Weisheitszähne und Narkoseform (lang)
Von: , Frage gestellt am Di, 14. Sep 2004
Liebe Experten,
ich bin ein wenig ratlos.
Meine Weisheitszähne sollen extrahiert werden, alle viere. Im Grunde schien es nur zwei Alternativen zu geben: die Vollnarkose mit dem Nachteil, dass sie den Organismus recht stark belastet, dass einem anschließend ziemlich übel werden kann und dass letztlich jede Vollnarkose das Risiko des Nicht-wieder-Aufwachens birgt; oder aber eine Lokalanästhesie, deren Nachteil wäre, dass man zwar schmerzfrei, aber doch bei Bewusstsein die OP durchlebt und dass man im Übrigen für vier Weißheitszähne zwei Termine braucht.
Da mir von allen Fachkundigen immer zu der örtlichen Betäubung geraten wurde, hatte ich mich eigentlich schon dafür entschieden, als mir der Kieferchirug, bei dem ich heute einen Termin hatte, wie selbstverständlich eine ganz andere Lösung vorschlug: eine Schlafnarkose nämlich, aber wohl eine Art "mildere Form", nämlich ohne Gas (also auch ohne den berühmten Schlauch, den man schlucken muss).
Diese Narkose soll das Bewusstsein ausschalten, nicht aber den Schmerz, deswegen würde es zusätzlich die lokale Betäubung geben. Oder anders gesagt: Lokalanästhesie und zusätzlich kurzzeitige Ausschaltung des Bewusstseins.
Der Chirug erklärte mir, dass ich sogar in das Aufwachzimmer selbstständig würde laufen können und dass ich übrigens auch gleich nach der OP wieder aufwachen würde.
Ich wies ihn darauf hin, dass ich ein ganz besonderes Problem mit Übelkeit habe, weil ich eigentlich darauf hinwirken wollte, dass er starke Mittel gegen Übelkeit bereitstellt. Der Arzt ging darauf aber ein, indem er sagte, diese Form der Schlafnarkose würde gar keine Übelkeit nach sich ziehen (denn die komme vom Gas, und das Gas werde ja nicht benutzt).
Eigentlich klingt das ja traumhaft, denn man kombiniert hier ja die Vorteile der Methoden "nur örtlich" und "total"; ich kann alles in "einem Abwasch" machen, ich bekomme nichts vom Eingriff mit (es gibt vermutlich Schlimmeres, aber auch sicherlich schönere Sinneseindrücke), trotzdem bin ich danach ziemlich schnell wieder fit und die Übelkeit tritt nicht auf (was mir besonders wichtig ist, davor habe ich nämlich die meiste Angst). Die Gefahr des "Nichtaufwachens" sei im Übrigen geringer als die Todesgefahr auf dem Weg von zu Hause zur Praxis, was ja ein bißchen Ähnlichkeit hat mit dem "Fliegen ist gar nicht so gefährlich"-Argumentationsstil.
Nur: Wenn das so easy ist, wieso machen es nicht alle Operateure so? Wieso hat mir noch nie ein Zahnarzt oder sonst jemand gesagt, dass es gewissermaßen diesen "Mittelweg" gebt? Das ist doch traumhaft - man bekommt nix mit, man muss nicht zwei Mal hingehen, und der Organismus wird trotzdem kaum belastet.
So, und weil das eigentlich zu schön klingt, bin ich ein bißchen skeptisch. Wieso ist diese Art der Narkose bei der Entfernung von Weisheitszähnen denn nicht Standard? Wieso quält man Leute - scheinbar unbegründeterweise - mit Lokalanästhesie oder Vollnarkose?
Gibt es jemanden, der mir irgendwas dazzu sagen kann und möchte?
Es würde sich sehr freuen:
Levay
PS. Zusatzfrage für die Einser-Kandidaten: Wieso muss man Schmerzen bei jemandem ausschalten, der gar kein Bewusstsein hat? Wer, wenn nicht jemand bei Bewusstsein, soll den Schmerzen wahrnehmen? Ist die zusätzliche Lokalanästhesie da, damit der Aufwachvorgang nicht so schmerzhaft wird? Der Arzt sagte eigentlich ziemlich klar, dass durch die Schlafnarkose der Schmerz nicht ausgeschaltet wird; ich hätte für ein Schmerzbewusstsein überhaupt ein Bewusstsein vorausgesetzt.
PPS. Welche Erfahrungen habt ihr eigentlich alle so gemacht? Haben die Schmerzmittel nach der OP geholfen? Kann ich begründet hoffen, dass es nicht allzu schlimm wird und dass am Ende die Angst vor allem schlimmer sein wird als das, wovor ich Angst habe?
