Psychotische Familie

hallole,

seit langem beschäftigt mich eine Frage, wie ein Psychiater(Psychologe)
über einen solchen Fall, den ich hier beschreiben will, denken würde.

Also:

Familie mit vier Kindern. Alle Kinder hatten eine psychische Krankheit. Der Älteste hatte eine Angstneurose (mit 35 Jahren) und verhält sich seit 18 Jahren soziophob.
Das zweitälteste Kind (weiblich) ist debil(Entwicklungsstand einer 10-Jährigen)und hat im Alter von 17 Jahren eine Psychose bekommen. Seit dem hat sie immer wieder mal (fast jährlich) einen psychotischen Schub. Sie ist auch die erste die psychisch krank wurde. Das drittälteste Kind (weiblich) wurde das erstemal mit 24 Jahren
psychotisch und bekommt seit dem ca. alle 3 Jahre einen psychotischen Schub. Der Jüngste wurde mit 28 Jahren das erste mal psychotisch und ist vor einem Jahr wieder psychotisch geworden (2 Jahre nach erster Psychose).
Die Eltern hatten bisher keine psychische Krankheit.
Im nahen Verwandtenkreis (Großeltern,Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen) sind keine psychischen Krankheiten bekannt.

Mich würde interessieren, ob man aus ärtzlicher Sicht präventive Maßnahmen hätte ergreifen können, damit nicht jedes Kind hätte psychisch Krank werden müssen.

Vielen Dank im voraus.

Grüssle Achim

Hi,

als Nichtpsychiater würde ich in so einem Fall an eine mögliche rezessiv vererbte Erbkrankheit denken. Wenn beide Elternteile Träger des betreffenden Merkmals sind, sind sie völlig gesund, in der Vergangenheit kann das Problem durch eine Mutation aufgetreten, oder durch eine Erblinie hineingekommen sein, an die Du momentan nicht denkst. Erst wenn beide „krankmachenden“ gene zusammen kommen, bricht sie dann auch aus.
Mit Ausnahme von Inzucht kommen ja immer genetisch unterschiedliche Partner zusammen, so dass sich solche Gene ggf. viele Generationen unentdeckt weiter vererben.
Besser gesagt, jeder Mensch ist Träger zahlreicher solcher Defekte.

Da die Psychosen sich offensichtlich erst nach der Geburt aller 4 Kinder gehäuft haben, hätte man präventiv nicht viel machen können, da die Familie ja keine Risikogruppe war. Wenn dieser Risikofaktor vor bzw. in der Frühphase der Schwangerschaft bekannt ist, und sich als Ursache eine bekannte genetische Abweichung herausstellt, kann man auf weitere Kinder verzichten bzw. frühzeitig durch Untersuchungen feststellen, ob der Fötus beide defekte Gene abbekommen hat und dann ggf. eine Abtreibung machen. Die Chancen stehen in so einem Fall 25% beide Gene abzubekommen und zu erkranken, 50% dass man nur ein Gen hat und es nur trägt weiter vererbt, aber nicht zum Ausbruch kommt und 50% dass man gar keines ererbt.

Manche Erbkrankheiten lassen sich durch bestimmte Ernährung (bei Stoffwechselerkrankungen, die zu psychischen Folgeschäden führen) oder Medikamente zumindest unterdrücken/mildern.

A.

Hi Andreas,

vielen Dank für deine Antwort.
Ich entnehme deiner Antwort, dass man keine präventiven Massnahmen
hätte ergreifen können.

Gruss Achim

Jein, aber die Vergangenheit ist vergangen… Hätte man früher mehr
gewusst, hätte man vielleicht was tun können. Vielleicht auch nicht.

Psychosen sind wie andere psychische Erkrankungen meist auf einen
angeborenen Anteil (=Veranlagung oder Vulnerabilität) und psycho-
soziale Faktoren zurück zu führen. Diese stehen in einer engen
Wechselwirkung.

Bei Psychosen wird der genetische Einfluss unterschiedliche gesehen,
aber es besteht eben ein Risiko (auch wenn die Eltern keine Psychose
haben). Andererseits haben nicht alle Kinder von Eltern mit einer
Schizophrenie oder anderen chronischen Psychose ebenfalls eine
entsprechende Symptomatik.

Du deutest an, dass zumindest bei einem Kind eine Minderbegabung
besteht. Da ist das Risiko für eine Psychose eben auch erhöht.

Präventiv hätte man die Familie unterstützen und über Struktur bzw.
Aufklärung und ggf. Familientherapie ein möglichst günstiges Setting
herstellen können. Man diskutiert z.B. ob ein übermässiges
emotionales Verhalten der Eltern einen ungünstigen Einfluss haben,
oder zuviel Stress oder Spannungen.

Ob dadurch aber eine Psychose verhindert werden könnte, bezweifele
ich dann doch.

Martin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi,

man hätte ggf,. theoretisch schon gekonnt aber nicht in der Praxis . Eine pränatale Diagnostik auf alle Krankheiten bei allen Menschen ist nun mal nicht machbar, sondern muss sich beschränken

  • auf häufige und besonders schwere „Volkskrankheiten“
  • Risikogruppen
  • Krankheiten, bei denen auch eine erfolgreiche Therapie möglich ist.
    Bei einer Psychose unbekannter Ursache und Entstehung ist das nun kaum möglich.

Es stehen ja auch ethische Fragen dahinter. Z.B. wie entscheidet sich eine Schwangere, wenn der Arzt feststellen würde, dass das Kind zu 10% Wahrscheinlichkeit eine Psychose bekommen wird ?

A.

!!!danke!!!
Gruss Achim