Hilfe! Vertikuläre Extrasystolen

Ich brauche Eure Hilfe und vielleicht hat wirklich jemand einen tollen Rat, Tipp, Hinweis oder. Also: mein Bruder ist jetzt 42 Jahre und hat seit 2 Jahren diese vertikulären Extrasystolen. Jede Untersuchung war ohne Ergebnis und immer wieder sagte man ihm, daß er halt damit leben muss. Ich habe es nie so mitbekommen, jetzt war er zwei Wochen zu Besuch bei mir. Er war teilweise ganz blass oder grau im Gesicht, weil ihm dieses Herzholpern total zu schaffen macht. Nachts stand er auf, weil er nicht einschlafen konnte. Er sagte, er würde sich so gerne entspannen, aber es sei einfach nicht möglich. Zusätzlich hat er immer ein Engegefühl im Hals. Betablocker brachten auch keine Besserung, daß er sie wieder absetzen sollte. Aber das ist doch kein Dauerzustand.
Mein Bruder fühlt sich total ausgelaugt und er sagte, daß die Ärzte einen immer so hinstellen als ob man sich das alles einbildet. Hat jemand damit Erfahrung? Ich wäre für alles total dankbar! Gruss Enni

Hallo Enni !

Das, was Sie da beschreiben, klingt sehr nach einer sogenannten
Herzneurose. Das bedeutet, daß Ihr Bruder zwar durchaus wohl
leichte Beschwerden hat, die durch eine innere psychische An-
spannung enorm verstärkt werden. Die Herzaktion unterliegt ja
dem vegetativen Nervensystem. Und dieses kann durch Anspannung
und Angst natürlich beeinflusst und regelrecht durcheinander
gebracht werden. Ventrikuläre Extrasystolen haben viele Menschen.
Diese sind, sofern sie nicht gehäuft auftreten, auch relativ
harmlos. Wenn ein Patient nun aber angespannt „in sich hinein-
horcht“ und geradezu voller Angst darauf wartet, daß das Herz
mal wieder zu stolpern anfängt, so wird schon allein diese
Anspannung dazu führen, daß das Herz schneller schlägt und dann
auch entsprechend häufiger einmal aus dem Takt kommt. Dieses wird
vom Patienten dann wieder wahrgenommen, was die Angst weiter
steigert. Letzten Endes kann sich das alles so „hochschaukeln“,
daß der Betroffene dann den Notarzt ruft, der dann eine Klinik-
einweisung veranlasst, da die Symptome denen einer „echten“
Herzerkrankung zum Verwechseln ähnlich sein können. Die Ursachen
der Herzneurose bleiben oft unklar. Zwar gibt Patienten, die diese
Angst aufgrund eines traumatischen Erlebnisses (z.B. Herzinfarkt
eines Elternteils) entwickelt haben, jedoch findet man bei vielen
Betroffenen auch keine auffällige Vorgeschichte.

Bei uns in der Klinik wird es in der Regel so gemacht, daß man den Patienten
einmal gründlich untersucht (mit Laborwerten, EKG, Langzeit-EKG,
Ultraschall des Herzens). Wird dabei nichts gefunden, prüft man ggf.
noch per Magenspiegelung, ob die Beschwerden nicht durch Sod-
brennen oder Magengeschwüre bedingt sein können. Wenn man dann
am Ende aller Untersuchungen nichts feststellt, so sollte über eine Psychotherapie zumindest nachgedacht werden, weil es dann sehr
wahrscheinlich ist, daß hinter den Beschwerden irgendwelche
(zum Teil auch unbewußte) Ängste bzw. seelische Konflikte stehen,
die man mit einer rein medikamentösen Therapie in der Regel nicht
beseitigen wird. Insgesamt ist die Behandlung so einer Herzneurose
nicht einfach und verlangt meistens viel Geduld und auch Zeit von
Arzt und Patient. Dennoch sollte beides investiert werden, da der
Leidensdruck oftmals, so wie Sie es ja auch beschrieben haben,
sehr groß ist und sich dann der Aufwand einfach lohnt. Ich wünsche
Ihnen und vor allem Ihrem Bruder jedenfalls alles Gute dafür.

Gruß Kai

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Hi!

Zusätzlich zu Kai’s gutem Artikel:

Ich hatte/hab auch ventr. Extrasystolen. Und die sind beim Herzgesunden normal. Sind diese denn bei deinem Bruder auch von Kardiologen (und nicht nur vom Hausarzt) abgeklärt worden? Wenn ja, dann könnte Kai Recht haben, ansonsten zum Herzprofi gehen :wink:

Ach ja, vielleicht ein kleiner Tipp:
bei mir war das Liegen in der schlimmsten Phase praktisch unmöglich, also auch schlafen (ich sah in der Woche auch ganz schrecklich aus *g*). Neben den Betablockern hat mir in der Zeit das aufrechte Schlafen in Sitzposition geholfen - mittlerweile ists seeeehr viel besser geworden :wink:

Ansonsten kann ich nur zu Streßbewältigungsmaßnahmen raten, auch Entspannungstechniken oder autogenes Training. Eventuell sind auch Präparate wie Baldrian oder Johanneskraut hilfreich. Wenn alles nichts hilft, würde ich den Gang zum Psychosomatiker oder auch Psychologen/Psychotherapeuten empfehlen.
Zusätzlich oder anschließend eventuell zu einem guten (!) Heilpraktiker/Homöopathen gehen.

Gruß,
Sharon

Danke für die beiden „Berichte“. Eigentlich haben sie mir das bestätigt, was ich auch denke. Es sind die Nerven…allerdings stehen jetzt noch einige andere Untersuchungen aus. Eine klare Diagnose wäre natürlich einfacher. Nochmals DANKE. Gruss Enni