kann mir jemand den totalen Widerspruch der gleichzeitigen Verabreichung von Neuroleptika und Akineton erklären?
Die meisten Neuroleptika blockieren den D2-Rezeptor. Akineton bindet auch an den D2-Rezeptor, aber aktivieren ihn.
Im übertragenen Sinne würde das beim Autofahren bedeuten, daß man die Bremse anzieht und gleichzeitig Gas gibt. Irgendwie nicht sinnoll. Wäre es nicht sinnvoller, bei Nebenwirkungen die Dosis der Neuroleptika zu reduzieren?
Machen sich Psychiater über solche Widersprüche überhaupt Gedanken, oder ist es Psychiatern egal, weil sich diese Vorgehensweise, aus ihrer Sicht bewährt hat?
Ich kann dir jetzt den genauen pharmakologischen Zusammenhang auch nicht erklären, aber :
Es ist sicher alles andere als glücklich, wenn ein Patient Nebenwirkungen unter sog „typischen“ Neuroleptika hat. Diese mit Akineton auszugleichen, sollte aus meiner persönlichen Sicht auf den „Notfall“ beschränkt sein, also keinesfalls eine Dauerlösung. Dosisreduktion des Neuroleptikums wäre sicher die erste Wahl, leider brauchen aber einige Patienten eine entsprechende Dosis, um einen antipsychotischen Effekt zu haben.
Akineton ist nicht nur wegen der gegensätzlichen Wirkung (d.h. Aufheben des erwünschten antipsychotischen Effektes) problematisch, sondern hat auch ein nicht unerhebliches Missbrauchspotential. Ich kenne einige Patienten, die regelrecht „akineton-süchtig“ waren.
Neuere sog atypische Neuroleptika sind in aller Regel (nicht zwingend) nebenwirkungsärmer, so dass man auf Akineton gut und gerne verzichten kann. Allerdings sind diese weit teurer und eben wieder auch nicht für alle Patienten geeignet. Über die Vor- und Nachteile kann man trefflich streiten.
In den Kliniken, in denen ich gearbeitet habe, gehört Akineton (meist retard) sicher nicht zu den beliebten Mitteln. Aber es ist halt auch nicht ganz zu ersetzten. Höchstens halt gezielt und begrenzt einzusetzen.
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kann mir jemand den totalen Widerspruch der gleichzeitigen
Verabreichung von Neuroleptika und Akineton erklären?
Die meisten Neuroleptika blockieren den D2-Rezeptor. Akineton
bindet auch an den D2-Rezeptor, aber aktivieren ihn.
Im übertragenen Sinne würde das beim Autofahren bedeuten, daß
man die Bremse anzieht und gleichzeitig Gas gibt. Irgendwie
nicht sinnoll. Wäre es nicht sinnvoller, bei Nebenwirkungen
die Dosis der Neuroleptika zu reduzieren?
Machen sich Psychiater über solche Widersprüche überhaupt
Gedanken, oder ist es Psychiatern egal, weil sich diese
Vorgehensweise, aus ihrer Sicht bewährt hat?
beim „einschleichen“ in der akutpsychiatrie, wenn im betroffener-psychiater-nahkampf das intramuskuläre depotpräparat manchmal die einzige form der kommunikation ist, ist das kopieren von überdosierungen per akineton ein winziger hinweis auf die kompromissbereitschaft des nichtbondagierten. ansonsten ist es in erster linie zeichen der sprach- und damit hilflosigkeit beider. dessen, der sich per neuroleptika wegbeamen lässt, und dessen, der offensichtlich schon gerichtsmedizinische erfahrungen mit prozessgegnern nach neuroleptikaüberdosierung machen musste. von denen gibt es unter den jährlich 600 000 psychiatrisierten aber nur wenige. denn kostendämpfung war ja auch oft der hauptgrund für die jeweilige einweisung.
ob die kompromissbereitschaft der nächsten generation, also der dann iatrogen schizophrenen - sorry spina bifida gehandicappten - dann genauso selbstverständlich vorauszusetzen ist wie bei den dann wahrscheinlich schon verblichenen vorfahren, bleibt abzuwarten. ritalin ist ja eine verbreitete form der frühkonditionierung für das, was mal ein ausgedehnter parkinson nach pränatalem aufmerksamkeitsdefizit-syndrom werden soll. mit anfang zwanzig senkt er die lebenserwartung natürlich drastisch, polarisiert miteinander also noch stärker als arm und reich. das macht bitter. bis zum terror. eine zeitbombe, gegen die der gegenwärtige taliban-neuewelt-clinch noch harmlos ist.
solange insektizidähnliche präparate das miteinander psychosozial gesunden sollender prägen, wirst du auch auf abschwächendes wie akineton nie ganz verzichten können. wer kann schon das maskengesicht und die pillendreherei bei dem von ihm deprimierten länger ertragen, nur weil er einen so liquiden anzeigenkunden wie den carbamazepin-„großhändler“ merck nicht verlieren will?
da gönnst du dir doch einen akineton-getriggerten lichtblick
kann mir jemand den totalen Widerspruch der gleichzeitigen
Verabreichung von Neuroleptika und Akineton erklären?
ich sehe den von Dir behaupteten Widerspruch nicht, denn …
Die meisten Neuroleptika blockieren den D2-Rezeptor. Akineton
bindet auch an den D2-Rezeptor, aber aktivieren ihn.
… Akineton ist ein Anticholinergikum, das an die muskarinergen Acetylcholin-Rezeptoren bindet und nicht an Dopamin-Rezeptoren.
Bei M. Parkinson überwiegt das cholinerge System, weil das dopaminerge System aufgrund der Degeneration der Substantia nigra geschwächt ist. Mit dem Einsatz von Akineton wird die überhöhte Aktivität des cholinergen Systems heruntergefahren. Dies kann auch in Fällen von parkinson-ähnlichen Symptomen aufgrund einer Neuroleptika-Therapie geschehen. Die Wirkung wird dabei eben nicht über das Dopamin-System erzielt wie durch die Neuroleptika, sondern man justiert den Transmitterhaushalt über einen anderen Hebel.
du hast Recht. In konnte inzwischen in einem dicken klugen Buch nachschauen, in dem es genauso beschrieben ist, wie Du es gesagt hast. Ich bin einer Desinformation erlegen.
Trotzdem finde ich es verrückt, unerwünschte Wirkungen eines Medikamentes mit einem anderen Medikament zu unterdrücken, das selbst wieder erhebliche Nebenwirkungen hat.
Für mich hört sich das an, als ob man den Teufel mit dem Beelzebub austreibt.
Trotzdem finde ich es verrückt, unerwünschte Wirkungen eines
Medikamentes mit einem anderen Medikament zu unterdrücken, das
selbst wieder erhebliche Nebenwirkungen hat.
Die Dinge sind leider oft komplizierter, als man es gerne möchte.