Rauchvergiftung

ot: Todeskampf
Hallo,
off-topic aber ich frage mich, woher die Angst vor einem qualvollen aber dennoch zeitlich sehr begrenzten Sterbevorgang herrührt. Die Vorstellung zu ertrinken, empfinde ich auch als wesentlich unangenehmer, als z.B. durch eine Explosion abrupt aus dem Leben zu scheiden. Vor dem Hintergrund des Glaubens nach dem Tod, wäre das evtl. noch einzusehen (je nachdem, was an Erinnerungen „dorthin“ mitgenommen wird). Nur glaube ich nicht an derartiges. Vermutlich ist man gar nicht in der Lage den Tod in seiner Bedeutung zu realisieren und zu empfinden und sieht nur die Qualen. So als würden sie z.B. im Rahmen einer Krankheit auftreten. Vollständig verstehe ich nicht, woher diese irrationalen Befürchtungen kommen.

Gruss
Enno

Merkwürdige Überlegung
Hi Enno!

Ich verstehe Dein Problem nicht. Bloß weil man danach tot ist, ist es einem doch nicht egal, WIE man stirbt. Da der Körper zudem ja in aller Regel darum kämpft, weiterleben zu können, kann es ziemlich unangenehme Arten geben, zu Tode zu kommen.
Jemand der im Begriff ist, zu ersticken, ist sicher nicht in der Lage zu denken: „Tja, die Situation ist jetzt ätzend aber ziehen wir’s durch, hinterher kann ich mich ja lang genug ausruhen.“

Gruß
Peter

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[weiterhin OT] Die Macht der Medien
Hallo Enno,

off-topic aber ich frage mich, woher die Angst vor einem
qualvollen aber dennoch zeitlich sehr begrenzten Sterbevorgang
herrührt.

Schau Dir doch jede beliebeige Krimiserie an… Da fällt nicht einfach mal einer um und ist tot! Ja, wo kämen wir denn dahin, wenn einer die Unverfrorenheit besäße, so etwas zu tun?!

Da fliegen Angeschossene meterweit rückwärts durch die Gegend, anstatt - wie es sich gehört - schlicht in sich zusammenzusacken. Da winden sich Vergiftungsopfer (und zwar scheißegal, ob sie per Algenvernichter, eine Dröhnung Benzodiazepine, den dem manipulierten Kamin entströmenden Dämpfen oder Zyanid, erledigt werden - Hauptsache er windet sich und der Zuschauer leidet mit) stets röchelnd in tödlichen Krämpfen, anstatt still und leise abzutreten. Ja, da tritt auch das Erhängungsopfer mit dem durchtrennten Rückenmark minutenlang am Strick um sich uuuuuund der Kandidat, dem die Kehle (sprich: nicht nur die Carotiden sondern auch der Kehlkopf) zuschauerwirksam mit einem Katana durchschnitten wurde, kann sich - trotz des enormen Blutverlustes und der damit verbundenen Unterversorgung des Gehirns - selbstverständlich noch zum Telephon schleppen, 911 (wahlweise: 110) wählen und zumindestens in den Hörer röcheln. Oooooder mit ihrem Blut noch ein paar Buchstaben auf die Wand zu kritzeln.

Die Leute sehen so etwas jeden Tag im Fernsehen und das wirkt eben - also nach dem Motto ‚was für eine grausige Vorstellung so entsetzlich sterben zu müssen‘.

Ein weiterer Aspekt ist, daß die meisten von uns heutzutage keinerlei Berührungspunkte mit dem Tod haben bzw. noch nie erlebt haben, wie ein Mensch stirbt, deswegen übernehmen sie eben die Horrorvorstellungen, die in den Medien dargestellt werden. Dabei ist der Tod für gewöhnlich ganz leise…

Grüße

Renee

PS. Ich habe keine Angst vor dem Tod bzw. dem Sterben, ich habe lediglich Angst vor dem Dahinsiechen, aber dafür habe ich längst entsprechende Vorkehrungen getroffen. An dieser Stelle hören wir lieber auf, sonst sind wir wieder in einer Diskussion über die Sterbehilfe, die in ein anderes Brett gehört.

Hallo,

Ich verstehe Dein Problem nicht.

ich teilweise auch nicht :wink:.

Bloß weil man danach tot ist, ist es einem doch nicht egal, WIE man stirbt.

Die Frage ist, wie man Empfindungen - gute und schlechte (z.B. Schmerzen) - bewertet. Wird die Empfindung für sich „isoliert“ bewertet, also z.B. ohne Berücksichtigung des weiteren Lebensverlaufs oder sieht man z.B. den Wert von Empfindungen mehr in ihrem „prägenden Einfluß“ auf die Persönlichkeit und damit als etwas an, was den weiteren Lebenverlauf ggf. beeinflußt. Kürzer: liegt der Wert der Empfindung im jetzt oder im zukünftigen ?

Gruss
Enno

Hallo,
nein ich meine warum verursacht z.B. der Tod durch Verbrennen oder Ertrinken Panik gegenüber dem friedlichen Entschlafen ? Das mutet seltsam an, obwohl ich es mir selbst noch nicht „griffig“ erklären kann.

