Hallo Tine,
Wenn die Stimme weg ist, besteht keine Halsentzündung sondern eine Kehlkopfentzündung. Wenn man damit singt, kann es im schlimmsten Fall das Ende der Singstimme sein.
Hier ein Auszug aus meinem Büchlein „Medizinischer Leitfaden für Sänger“ zum Problem:
4.5 Erkrankungen
4.5.1 Entzündungen
Die Schleimhäute von Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien können sich entzünden. Die medizinischen Bezeichnungen bilden sich aus dem anatomischen Namen mit der Endsilbe itis, und es gibt für sie außerdem umgangssprachliche Bezeichnungen, also Rhinitis (Schnupfen), Pharyngitis (Angina), Laryngitis, Tracheitis und Bronchitis (Katarrh). Die Entzündungen können akut oder chronisch auftreten. Sie sind entweder infektiös, also durch Krankheitsträger wie Viren und Bakterien übertragen, oder nichtinfektiös durch mechanische Reize oder toxische Substanzen ausgelöst.
Kehlkopfentzündungen
Ursachen
Es gibt vier Ursachen der Laryngitis: die mechanische Reizung durch Überforderung, die Entzündung durch sogenannten Reflux, die toxische Belastung durch Staub und Dämpfe und am häufigsten Infekte viraler oder bakterieller Natur. Für die Stimme kritisch ist in allen Fällen das Anschwellen der Schleimhäute der Stimmlippen. Das führt zu zwei unterschiedlichen Effekten.
· Es entgleist die Kontrolle der Stimmlippen, da die nervalen Sensoren in den Schleimhäuten gestört sind, und das nervale Steuerungssystem es plötzlich mit ungewohnt vergrößerten Massen zu tun hat.
· Die Stimmlippen und die Luftsäule im Vokaltrakt sind zwei gekoppelte Schwingsysteme. Immer das stärkere, physikalisch gesagt das weniger gedämpfte, dominiert das schwächere. Normalerweise ist der Vokaltrakt das schwächere System. Durch die Schwellung der Schleimhäute kehren sich die Verhältnisse um, und der Vokaltrakt versucht, die Stimmlippen zu dirigieren, d. h. ihnen seine Schwingfrequenz aufzuzwingen, was zu „Kiecksern“ und Quietschen führt, denn die Luft im Vokaltrakt schwingt bei höheren Frequenzen als die Stimmlippen.
Symptome
Noch bevor deutliche Krankheitszeichen wie Brennen im Hals, Beschwerden beim Schlucken, Heiserkeit spürbar werden, tritt als erstes Anzeichen einer heraufziehenden Entzündung im Hals ein Kitzeln beim Singen auf. Auch ein verlängertes Einsingen, vor allem am Morgen (es werden deutlich 30 min überschritten), weist auf eine beginnende Laryngitis hin.
Grade
Die Entzündung kann drei Schweregrade annehmen. Im harmlosesten Fall ist nur die Schleimhaut betroffen, der Arzt spricht von einer oberflächlichen Laryngitis. In der nächsten Stufe ist die Entzündung in das Gewebe zwischen Schleimhaut und Muskel eingedrungen, medizinisch wird diese Form mit interstitieller Ausbreitung beschrieben. Der schwerste Fall liegt vor, wenn der Muskel einbezogen ist.
Behandlung
Je nach Schweregrad und Art der Infektion wird unterschiedlich therapiert. Ist der Auslöser der Entzündung ein Virus, so ist ein medikamentöses Vorgehen schwierig, da Antibiotika nicht greifen und Virostatika nicht nur Nebenwirkungen zeigen, sondern auch an das Virus angepasst sein müssen und Resistenzen hervorrufen. Man kann also nur die Krankheitserscheinungen mildern. Es werden alle Mittel eingesetzt, die auch bei allen anderen Laryngitiden angewandt werden. An erster Stelle steht dabei die Stimmruhe. Gegen die Bildung von zähem Schleim, Krusten und Ödemen auf den Stimmlippen werden Medikamente durch Inhalation, Beträufeln der Stimmlippen (Instillation) oder Sprays vor Ort gebracht. Dabei enthalten die Medikamente auch viele natürliche Stoffe, wie Salbei, Thymian, ätherische Öle oder einen Wirkstoff der Rosskastanie.
Gurgeln oder Lutschen von Tabletten zeigen wenig Wirkung, da die Wirkstoffe, im Gegensatz zu supralaryngealen Entzündungen, kaum die gewünschte Stelle erreichen. Schwitzpackungen, Prießnitz-Umschläge und Glühwein sind entsprechende Hausmittel.
Die oberflächlichen bakteriellen und die Laryngitiden durch chemische Noxen und mechanische Schädigung (Überanstrengung) werden außerdem durch Wärmebehandlung, lauwarme Aerosole und Sprays, die Vitamin B6 und Antibiotika mit Oberflächenwirksamkeit enthalten, therapiert.
Bei den schwereren Formen der Entzündung erfolgt eine systemische und topische Behandlung mit Antibiotika (Tetracycline und Kortikosteroide)
Ist die Entzündung sehr leichter Natur, und entscheiden sich Arzt und Sänger für einen Auftritt, dann sind gegen den Infekt und einen begleitenden Reizhusten schwerere medikamentöse Geschosse wie Kortison in geringen Gaben gerechtfertigt, wenn nach der Aufführung mit einer ordentlichen Behandlung begonnen werden kann.
Arzt und Sänger werden immer zur Behandlung von laryngealen Entzündungsproblemen auf Medikamente und Behandlungskonzepte zurückgreifen, die sich aus ihrer Erfahrung bewährt haben.
Die chronische Kehlkopfentzündung zeigt einen wochen- oder monatelangen Verlauf und ist oft auch über Jahre immer wiederkehrend. Alle Symptome entsprechen denen der akuten Entzündung. Die Entzündung dringt meist in die Tiefe der Stimmlippen (Infiltration) und hinterlässt nach Abklingen Beläge (Borken). Es besteht die Gefahr, dass die Schleimhautveränderungen einen beginnenden tumorösen Prozess darstellen. Die Ursachen sind häufige Infekte, Rauchen, chemische Noxen, Klimaeinflüsse, Stimmmissbrauch. Die Behandlung entspricht den Maßnahmen, die bei der akuten Entzündung eingesetzt werden. Die Prognose für die Wiederherstellung einer absolut ungestörten Singstimme ist schlecht.
Gruß Fritz
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