Schlagartig wieder nüchtern

In der Literatur (also der Belletristik) wird gern geschrieben, jemand sei nach einem Schreck o. ä. schlagartig wieder nüchtern geworden.
Abgesehen davon, dass natürlich nicht auf einen Plauz sämtlicher Alkohol im Blut (v. a. hinter der Blut-Hirn-Schranke, von wo er meines Wissens nicht mehr zurück kommt, oder doch?) abgebaut werden kann, gibt es einen solchen Effekt tatsächlich? Es müsste ja dann irgendwie mit dem plötzlichen Adrenalin-Überschuss zu tun haben. Ich bekomme jetzt aber nicht den Zusammenhang mit der Endorphin-Ausschüttung gebacken. (Soweit ich weiß, führt der Alkohol zu kurzzeitig vermehrter, später dann aber mangelder Endorphin-Ausschüttung. Was tut jetzt das Adrenalin? Haben die Endorphine überhaupt mit dem Effekt zu tun?)
Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen, man wird wohl nicht nüchtern, sondern nur (kurzzeitig?) wieder reaktionsfähiger. Ist das richtig?

Ich hoffe, die Antwort wird nicht so kompliziert wie vermutlich die Vorgänge im Körper dabei sind.
Grüße,
Andreas

In der Literatur (also der Belletristik) wird gern
geschrieben, jemand sei nach einem Schreck o. ä. schlagartig
wieder nüchtern geworden.
Abgesehen davon, dass natürlich nicht auf einen Plauz
sämtlicher Alkohol im Blut (v. a. hinter der
Blut-Hirn-Schranke, von wo er meines Wissens nicht mehr zurück
kommt, oder doch?)

Ähm, ich glaube schon. So viel ich weiß, wird Alkohol schlicht durch Diffusion verteilt, dockt sich dann im Hirn an Rezeptoren an (frag mich jetzt nicht genau, welche) und wenn der Blutspiegel sinkt, diffundiert er zurück. Abgebaut wird er afaik nur in der Leber, und dann wird noch ein bisschen über die Nieren ausgeschieden. Ich wüsste jetzt nicht, wie er im Gehirn abgebaut werden sollte, aber für deine Frage irrelevant, weil die Rückdiffusion sicher nicht „auf einen Plauz“ passiert.

abgebaut werden kann, gibt es einen solchen
Effekt tatsächlich? Es müsste ja dann irgendwie mit dem
plötzlichen Adrenalin-Überschuss zu tun haben. Ich bekomme
jetzt aber nicht den Zusammenhang mit der
Endorphin-Ausschüttung gebacken. (Soweit ich weiß, führt der
Alkohol zu kurzzeitig vermehrter, später dann aber mangelder
Endorphin-Ausschüttung. Was tut jetzt das Adrenalin? Haben die
Endorphine überhaupt mit dem Effekt zu tun?)
Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen, man wird wohl nicht
nüchtern, sondern nur (kurzzeitig?) wieder reaktionsfähiger.
Ist das richtig?

So würde ich das auch sehen. Du bist ja bei einem Schreck oft plötzlich hellwach (auch z.B. aus tiefem Schlaf kommend), und nicht wirklich nüchtern, aber einfach wacher. In der Realität kommen dann bei Betrunkenen oft einfach falsche Handlungen, Geschwindigkeit ist halt nicht alles. Adrenalin verengt die Gefäße, beschleunigt den Herzschlag, erweitert Bronchien und fördert damit die Sauerstoffaufnahme und löst Energien aus den Körperspeichern - kurz, es tut alles, damit du schnell auf irgendwas reagieren kannst.

Mit den Endorphinen hat das meiner Meinung nach gar nix zu tun. So viel ich weiß, sind die einfach viel langsamer. Sie dienen dann mehr der Schmerzbekämpfung und der „seelischen Beruhigung“ und wirken sicherlich zumindest teilweise antagonistisch zum Adrenalin, aber die erste Reaktion des Körpers beim Schrecken ist einmal massenhaft Adrenalin rauszuhauen, damit du ganz schnell vor dem Säbelzahntiger davonrennen kannst.

Das ist nun allerdings durchaus _nicht_ mein Spezialgebiet.

Livia

In der Literatur (also der Belletristik) wird gern
geschrieben, jemand sei nach einem Schreck o. ä. schlagartig
wieder nüchtern geworden.
Abgesehen davon, dass natürlich nicht auf einen Plauz
sämtlicher Alkohol im Blut (v. a. hinter der
Blut-Hirn-Schranke, von wo er meines Wissens nicht mehr zurück
kommt, oder doch?)