Gruss
Enno

Hallo Gandalf,

das ist ja das Hauptproblem: der Geruchssinn wird beim Schlafen mehr oder weniger abgeschaltet. Der Rauch kann noch so sehr stinken, man riecht es nicht. Ein Feuerwehrmann hat mir mal erzählt, dass die Opfer sehr oft im Bett liegen, als ob sie schlafen. Deswegen auch: Feuermelder installieren!

Gruß

Johannes

Hi,

Liegt der Wert der Empfindung im jetzt oder im zukünftigen ?

Das ist eine weltanschauliche Frage, aber ich denke, er _muß_ im Zukünftigen liegen. So lernen wir es eigentlich auch - Schmerz (z.B.) ist sicherlich auch in jenem Augenblick, also dem „Jetzt“ des Empfindens präsent, aber ungleich stärker und vor allem länger wirkt er hernach.

Schmerz kann Dein Leben verändern, was ist das gegen die paar Stunden, die Du ihn empfindest?

Trotzdem seh ich wie Renee da eine Grenze - ein monatelanges Dahinsiechen kann’s auch nicht sein - irgendwann ist auch mal genug.

Gruß,

Malte.

Hallo,
nein ich meine warum verursacht z.B. der Tod durch Verbrennen
oder Ertrinken Panik gegenüber dem friedlichen Entschlafen ?
Das mutet seltsam an, obwohl ich es mir selbst noch nicht
„griffig“ erklären kann.

weil es unangenehm ist?
Dreh es doch mal um: Wäre dir die Vorstellung, friedlich zu (ent)schlafen, angenehmer als die Vorstellung in Krämpfen und mit Schmerzen zu sein. Warum soll ein Sterbender nicht den gleichen Wunsch nach Schmerzfreiheit und Wohlbefinden haben wie jeder andere Mensch auch?

Und was das Ausgangsposting betrifft: Für die Angehörigen ist die Vorstellung vom Tod das letzte, was sie von dem geliebten Menschen haben. Da ist es doch völlig logisch, dass sie da eine angenehme Vorstellung haben wollen.

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Livia

Hallo,

weil es unangenehm ist?

sicher im Moment - nur welche Bedeutung hat das noch vor dem sehr zeitnah anstehenden Tod ?
Die Fragestellung kam im Rahmen einer kürzlich geführten Diskussion über Suizid im Bekanntenkreis auf (vor dem Hintergrund der Wahl des Ansatzes). Dort spielen zwar noch andere Faktoren eine Rolle (z.B. Sicherheit des Ansatzes) aber ich war der einzige, der den mit dem Ableben einhergehenden Schmerzen kaum bzw. kein Gewicht beigemessen hat.

Wäre dir die Vorstellung, friedlich zu
(ent)schlafen, angenehmer als die Vorstellung in Krämpfen und mit Schmerzen zu sein.

Gefühlsmäßig sicher aber ich frage mich halt warum überhaupt.

Da ist es doch völlig logisch, dass sie da
eine angenehme Vorstellung haben wollen.

Vermutlich weil sie mit dem Tod plötzlich konfrontiert wurden und die Schmerzen unmittelbar vor dem Tod mit Schmerzen im Rahmen einer später geheilten Krankheit gleichsetzen, d.h. der Kontext im dem die Schmerzen empfunden werden, scheint belanglos.

Gruss
Enno

Hallo,
sehe ich genauso, obwohl ich noch nicht klar sehe :wink:.

Gruss
Enno

Hi,

sehe ich genauso, obwohl ich noch nicht klar sehe :wink:.

wo ist’s denn noch vernebelt?

Was prinzipbedingt unscharf ist, ist die Grenze.
Außerdem ist der „Wirkungsgrad“ von Erkenntnis/Entwicklung durch Schmerzereignisse (ich bleib mal beim Beispiel „Schmerz“) individuell.

Gruß,

Malte.

Eine Rauchvergiftung wird in der Fachsprache als CO-Intoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) bezeichnet. Dass mit den drei bis vier Atemzügen stimmt durchaus wenn eine hohe CO-Konzentration eingeatmet wird. Man schläft einfach ein (wie die Selbstmörder mit dem Schlauch im Auspuff).

Schmerzlos ist es:

http://www.hbo-freiburg.de/aerzte/rauchgasverg.html

Bei einem Hausbrand entstehen neben CO aber auch Dioxine und Blausäure. Und vor allem Lungenreizstoffe wie Ammoniak, Schwefeldioxid, Chlor, Chlorwasserstoffe usw.

Und das ist durchaus qualvoll. Denn man versucht zu atmen und kann es durch z. B. Flüssigkeit in der Lunge nicht.

Oft werden die Opfer vom CO schon bewusstlos bevor sie die Reizstoffe wirken. Zum Beispiel wenn sie schlafen. Ich kann mich Gandalfs Feuerwehrmann nur anschließen: Rauchmelder installieren.

