Hallo Gollum,
es gibt beim Blut verschiedene Faktoren, die beim Spenden-Empfangen relevant sind. Die bekanntesten sind das AB0-System sowie der Rhesus-Faktor. Die beiden haben primär nichts miteinander zu tun.
Beim AB0-System bilden sich in den ersten Lebensmonaten Antikörper gegen die Antigene (Moleküle auf den Blutkörperchen) anderer Blutgruppen:
A bildet Antikörper gegen B
B bildet Antikörper gegen A
AB bildet keine Antikörper
0 bildet Antikörper gegen A und B (damit auch gegen AB)
Falls ich noch richtig im Bild bin, fehlen dem 0-Blut die Antigene, da es sonst eben mit sich selbst reagieren würde. Deshalb kann jemand mit Blutgruppe 0 jedem anderen Blut spenden, da ohne Antigene keine Reaktion erfolgt, aber nur Blut der Gruppe 0 empfangen, da es bei allen anderen Spenden zu den gefährlichen Verklumpungsreaktionen kommt.
AB kann jede Blutgruppe gespendet bekommen, da die Antikörper fehlen und die empfangenen Antigene somit irrelevant sind.
Jemand mit Blutgruppe 0 ist also Universalspender wegen der fehlenden Antigene und jemand mit AB Universalempfänger wegen der fehlenden Antikörper.
Der Rhesusfaktor gehört zu einem anderen Blutgruppensystem. Hier gibt es Menschen, die ein Antigen besitzen, das man als Rhesusfaktor (Rh+) bezeichnet und gegen das Menschen ohne dieses Antigen (Rh-) Antikörper bilden. Im Unterschied zum AB0-System werden die Antikörper erst einige Zeit nach dem Kontakt mit dem Antigen produziert, so daß ein erster Kontakt ungefährlich ist. Hier gilt, daß rhesusnegatives Blut wegen der fehlenden Antigene für einen rhesuspositiven Empfänger verträglich ist. Allerdings gibt es drei „Rhesusgruppen“, die als C, D und E bezeichnet werden, wobei D zu den gefährlichsten Reaktionen führt.
Jemand mit 0 negativ (für C, D und E) wäre also Universalspender (wegen fehlender Antigene) und jemand mit AB positiv wäre dann Universalempfänger wegen der fehlenden Antikörper. Derartige Transfusionen werden allerdings nur im absoluten Notfall vorgenommen; falls irgendwie möglich, wird immer das passende Blut transfundiert.
Ein weiteres System ist der Kellfaktor, der aber weniger bekannt ist, weil nur reinerbig kellpositive Menschen kellpositives Blut brauchen. Der Anteil liegt weit unter einem Prozent.
Übrigens: Es ist möglich, die Bildung von Antikörpern gegen den Rhesusfaktor durch bestimmte Injektionen zu verhindern. Dies wird standardmäßig bei rh-negativen Frauen während Schwangerschaften durchgeführt, da sonst für die Kinder nach der ersten Schwangerschaft (auch bei Fehlgeburten) durch die Antikörperreaktionen erhebliche Schäden (von Gelbsucht bis schlimmstenfalls Tod) eintreten können.
Gruß
mowei