Kahnbeinband gerissen-OP erfolglos

Hallo,

nach einem Faustballtrainig verspürte ich einen Schmerz im Handgelenk – wie schon oft durch Überdehnung nach hinten. 2 Wochen später verspürte ich aber nach einer direkten Ballannahme mit dem Unterarm einen stechenden Schmerz im Handgelenk. Weiterspielen war nicht möglich. Eine Woche später ging ich zu Orthopäden. Röntgen ergab: keine Bruch, lediglich zu großer Abstand zwischen Kahn- und Mondbein. Ultraschall einen kleinen Erguß.
Therapie: Zinkleimverband und Voltarentabletten.
2 Wochen später nochmals Röntgen – keine weiteren Erkenntnisse. MRT veranlasst. Ergebnis: Band abgerissen.
47 Tage nach dem bewußten Sportunfall kam ich zur OP. Ergebnis: das Band konnte nicht mehr angenäht werden. Es wäre schon vernarbt. Die Verletzung müsse aber länger als die 47 Tage zurückliegen. Man hat lediglich zwei Nerven durchgetrennt. Das war vor 5 Tagen.
Fragen (ich bin 62):
Hätte man nach dem ersten Röntgenbild mit dem zu großen Knochenabstand nicht gleich einen Bandabriss annehmen müssen?
Kann der Chirurg feststellen, dass der Bandriss vor längerer Zeit als die 47 Tage erfolgt sein muss?
Hätte ein Bandersatz einoperiert werden können?
In diesem Zustand ist eine Überbelastung des defekten Gelenkes zu erwarten - Folge Arthrose. Muss ich meinen vielfältigen Sport mit Handbelastung beenden, um die Folgen lange hinauszuschieben? (Arten: Faustball, Volleyball, Windsurfen, Kraftsport, Nordicwalking, Rad- und Motorradfahren).
Kann ein Handgelenkorthese die Arthrosebildung hinausschieben?

Gruß
Otto

Hallo Otto! Folgendes:

Hätte man nach dem ersten Röntgenbild mit dem zu großen
Knochenabstand nicht gleich einen Bandabriss annehmen müssen?

Ja. Wenn der Knochenabstand wirklich deutlich vergrößert war, hätte man davon ausgehen müssen. Dies wird aber gerne und oft übersehen. Bei fraglich zu großem Abstand hätte z.B. die Gegenseite (Dein anderes Handgelenk) zum direkten Vergleich geröntgt werden können.

Kann der Chirurg feststellen, dass der Bandriss vor längerer
Zeit als die 47 Tage erfolgt sein muss?

Das Datum steht am Band leider nicht dran :wink: Ist allerdings möglich, da ein schon lange gerissenes Band einfach ganz anders aussieht (Verkalkung, Verknöcherung, Band abgebaut bzw. gar nicht mehr vorhanden, keine Fasern mehr vorhanden) als ein relativ „frisch“ gerissenes Band. Eine grobe Einschätzung des Alters eines Risses kann durch den Chirurgen erfolgen.

Hätte ein Bandersatz einoperiert werden können?

Gerissene Bänder sollten relativ kurzfristig wieder miteinander vernäht werden, die Möglichkeit eines Bandersatzes in diesem Bereich ist mir nicht bekannt. Ist sicherlich keine „Standard-Operation“ und höchstens als Experiment zu werten.

In diesem Zustand ist eine Überbelastung des defekten Gelenkes
zu erwarten - Folge Arthrose. Muss ich meinen vielfältigen
Sport mit Handbelastung beenden, um die Folgen lange
hinauszuschieben? (Arten: Faustball, Volleyball, Windsurfen,
Kraftsport, Nordicwalking, Rad- und Motorradfahren).

In Bezug auf die Arthrose: Ja!
Nichtsdestotrotz, Lebensqualität nicht aus den Augen verlieren! Versuch erst einmal, die o.g. Sportarten weniger oft auszuüben, da sie alle sehr handgelenks-belastend sind.

Kann ein Handgelenkorthese die Arthrosebildung hinausschieben?

Im Prinzip ja, Problem: durch eine hierdurch bedingte verminderte Beweglichkeit kann es unter anderem zum „Knochenabbau“ (Entkalzifizierung) und somit wiederum zu bewegungsabhängigen Schmerzen kommen, insbesondere bei Wiederabnahme der Orthese. Eine starke und dauerhafte Bewegungseinschränkung des Handgelenkes sollte vermieden werden.

Alles in allem sollte Dir bewußt sein, daß Du eine wirklich schwerwiegende Verletzung des Handgelenkes hast. Gerade dieses Band ist eines der wichtigsten des Handgelenkes. Bei einer Schädigung dieses Bandes ist eine normale Funktion der Handwurzelknochen nicht mehr möglich. Folgeerscheinungen mit Beschwerden sind zu erwarten.

Es tut mir sehr leid, daß ich Dir nichts aufmunternderes dazu sagen kann.

Tip: Mein Wissensstand entspricht ca. dem Jahr 2003, und ich bin kein HAND-Chirurg, sondern Assistenzarzt in der Allgemein-Chirurgie. Vielleicht solltest Du Dein Problem mal einer Uni-Klinik (Handchirurgie/Unfallchirurgie) vorstellen. Die sind in der Regel auf dem allerneusten Stand und auch mit allen technischen Möglichkeiten ausgestattet.

Liebe Grüße,

Armin

Hallo Armin,

herzlichen Dank für deine Infos. Ich war in einer vom Orthopäden als Kapazität bezeichneten Handchirurgie. Allerdings war der Chefarzt zu dieser Zeit nicht anwesend.
Die Uniklinik in der Nähe stand auch zur Auswahl. Vielleicht habe ich die falsche Auswahl getroffen.

Viele Grüße
Otto

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