Übringens: 95 % der Feuertoten sterben an CO-Vergiftungen. 70 % der Toten nachts wenn sie schlafen.

Hallo,

weil es unangenehm ist?

sicher im Moment - nur welche Bedeutung hat das noch vor dem
sehr zeitnah anstehenden Tod ?
Die Fragestellung kam im Rahmen einer kürzlich geführten
Diskussion über Suizid im Bekanntenkreis auf (vor dem
Hintergrund der Wahl des Ansatzes). Dort spielen zwar noch
andere Faktoren eine Rolle (z.B. Sicherheit des Ansatzes) aber
ich war der einzige, der den mit dem Ableben einhergehenden
Schmerzen kaum bzw. kein Gewicht beigemessen hat.

Nun, für den gänzlich Außenstehenden ist das vielleicht so, aber als Betroffener denkt man auch in aussichtsloser Lage noch daran, diese Schmerzen zu vermeiden. Es tut halt einfach weh. Darum springen ja Leute auch aus brennenden Häusern. Als Nahestehender projeziert man dazu noch seine Schmerzerfahrungen mithinein. und leidet sozusagen mit.

Ein anderes Beispiel ist der gute alte Scheiterhaufen. War man noch einigermaßen brav, wurde man vorher gnädig erdrosselt. War mein weiter uneinsichtig, wurde man bei lebendigen Leibe verbrannt. Ähnliches bei anderen Foltertoden wie rädern oder kreuzigen.

Die Abscheu vor einem Sterben unter Qualen ist also nicht nur ein heutiges Medienphänomen, wie oben beschrieben, sondern ein schöner und ehrenvoller Tod (auch bei Suizid wie z.B. bei Seneca) gehörte schon immer zu einem wirklich erfüllten Leben.

Hi!

Vielleicht liegt es daran, daß Enno durch den Sport das Selbstschinden so gewohnt ist, daß er denkt auch das Ableben müsse auf die Maso-Tour vollzogen werden. :wink:

Aber sag’ mal, was sind denn das für Alternativen: Verbrannt oder erdrosselt … das ist ja wie Teufel oder Beelzebub… gab’s nichts wirklich gnädiges?

Gruß
Peter

Hmm,

wo ist’s denn noch vernebelt?

z.B., ob das Erklärungsmodell („Jetzt“ vs. „Zukünftiges“, ggf. beide präsent mit unterschiedlicher Gewichtung) hinreichend viel Aspekte abdeckt, um „vollständig genug“ das Verhalten zu erklären. An sich liegt das, was mich glauben läßt, daß dem Erklärungsmodell etwas fehlt, ebenfalls im (Meta :wink:) Nebel oder einen Tick präziser, liefert mir die Introspektion in dem Punkt nur wenig verwertbares. Vom Gefühl fehlt noch etwas wichtiges.

Gruss
Enno

Hallo,

Vielleicht liegt es daran, daß Enno durch den Sport das
Selbstschinden so gewohnt ist, daß er denkt auch das Ableben
müsse auf die Maso-Tour vollzogen werden. :wink:

echt nicht *g* - mein Idealbild davon ist ohnehin eine Utopie. Ich werte den schmerzvollen Tod ja auch nicht höher, sondern messe Schmerzen bei einem relativ kurzen Todeskampf keine sonderliche Bedeutung zu.

Gruss
Enno

Hallo,

Nun, für den gänzlich Außenstehenden ist das vielleicht so,
aber als Betroffener denkt man auch in aussichtsloser Lage
noch daran, diese Schmerzen zu vermeiden. Es tut halt einfach
weh. Darum springen ja Leute auch aus brennenden Häusern.

„denkt“ im Sinne „Denken“ / „Verstand“ / „Ratio“ paßt m.M. nicht so gut. Man reagiert auf die Schmerzen, das ist richtig. Evtl. bereut man in diesem Moment auch die Entscheidung, für den Fall, daß die Art des Ablebens frei wählbar war. Nur - wie gesagt - was spielt es noch für eine Rolle ? Womit in meinen Denken scheinbar der prägenden Rolle der Gefühle für zukünftiges mehr Gewicht zukommt als dem Empfinden zum Zeitpunkt des Geschehens. Dem steht gegenüber (?), daß ich i.allg. wenig vorrausschauend handle (also nicht plane) und mehr auf spontanes Reagieren ausgerichtet bin (das ist auch die Einschätzung von Bekannten - in der Selbstwahrnehmung kann man ja gehörig daneben liegen).

Als Nahestehender projeziert man dazu noch seine
Schmerzerfahrungen mithinein. und leidet sozusagen mit.

Das ist vermutlich der Punkt. Nachempfinden passiert durch sinnvoll eingeschätzte Analogien.

Die Abscheu vor einem Sterben unter Qualen ist also nicht nur
ein heutiges Medienphänomen, wie oben beschrieben, sondern ein
schöner und ehrenvoller Tod (auch bei Suizid wie z.B. bei
Seneca) gehörte schon immer zu einem wirklich erfüllten Leben.

Durchaus eine akzeptable Einstellung.

Gruss
Enno