Grund für Kaiserschnitt-Tendenz

Hi, Medici.

Gestern gab es bei uns eine kleine Diskussion zum Thema ‚Kaiserschnitt‘-Geburten. Es ging um die Kaiserschnitte, die aus medizinischer Sicht nicht nötig wären.
Da gab es vor längerem die Meldung, dass z.B. in den USA die Geburten per Kaiserschnitt (ohne medizinische Indikation!) immer mehr zunehmen.
Wir diskutierten den Grund für die Zunahme.
Es gab folgende diskutierte Gründe:

Die Ärzte bevorzugen KS, weil es einfacher (?) ist, und weil es eine terminlich planbare Geburt ist
Die Frauen bevorzugen KS, weil es schneller und schmerzfreier ist
Die Frauen bevorzugen KS, weil sie damit verhindern wollen, dass sie ‚ausleiern‘, was (ihrer Ansicht nach bzw. der Ansicht deren Männer (?)) beim Sex von Nachteil wäre

Was wird wohl der wahre Grund sein?

Danke für konstruktive Antworten
Markuss

hi marcuss,

gleich vorweg: ich habe keine wirkliche ahnung davon. ich habe aber eindrücke.

mir kommt es so vor, als ob die kinder immer schwerer werden. beispiel: von uns 6 kindern war ich mit 8 pfund der schwerste brocken. die drei kinder meines ältesten bruders fingen mit 8,5 pfund erst an.

es kommt mir weiterhin so vor, als ob in meinem umfeld die zahl der kaiserschnittgeburten größer ist als die der natürlichen geburten. dabei trifft das argument mit dem „ausleiern“ auf keine der frauen zu. da wurde eigentlich durchgängig auf natürliche geburt gesetzt und erst im letzten moment auf den kaiserschnitt ausgewichen, weil das kindchen wohl zu groß war.

ich habe mal vor einiger zeit eine hypothese aus diesen beobachtungen aufgestellt:
die babies der menschen entwickeln im laufe ihrer evolutionsgeschichte immer größere köpfe, die eine geburt erschweren bis (später einmal) unmöglich machen ohne technische unterstützung (kaiserschnitt). eigentlich müssten die menschen langfristig aussterben, wenn es die technik nicht gäbe, da sie ihren eigenen nachwuchs nicht mehr zur welt bringen können.
gewagte these, aber vielleicht ist ja was dran…

grüße
burkhard

hi markuss,

eine these besagt, daß die häufigkeit von kaiserschnitten mit der anzahl niedergelassener gynäkologen steigt.

eine andere vermutung, die oft seitens der hebammen geäußert wird, stützt diese these und begründet sie darin, daß der natürliche geburtsvorgang dadurch in den krankheitstatus (sicherlich auch abrechnungstechnisch) gehoben werden soll.

alles klar?

gruß
ann

PS: frauen „leiern“ nicht aus!

Die Ärzte bevorzugen KS, weil es einfacher (?) ist, und
weil es eine terminlich planbare Geburt ist

Hi Markuss
Die These 1 enthält meiner Ansicht nach eine Wahrheit, allerdings/möglicherweise ist aber die Verknüpfung mit der anderen Aussage falsch.
Will sagen: Richtig ist: Weil es eine terminlich planbare Geburt ist, ABER nicht weil die Ärzte das so toll finden, sonern weil die (insbesondere amerikanischen) Frauen das so toll finden!
Ich persönlich kenne keinen ärztlichen Kollegen, der Kaiserschnitt ins Auge faßt oder empfielt, wenn es nicht notwendig oder sinnvoll erscheint. Hier dürfte es sich (einmal mehr) um eine PROJEKTION auf die (armen) Ärzte handeln.
Gruss, Branden

Hallo Markuss,

meine Erfahrungen aus dem Umfeld sind, dass die Frauen es angenehmer (schmerzfreier) finden. Kenne einige Fälle, in denen es so war. Ich persönlich find’s irgendwie bescheuert und würd die Variante nicht freiwillig wählen… Dass Ärzte dies befürworten, weil es für sie angenehmer ist, widerlegt, dass die Frauen, die ich kenne, alle Not hatten, einen Arzt zu finden, der einen Wunsch-kaiserschnitt vornimmt…

Gerry

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Schwachsinn
Hi!

Mir ist es absolut unbegreiflich, warum Frauen einen Wunsch-Kaiserschnitt bevorzugen können! Die Tendenz geht allgemein immer stärker in den Bereich „möglichst natürlich“ etc, aber wenn es um die Geburt geht, dann wird plötzlich das „künstliche“ hochgelobt…?!?

