Hi Leidensgenosse
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Ich habe es auch. Auf beiden Ohren, morgens leiser, abends lauter! Meine HNO-Ärztin hat es damals auch mit Infusionen probiert, hat aber nichts geholfen! Dass die Ursache in einer Durchblutungsstörung des Innenohrs liegt, ist auch nur eine Vermutung. Diese wird daraus abgeleitet, dass durchblutungsfördernde Medikamente angeblich helfen.
Ich habe lange im Internet rumgesucht und habe viel mit Leidensgenossen in aller Welt rumgemailt. Dabei habe ich folgendes rausgefunden. Ich bin allerdings kein Mediziner, sondern nur ein Physiker, der 1 und 1 zusammengezählt hat:
(1) Durchblutungsfördernde Medikamente wirken weitaus weniger, als bisher angenommen!
(2) Die Selbstheilungsquote liegt bei über 50%, was extrem hoch ist, und zwar unabhängig davon, ob der Tinitus akut oder chronisch ist! Manchmal wird dieses Von-alleine-Weggehen fälschlicherweise auf die durchblutungsfördernden Medikamente zurückgeführt!
(3) Eine Therapie, die bei akutem Tinitus (kürzer als 3 Monate) die Heilungsquote auf fast 75% hochjagt, ist die hyperbare Sauerstofftherapie. Sie wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Du solltest aber bei deinem akuten Tinitus unbedingt mit deinem Arzt darüber reden!
(4) Etwa 10% aller Deutschen leiden unter Tinitus, in anderen Industrieländern sieht es ähnlich aus.
(5) In den letzten Jahren hat Tinitus stark zugenommen. Einige Studien führen dies mit beeindruckenden Zahlen auf den künstlichen Süßstoff „Aspartam“ zurück. Es gibt anscheinend eine Art Aspartam-Allergie, die sich in Tinnitus äußert. (Als ich das gelesen hatte, habe ich Cola light weggelassen, wovon ich früher 2 Liter am Tag getrunken habe, und tatsächlich ist mein Tinitus jetzt deutlich leiser!)
(6) Tinitus kann auch ernsthafte Ursachen haben, meistens, wenn er nur an einem Ohr auftritt. Normalerweise führt ein HNO-Arzt eine kleine Hirnstrommessung (BERA) durch, um festzustellen, ob es irgendwelche Anzeichen von schlimmen Erkrankungen gibt (etwa Verkalkung der Gehörknöchelchen oder ein kleiner Tumor zwischen Innenohr und Gehirn, der aber gutartig ist, sehr langsam wächst und in einer schwierigen Operation sicher entfernt werden kann!) Gegebenenfalls wird dann die „Störung“ in einer Kernspin-Tomographie näher untersucht (CT ist heute nicht mehr zeitgemäß!).
(7) Tinitus kann auch durch eine Belüftungsstörung des Ohres verursacht werden. So ist es bei mir. Im Winter habe ich deutlich weniger Probleme als im Sommer zur Allergiezeit! Ich behandle meinen Tinitus im Sommer daher sehr wirksam (im Sinne eine Reduzierung der Lautstärke) mit Allergiemitteln (Nasonex).
(8) Die Lautstärke des Tinitus liegt zwischen 7 und 15 dB. Zum Vergleich, das Blätterrauchen von Bäumen liegt bei etwa 20 dB. Tagsüber wird der Tinitus daher normalerweise von normalen Umweltgeräuschen maskiert (überdeckt)!
Und zum Abschluss noch 2 Bemerkungen:
(9) Auch Taube können unter Tinitus leiden!
(10) Van Gogh hat sich wegen Tinitus ein Ohr abgeschnitten!
Was kannst du jetzt konkret tun, um deinen Tinitus zu bekämpfen?
Zum einen solltest du eine hyperbare Sauerstofftherapie versuchen. Das scheint von medizinischer Seite das einzige zu sein, was wirklich nachgewiesen hilft!
Gerade Tinitus-Neulinge, so wie du, leiden sehr unter den neuen Lebensumständen. Sie halten sich die Ohren zu, um zu testen, ob das Geräusch noch da ist, sie liegen abends im Bett und „suchen“ das Piepsen regelrecht… So hab’ ich das früher auch gemacht. Allerdings funktioniert unser Hören nach der Regel: Hinhören macht lauter, Weghören macht leiser. Du kennst das bestimmt, wenn du dich in einer Gruppe von Menschen auf einen bestimmten konzentrierst, dann kannst du ihn sehr gut hören, die anderen dagegen gehen in einem Gemurmel unter!
Viele von denen, mit denen ich Mails geschrieben haben, und ich selber auch, kommen mit der „Ignorier-Methode“ sehr gut klar. Wir haben akzeptiert, dass uns der Tinitus den Rest unseres Lebens begleiten wird und hören einfach nicht mehr hin! Ich z.B. habe im Schlafzimmer ein kleines Wasserspiel stehen (eine Art Springbrunnen), die Geräusche reichen schon aus, dass ich im Bett nicht anfange, in mich rein zu hören. Einige Leidensgenossen schlafen auch mit Walkman ein…
Vielleicht schaffst du es ja, deinen noch akuten Tinitus wieder loszuwerden. Wenn nicht, nimms locker, in Deutschland haben 8 Millionen Menschen das gleiche Probleme wie du …
Viel Glück
Stefan.