abgelesen als gespielt-die Augen sind schon ein Stückchen weiter als das was man gerade hört.
Beantwortet das die Frage?
Tschüss
Matthias
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Hallo,
die Erregung eines Muskels selbst braucht nur wenige Bruchteile von Sekunden. Rein mechanisch reicht das, um ein Tremolo auf die Tasten zu zaubern. Deine Frage war aber wohl eher, ob das Gehirn in der Lage ist, die Erregungsfolgen so schnell zu erzeugen und zu koordinieren. Dazu gibt es zwei Antworten: Ja und Nein. Bewußt kann es das Gehirn bei weitem nicht so schnell. Unbewußt schon. Aber was heißt „unbewußt“? Das Gehrin kann Bewegungsabläufe lernen. Es legt dabei ein „Programm“ an, welches automatisch abläuft, wenn es - bewußt - aufgerufen wird. Dazu muß der Klavierspieler üben. Neben einfachen kleinen Motorik-Programmen lernt das Gehirn auch Reihenfolgen von solchen Programmen und es lernt auch, bestimmte Muster (von Noten auf einem Blatt) mit sochen Programmen zu assoziieren. Die Mustererkennung läuft beim geübten Klavierspieler weitgehend unbewußt, nur kleine Teile des Ganzen Prozesses gelangen ins Bewußtsein, aber eher zur nachträglichen Kontrolle als zur Steuerung. Die Mustererkennung (die ebenfalls im Millisekundenbereich läuft - ein Prozeß, der übrigends schon in der Netzhaut anfängt!!) stößt automatisch und direkt das entsprechende Motorikprogramm an, was gleich eine zeitlich koordinierte Folge von Erregungen an die Muskeln sendet. Da das Gehirn ja schon weiß, wie es weitergeht, muß selten das Muster in seinen Feinheiten analysiert werden. Die Mustererkennung und Analyse ist also nur sehr grob und eigentlich auch nur ein Vergleich des gesehenen mit dem erwarteten (gespeicherten) Muster. Nur, wenn der Vergleich eine Differenz aufweist, kommt der Spieler raus, weil dann erstmal eine zeitaufwändige Analyse erfolgen muß, die tatsächlich länger dauern kann, als das gerade noch aktive Motorikprogramm läuft. Das alles wird vom Kleinhirn natürlich noch moduliert. Es kann das aufgerufene Bewegungsprogramm verlangsamen oder die Erregungsstärken ändern usw. Und, wie schon gesagt, die Mustererkennung und die Ansteuerung von Bewegungsprogrammen sind parallele Vorgänge.
Gruß
Jochen
Hallo!
Wo liegt das Problem?
Ein Muskel braucht nur 50 Millisekunden um anzuspannen-da
passt ganz schön viel in eine Sekunde rein.)
Die realistische Frequenz die wir aufrechterhalten können
liegt allerdings nur bei ca. 8Hz bzw. 10Hz.Vom Blatt wird ja auch früher abgelesen als gespielt-die Augen
sind schon ein Stückchen weiter als das was man gerade hört.
Beantwortet das die Frage?
Hallo Matthias,
Ja - ist kurz und bündig - Grossdank !
Aber der Jochen hat eine ausführliche Antwort dazu. Nicht so mit dem Holzhammer. Ich nehme an,dass die Vernetzungen des Gehirns weit komplizierter sind und die Erkenntnisse der Neurologie nur eine dünne Oberfläche sind.
Gruss: hardy
Hallo!
Es ist schwer eine Anfrage wie deine zu beantworten weil man nicht
weiss was man als Grundwissen voraussetzen kann.
Es gibt auch wenig Literatur die man empfehlen kann.
Zum Thema Bewegungssteuerung gibt`s z.B. „Control of Human Voluntary
Movement“ von JC Rothwell.
Deshalb hab ich meine Antwort auch etwas kurz ausfallen lassen.
Das mit dem Holzhammer gefällt mir!
)
Tschüss
Matthias
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Hallo,
Jochen hat das hervorragend erklärt. Ich sehe das simpel wie die Organisation eines Konzerns. Der Arbeiter fragt ja auch nicht bei jedem Handgriff, den er machen soll den, Vorstandsvorsitzenden. Es gibt also eine Hirarchie, in der es wiederum Servomechanismen und adaptive Systeme gibt. Die Literatur zum Thema ist umfangreich.
Gruß Fritz
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