Irgendwie Blödsinn hoch drei…

Gegenargumente gegen den Wunschkaiserschnitt kann ich en mass anführen, als wichtigstes vielleicht eine relativ neue Erkenntnis:

Sobald ein gewisser Reifestatus des Fetus erreicht ist, fängt der an, einen Stoff zu produzieren, der für die Lungenfunktion absolut notwendig ist, den sog. Surfactant. Mit zunehmender Reife steigt die Surfactantproduktion. Ist davon irgendwann genug da, werden durch diesen Stoff, der auch in den mütterlichen Kreislauf gelangt, Prozesse angeregt, die zur Vorbereitung auf die Geburt führen (Wehentätigkeit etc.).
Oder lapidar ausgedrückt: Das Kind bestimmt (durch diesen Stoff), wann es auf die Welt kommen möchte bzw. kann.

Denn erst durch eine genügend hohe Zahl des Surfactant ist das Kind in der Lage, beim ersten Atemzug seine Lunge zu entfalten und eigenständig zu atmen.
Frühchen bespielsweise haben zu wenig oder kein Surfactant und müssen daher fast immer beatmet werden.

Nun, mit einem Kaiserschnitt zu einem von der Mutter gewünschten Termin tut man dem Kind leider nichts gutes (geht zwar meistens gut, aber (Wunsch-)Kaiserschnitt-Kinder haben häufig Probleme mit der Lunge)!

Die Lungenreifung kann man natürlich beschleunigen, damit genügend Surfactant zum Wunschtermin vorhanden ist, aber womit macht man das? Antwort: man gibt der SChwangeren Cortison…

Soviel zur Natürlichkeit…

Die Ärzte bevorzugen KS, weil es einfacher (?) ist, und
weil es eine terminlich planbare Geburt ist

Nein, sicher nicht. Allerding wird oft sehr schnell aus einer natürlichen Geburt ein Kaiserschnitt, sobald sich auch nur das geringste Problem einstellt.
Klingt zwar eigentlich ganz gut (ist es auch meist), aber wenn z.b. das Kind „falsch herum“ im Mutterleib liegt, kann man es meines Erachtens nach ZUERST mit manuellen Manövern zur Drehung des Kindes versuchen, bevor man eine Sectio (Kaiserschnitt) macht…
BTW: klappt es mit der natürlichen Geburt nicht, wird eine Not-Sectio gemacht und die geht eigentlich recht flott - innerhalb von Minuten.

Natürlich gehören solche Manöver und ähnliches nur in erfahrene Hände (die älteren Gynäkologen haben das noch gelernt und können es recht gut)!
Muß man halt der Frau überlassen, welches Risiko sie lieber eingehen möchte: die Sectio mit ihren Komplikationen oder die konventionellen Methoden mit ihren Komplikationen. Und es ist natürlich auch davon abhängig, was der jeweilige Arzt besser beherrscht.
Kommt also auf den individuellen Fall an.

Die Frauen bevorzugen KS, weil es schneller und
schmerzfreier ist

Schneller vielleicht. Weniger Schmerzen hat man nur währenddessen, aber hinterher geht es den Frauen mit den natürlichen Geburten wesentlich besser und sie werden auch wesentlich schneller wieder fit!
Somit ist das ein schlechter Tausch!

Die Frauen bevorzugen KS, weil sie damit verhindern
wollen, dass sie ‚ausleiern‘, was (ihrer Ansicht nach bzw. der
Ansicht deren Männer (?)) beim Sex von Nachteil wäre

Da leiert nichts aus. Ich hab jedenfalls noch keine Frau gesehen, die eine Vagina von der Breite einer Wassermelone hatte! *g*

Es kann zwar eine Schwäche resultieren, doch die kann man mit Beckenbodengymnastik schnell wieder auf Trab bringen - eine Narbe bleibt jedoch für immer und wenn sie noch so gut gemacht ist…

Gruß,
Sharon

Hi,

Wir diskutierten den Grund für die Zunahme.

IMHO steht es den Frauen in einigen Ländern entweder offiziell oder inoffiziell zur Auswahl frei über einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Wenn ich mich nicht täusche z.B. in Österreich.
Wenn dem so sein sollte, wäre das auch ein Indiz für die Zunahme.

In wie weit sich das Vaginalgewebe vollständig in den vorgeburtlichen Zustand zurückbildet kann ich nicht sagen. Aber alleine die Angst vor Veränderungen, gleich ob medizinisch haltbar oder nicht, könnte sicher auch ein Grund für die Zunahme sein.