Ähm, ich glaube schon. So viel ich weiß, wird Alkohol schlicht
durch Diffusion verteilt, dockt sich dann im Hirn an
Rezeptoren an (frag mich jetzt nicht genau, welche) und wenn
der Blutspiegel sinkt, diffundiert er zurück. Abgebaut wird er
afaik nur in der Leber, und dann wird noch ein bisschen über
die Nieren ausgeschieden. Ich wüsste jetzt nicht, wie er im
Gehirn abgebaut werden sollte, aber für deine Frage
irrelevant, weil die Rückdiffusion sicher nicht „auf einen
Plauz“ passiert.

abgebaut werden kann, gibt es einen solchen
Effekt tatsächlich? Es müsste ja dann irgendwie mit dem
plötzlichen Adrenalin-Überschuss zu tun haben. Ich bekomme
jetzt aber nicht den Zusammenhang mit der
Endorphin-Ausschüttung gebacken. (Soweit ich weiß, führt der
Alkohol zu kurzzeitig vermehrter, später dann aber mangelder
Endorphin-Ausschüttung. Was tut jetzt das Adrenalin? Haben die
Endorphine überhaupt mit dem Effekt zu tun?)
Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen, man wird wohl nicht
nüchtern, sondern nur (kurzzeitig?) wieder reaktionsfähiger.
Ist das richtig?

So würde ich das auch sehen. Du bist ja bei einem Schreck oft
plötzlich hellwach (auch z.B. aus tiefem Schlaf kommend), und
nicht wirklich nüchtern, aber einfach wacher. In der Realität
kommen dann bei Betrunkenen oft einfach falsche Handlungen,
Geschwindigkeit ist halt nicht alles.

Das war der Tipp, der mir gefehlt hat. Der „plötzlich Ernüchterte“ ist keineswegs zurechnungsfähiger, sogar unberechenbararer in seinen Reaktionen (die schneller sind als die des Betrunkenen, aber genauso falsch).

Adrenalin verengt die
Gefäße, beschleunigt den Herzschlag, erweitert Bronchien und
fördert damit die Sauerstoffaufnahme und löst Energien aus den
Körperspeichern - kurz, es tut alles, damit du schnell auf
irgendwas reagieren kannst.

Mit den Endorphinen hat das meiner Meinung nach gar nix zu
tun. So viel ich weiß, sind die einfach viel langsamer. Sie
dienen dann mehr der Schmerzbekämpfung und der „seelischen
Beruhigung“ und wirken sicherlich zumindest teilweise
antagonistisch zum Adrenalin, aber die erste Reaktion des
Körpers beim Schrecken ist einmal massenhaft Adrenalin
rauszuhauen, damit du ganz schnell vor dem Säbelzahntiger
davonrennen kannst.

Ich war auf die Endorphine wohl zu sehr abgefahren (hihi: wer ist das nicht?). Deine Entwirrung der Adrenalin-/Endorphin-Welt war mir sehr hilfreich.

Das ist nun allerdings durchaus _nicht_ mein Spezialgebiet.

Livia

Danke + Gruß + Stern,
Andreas

Hallo,
ein „Schreck“ bzw. ein stärkerer Adrenalinausstoß ernüchtert an sich nur subjektiv. Weder ist man kognitiv leistungsfähiger, noch gleicht er die durch Alkohol verursachten Defizite der Motorik aus. Man fühlt sich fälschlicherweise „wach“ aber an sich wirkt der Alkohol noch im gleichem Maße (d.h. u.a. kein Abbau, keine Hemmung/Blockade der GABAA Rezeptoren, keine Steigerung der Wirkung von Glutamat).

Gruss
Enno

Das war der Tipp, der mir gefehlt hat. Der „plötzlich
Ernüchterte“ ist keineswegs zurechnungsfähiger, sogar
unberechenbararer in seinen Reaktionen (die schneller sind als
die des Betrunkenen, aber genauso falsch).

Ich fühle mich missverstanden.
War

nicht wirklich nüchtern, aber einfach wacher. In der Realität
kommen dann bei Betrunkenen oft einfach falsche Handlungen,
Geschwindigkeit ist halt nicht alles.

nicht deutlich genug?

Aber vielen Dank für das Sterndl. Tut mir gut. Es macht mir ja viel Spaß, zu schreiben und Sachen zu erklären. :smile:)

Livia