Blutgruppen und Transfusionen

Hallo Ihr Lieben,
und wieder einmal wende ich mich mit einer Frage an Euch:
Ich habe mal im Bio-Unterricht gelernt, dass jemand mit der Blutgruppe 0 (z.B. ich) theoretisch Blut spenden könnte für alle anderen Blutgruppen, also für 0, das ist klar, aber auch für A, B und AB!
Aber wie sieht das in der Praxis aus? Wird das so gemacht, und wenn ja, wann, immer, oder nur wenn gerade Knappheit herrscht?
Da ca. 40 % der Einwohner in Europa Blutgruppe 0 haben, wäre das doch recht praktisch.

Dann noch eine Frage zum Rhesusfaktor, der muss doch auch übereinstimmen bei der Transfusion, oder?
Und was genau hat es mit dem Kell-System auf sich, im meinem Spenderausweis steht Kell positiv, aber muss das auch übereinstimmen bei der Spende?

Herzlichen Dank im Voraus und lieben Gruß!

Hi!

Ich habe mal im Bio-Unterricht gelernt, dass jemand mit der
Blutgruppe 0 (z.B. ich) theoretisch Blut spenden könnte für
alle anderen Blutgruppen, also für 0, das ist klar, aber auch
für A, B und AB!

Wenn man kleinlich sein will *g*: Jein.

Das gilt nämlich nur für sogenannte Erythrozytenkonzentrate. Denn Erythrozyten haben keine Antigene und reagieren somit nicht mit den Isoagglutininen (Anti-A und Anti-B) des Empfängers. Diese Antigene findet man aber im Blutplasma. Das heißt, würde man Vollblut-konzentrate geben statt Erythrozyten-Konzentrate würde es auch hier zu einer Reaktion kommen!

Aber vorrausgesetzt, du meinst Ery-Konzentrate, dann hast du Recht :wink:

Aber wie sieht das in der Praxis aus? Wird das so gemacht, und
wenn ja, wann, immer, oder nur wenn gerade Knappheit herrscht?
Da ca. 40 % der Einwohner in Europa Blutgruppe 0 haben, wäre
das doch recht praktisch.

In der Praxis ist das nicht so praktisch *g*
Das Problem ist, daß es generell zuwenig Konserven gibt. Würde man jedem Pat. nur 0-Konserven geben - was macht man dann mit den anderen? Außerdem gäbe es sehr schnell viel zuwenige Gruppe-0-Konserven, die dann im Notfall fehlen.

Deshalb gilt:
Nur im äußersten Notfall darf man Null-negative-Konserven geben, aber die Bestimmung der Blutgruppe sollte im Anschluß schnellstmöglich erfolgen, damit die „richtige“ Konserve gegeben werden kann, weil sonst die Null-Konserven schnell aufgebraucht sind.

Dann noch eine Frage zum Rhesusfaktor, der muss doch auch
übereinstimmen bei der Transfusion, oder?

Sollte! Im Zweifel gibt man Rh-negativ.

Ich kopiers mal rein:
„Neben dem AB0-System gibt es eine Reihe weiterer Blutgruppenmerkmale mit unterschiedlicher Bedeutung für die Bluttransfusion. Von besonderer Bedeutung ist der Rhesusfaktor. Seinen Namen hat er von Rhesusaffen, bei denen er 1940 erstmalig entdeckt wurde.Der wichtigste Rhesusfaktor ist das Rhesusmerkmal D. Menschen, die dieses Rhesusmerkmal besitzen, sind Rhesus positiv (D+). Fehlt dieses Merkmal, so bezeichnet man sie als Rhesus negativ (D-). Im Gegensatz zu den AB0-Blutgruppen enthält das Blutplasma in der Regel keine Antikörper gegen eine Rhesuseigenschaft. Durch Übertragung von Rh-positivem Blut auf Rh-negative Empfänger kann es jedoch zur Bildung von Rhesus-Antikörpern und damit bei erneuter Transfusion von Rh-positivem Blut zur Transfusionsstörung kommen. Keine Folgen hat jedoch die Übertragung von Rh negativem Blut auf Rh positive Empfänger, so dass die Ärzte es im Notfall, wenn es schnell gehen muss, einsetzen können.“

Und was genau hat es mit dem Kell-System auf sich, im meinem
Spenderausweis steht Kell positiv, aber muss das auch
übereinstimmen bei der Spende?

Es gibt sehr viele Antigene (über 200 soweit ich mich recht erinnere) und die wichtigsten davon sind der Rhesusfaktor und Kell, da sie die eher schweren Transfusionszwischenfälle verursachen können. Daher ist auch dessen Bestimmung nicht unwichtig :wink:
P.S.: Die meisten Menschen sind jedoch Kell negativ :wink:

Ach ja, hier ist noch eine Seite des Deutschen Roten Kreuzes, die alles sehr ausführlich behandelt:
http://www.drk-schwenningen.de/drkframe.htm?drkblut.htm

Gruß,
Sharon

Hi Sharon, vielen lieben Dank -> Sternchen! owt

Hi!