Hallo Balthasar,
Du hast damit natürlich recht, einen Tag pro Woche zu fasten ist unproblematisch. Ich möchte auf Deine Ausgangsfrage zurückkommen: kann man bei 40 Stunden Nahrungskarenz von Fasten sprechen?
Rein dem Wortsinn nach natürlich. Von der Physiologie her wird es aber erst nach einigen Tagen „interessant“.
In den ersten Tagen (1 - 3 Tage) verbraucht der Körper vor allem das Glykogen, eine stärkeähnliche Kohlehydrat-Speicherform („tierische Stärke“). Das Glykogen ist vor allem in der Leber gespeichert. Erst dann gewinnt der Körper seine benötigte Energie aus dem Körperfett, später auch aus dem Muskeleiweiß.
Es findet eine Umstellung des Energiestoffwechsels statt. Es fällt der Energieverbrauch durch Nahrungsverdauung und -verwertung weg (das macht immerhin ein Drittel des Gesamtumsatzes aus). Auch die restlichen Körperfunktionen werden eher auf Sparflamme gefahren, was sich z. B. in vermehrter Kälteempfindlichkeit zeigt.
Diese Umstellung benötigt aber einige Tage. Danach kann der Gesunde problemlos eine oder zwei Wochen weiterfasten, allerdings unter Beachtung notwendiger Vorgangsweisen: regelmäßige Darmreinigung, viel Bewegung, ausreichende Möglichkeiten zu Ruhephasen, viel trinken. Ganz wichtig ist dann der langsame Einstieg in das Essen nach dem Fasten (die Aufbautage).
Nicht zuletzt bringt das Fasten das seelische Kräftegleichgewicht in Bewegung, und damit umzugehen, ist die eigentliche Aufgabe beim Fasten. Da all dies für viele schwierig ist, ist es ratsam, nicht alleine zu fasten.
Von der Physiologie her gesehen sind also ein Tag Nahrungsenthaltung noch kein wirkliches Fasten.
einmal wöchentlich will ich fortfahren damit zur Stärkung der
Willenskraft.
Ab und zu habe ich auch überhaupt keinen Hunger. Ich als Yogi
ernähre ich sehr gesund. Yogis fasten in erster Linie, um den
Geist und die Sinne zu kontrollieren.
Das ist sehr interessant. Allerdings frage ich mich, ob die real existierenden Aufgaben, die das Leben an einen heranträgt und die man sich selbst stellen kann, nicht ohnehin in ausreichendem Maß Gelegenheit zur Schulung der Willenskraft bieten oder sich dafür nutzen lassen. Ein Freund von mir drückte es einmal so aus: „der Yoga, den das Leben schreibt“.
Und ich frage mich auch, wenn Du eh oft keinen Hunger hast, die Nahrungsenthaltung Dir also nicht schwer zu fallen scheint, worin besteht dann die Stärkung Deiner Willenskraft?
Grüße,
I.