Viele Grüße,
J~

Lungenreifung nach 35. SSW???
Hi Sharon!

Ist das der neueste Schrei, die Lungenreifungsprophylaxe noch nach der 35. SSw durchzuführen? Kommt mir komisch/neu vor. Es wird ja wohl niemand seinen Wunschtermin für den Kaiserschnitt so legen, daß man ein Frühchen holt…

Gruß
Peter

Hi!

Ist das der neueste Schrei, die Lungenreifungsprophylaxe noch
nach der 35. SSw durchzuführen?

Es ist natürlich nicht Standard :wink:
kann aber schon mal nötig werden, laut Literatur wenn Risikofaktoren bestehen (Infektionen, diabetische Mütter, Thyroxinmangel, hypoxische oder azidotische Zustände etc.) und eine L/S-Ratio (=Lecithin-Sphingomyelin-Ratio -> Grad der Lungenreife) von weniger als 2 besteht.

Daneben weisen bis zu 5% aller Neugeborenen einen Surfactantmangel auf. Ist also auch ohne beeinflussende Faktoren relativ häufig. Zum Vergleich: 60-80% der Frühchen um die 30. SW haben Surfactantmangel.
Außerdem ist unter einer Sectio ja stets mit einem gewissen Verlust von Surfactant zu rechnen, da ja das Wasser auf diesem Wege nciht aus der Lunge gepreßt wird und Wasser zerstört bekanntermaßen Surfactant. War vorher schon ausreichend vorhanden, dann macht der Verlust nicht viel aus, aber ansonsten entwickelt sich ein sekundärer Surfactantmangel.

Üblicherweise wartet man aber soweit mir bekannt ist ab und ersetzt Surfactant nach der Geburt im Bedarfsfall künstlich. Mir sind zwar jetzt 2 Fälle untergekommen, bei denen man schon vorher Cortison gab zur Lungenreifung bei Wunschsectio, aber warum genau hab ich leider nicht gefragt… :-/

Meines Wissens nach gehört das also nach der 35.-37. Woche nicht zum Standard, kann aber in Einzel-/Ausnahmefällen durchaus nötig sein.

Es wird ja wohl niemand seinen Wunschtermin für den Kaiserschnitt
so legen, daß man ein Frühchen holt…

Oooch, wenn man bedenkt, was sonst noch so für kuriose Meinungen unter der Bevölkerung kreisen…wer weiß… *g*

Gruß,
Sharon

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Moin,

Sektio bringt mehr Kohle. Arme Priovatpatientinnen.

Chris

Aha…
Sehr gut aufgepaßt, Sharon! *lob* :wink:

Hallo!

Ohne genaue Daten kann man keine klare Aussage machen.
„Gemeldet“ wird viel-wenn`s nur auch wirklich stimmen würde. :wink:

OP Raten sind in den USA (zumindest im Bereich der Wirbelsäule)
manchmal 10fach häufiger als in Europa.
Auch sind die Kosten pro Versichertem doppelt so hoch wie in
Deutschland.

Unabhängig davon gibt es im medizinischen Bereich wie fast überall
Modeerscheinungen die von Jahr zu Jahr wechseln. Vielleicht ist
Kaiserschnitt eben gerade „In“. Da braucht es dann auch keinen
weiteren Grund. Mode ist Mode.

Tschüss

Matthias

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi, Medici.

Hallo Markuss,

Gestern gab es bei uns eine kleine Diskussion zum Thema
‚Kaiserschnitt‘-Geburten. Es ging um die Kaiserschnitte, die
aus medizinischer Sicht

also aus gynäkologischer Sicht…

nicht nötig wären.
Da gab es vor längerem die Meldung, dass z.B. in den USA die
Geburten per Kaiserschnitt (ohne medizinische Indikation!)

Also ohne gynäkologische Indikation…
Die Amerikanische kenne ich nicht, aber die Deutsche. Und diese variiert von Haus zu Haus.

immer mehr zunehmen.

Das ist nach meinen vorliegenden Zahlen auch die Realität.

Wir diskutierten den Grund für die Zunahme.

Die (statistische) Zunahme kann ich nur bestätigen, und der Grund ergibt sich natürlich auch aus dem zunehmenden „Wunschverhalten“ der Graviden (Schwangeren).

Es gab folgende diskutierte Gründe:

Die Ärzte

Manche! O.K.? :wink:

bevorzugen KS, weil es einfacher (?) ist,

Wenn die Sektio einigermaßen komplikationslos verlaufen ist, weiß man nicht, ob die „normale“ Geburt nicht auch komplikationslos und „normal“ verlaufen wäre. Beide Methoden bergen Risiken in sich und bringen die Selben mit sich.

Das ist natürlich im Nachhinein nicht mehr zu beurteilen…

Sorry, wollte ich damit sagen…

und weil es eine terminlich planbare Geburt ist

Ja, Du hast recht, das ist manchmal ein Grund.

Die Frauen bevorzugen KS, weil es schneller

Auch dieses ist im Nachhinein schlecht zu beurteilen, gemessen daran, wann Du di eStoppuhr bei einer natürlichen Entbindung (z.B. Öffnung des Muttermundes) drückst.

und schmerzfreier ist

Diesbezüglich kann man sagen, dass die bei einer Sektio notwendige Durchtrennnung des Peritonäums (Bauchfells) schmerzhaft ist. Es ist müßig darüber zu diskutieren welche Schmerzen als weniger intensiv oder lästig empfunden werden; die Schmerzen bei der Geburt, oder die postoperativen Schmerzen nach einem Kaiserschnitt.

Die Frauen bevorzugen KS, weil sie damit verhindern
wollen, dass sie ‚ausleiern‘, was (ihrer Ansicht nach bzw. der
Ansicht deren Männer (?)) beim Sex von Nachteil wäre

Also, u.a. auf drändgen der Männer?
Ja, auch das ist nach meiner Erkenntnis, leider, aber glücklicher Weise seltener ein Grund und somit die Indikation eines KS.

Was wird wohl der wahre Grund sein?

Was Du vermutest und diskutiert hast, ist meiner Einschätzung und interner Statistik nach, Fakt. Nicht zu vergessen ein weiterer Faktor, der hier noch nicht angesprochen wurde: Die horrende Summe, die ein Gynäkologe/Geburtshelfer für seine Versicherung bezahlen muß!
Man könnte fast sagen, dass proportional zur steigenden Höhe der Versicherung, die Bereitschaft zur normalen Geburt und der damit verbundenen unkalkulierbareren Risiken respektiv einer Sektio, abnimmt.
Das liegt einfach daran, dass bei einer normalen Geburt mit mehr unkalkulierbaren Faktoren umgegangen werden muß, als bei einer Sektio, die, wenn man es eimal banal formuliert, nicht viel anders abläuft, als eine x-beliebige andere Operation.
Eine „normale“ Entbindung ist einfach mit mehr Unwägbarkeiten behaftet!

Danke für konstruktive Antworten

Ich hoffe, es war eine solche!

Markuss

Rollifern

Hallo Ann.

eine these besagt, daß die häufigkeit von kaiserschnitten mit
der anzahl niedergelassener gynäkologen steigt.

eine andere vermutung, die oft seitens der hebammen geäußert
wird, stützt diese these und begründet sie darin, daß der
natürliche geburtsvorgang dadurch in den krankheitstatus
(sicherlich auch abrechnungstechnisch) gehoben werden soll.

Also wenn das der Grund ist, finde ich das traurig und verrückt. *kopfschüttel*

PS: frauen „leiern“ nicht aus!

Wie meinst du das jetzt?
Stößt du dich an dem Wort ‚ausleiern‘ (Dieses Wort hatte übrigens eine Frau in die Diskussion gebracht!), oder meinst du das inhaltlich?

Gruß
Markuss

Stößt du dich an dem Wort ‚ausleiern‘ (Dieses Wort hatte
übrigens eine Frau in die Diskussion gebracht!)

nun ja, der vergleich an eine alte gummimatte drängt sich da schon auf :wink:

oder meinst
du das inhaltlich?

aber ich meinte es eher physisch.

gruß
ann

Stößt du dich an dem Wort ‚ausleiern‘ (Dieses Wort hatte
übrigens eine Frau in die Diskussion gebracht!)

nun ja, der vergleich an eine alte gummimatte drängt sich da
schon auf :wink:

Gummimatte? *prust*
Ich war schon überrascht über das Wort ‚ausleiern‘. Ich hatte es nicht eingebracht, sondern wie gesagt eine Frau. Andererseits, welches Wort beschreibt den Sachverhalt besser?

oder meinst
du das inhaltlich?

aber ich meinte es eher physisch.

Ja? Ist das so? Ich dachte, Nullipara wären enger als Multipara…?
Hab ich mir das nur eingebildet?

Gruß
Markuss