Hallo Chris,
vielleicht, aber nur vielleicht leidest du unter einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.
Was ist ein Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür?
Ein Geschwür ist eine Wunde in der Schleimhaut und der Wand des Magens oder des Zwölffingerdarms. In leichteren Fällen ist nur die oberste Schicht der Schleimhaut betroffen (Erosion). Es kann aber auch die gesamte Schleimhaut oder die komplette Wand geschädigt sein (Ulcus). Der Begriff Magengeschwür wird im Allgemeinen sowohl für ein Geschwür im Magen (Ulcus ventriculi) als auch für ein Geschwür im Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni) verwendet.
Geschwüre des Zwölffingerdarms sind dreimal häufiger als Magengeschwüre. Beim Zwölffingerdarmgeschwür sind Männer häufiger betroffen als bei Frauen. Geschwüre können auch mehrfach (multipel) auftreten und sowohl Magen als auch Zwölffingerdarm gleichzeitig betreffen. Reicht das Geschwür tief in die Schleimhaut, können größere Blutgefäße eröffnet werden. Es kommt zu einer Blutung.
Wie entstehen Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre?
Ein Geschwür entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen den Faktoren, die die Schleimhaut schädigen, und solchen, die sie schützen. Dadurch kann die sehr aggressive Magensäure sowohl die Wand des Magens als auch die des Zwölffingerdarms schädigen. Eine Infektion oder verschiedene Medikamente können dieses Gleichgewicht stören.
Ein besonderer Risikofaktor bei der Entstehung von Geschwüren ist die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Bei 75 Prozent der Magengeschwüre und über 95 Prozent der Zwölffingerdarmgeschwüre kann dieses Bakterium nachgewiesen werden. Die Infektion führt zunächst zu einer Schleimhautentzündung (chronische Gastritis). Wenn dann zusätzliche Risikofaktoren wie z.B. Medikamente oder Rauchen dazukommen, entsteht ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Das erklärt auch, dass etwa 50 Prozent der Bevölkerung mit diesem Bakterium infiziert ist, ohne ein Geschwür zu bekommen.
Auch Patienten ohne Helicobacter pylori-Infektion können ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür bekommen. Besonders gefährdet sind Menschen, die regelmäßig Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) einnehmen. Diese Medikamenteneinnahme erhöht das Entstehungsrisiko eines Geschwürs um das Vierfache. Sehr selten sind Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse Ursache eines Geschwürs. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. So bekommen Patienten mit der Blutgruppe O häufiger Zwölffingerdarmgeschwüre als Patienten mit anderen Blutgruppen.
Auch nach großen Operationen, Unfällen oder Verbrennungen können Geschwüre entstehen. Diese werden Stressulkus genannt.
Welche Anzeichen gibt es bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?
Die Symptome sind bei Magengeschwüren und Zwölffingerdarmgeschwüren unterschiedlich. Typisch für das Zwölffingerdarmgeschwür ist der Nüchternschmerz und Schmerzen nachts. Der Schmerz bessert sich durch die Nahrungsaufnahme. Beim Magengeschwür sind die Schmerzen teilweise unabhängig von der Nahrungsaufnahme oder sie treten direkt nach der Nahrungsaufnahme auf. Bei beiden Geschwürarten ist der drückende oder brennende Schmerz im Oberbauch unterhalb des Brustbeins lokalisiert. Manchmal treten auch unspezifische Symptome wie Übelkeit oder Appetitlosigkeit auf.
Etwa ein Drittel der Geschwüre wird erst durch eine Komplikation bemerkt. Dies trifft besonders dann zu, wenn Schmerzmedikamente eingenommen werden. Die häufigste Komplikation ist die Blutung. Blutungen zeigen sich durch schwarzen Stuhlgang (Teerstuhl), da das Blut durch den sauren Magensaft so verändert wird, dass es schwarz wird. Massive Blutungen führen auch zum Erbrechen des Blutes (Hämatemesis). Eine seltenere Komplikation ist der Durchbruch des Geschwürs durch alle Wandteile in die Bauchhöhle (es entsteht ein Loch). Da Nahrung dann in die Bauchhöhle gelangt, kann es zu einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) kommen. Das führt zu stärksten Schmerzen im gesamten Bauchraum.
Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür festgestellt?
Die Krankengeschichte des Patienten gibt dem Arzt erste Hinweise. Zur Bestätigung des Verdachtes auf ein Geschwür wird ein Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt. Der genauere Begriff ist Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, da bei der Magenspiegelung immer auch die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm inspiziert werden. Während der Spiegelung kann eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der der Magenschleimhaut entnommen werden, in der sich durch einen Schnelltest das Bakterium Helicobacter pylori nachweisen lässt. Gewebeproben werden auch für mikroskopische Untersuchungen zur Unterscheidung zwischen einem (gutartigen) Magenulkus und einem Magenkrebs (Magenkarzinom) gewonnen.
Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür behandelt?
Die Behandlung des Magengeschwürs ist abhängig davon, ob Helicobacter pylori nachgewiesen wurden ist oder nicht. Ist das Bakterium nachgewiesen worden, bekommt der Patient sowohl die Kombination zweier Antibiotika als auch ein säurereduzierendes Medikamente. In Fachkreisen wird diese Therapie Eradikationstherapie genannt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben aber bereits 28 Prozent der deutschen Patienten vor dieser Behandlung bereits eine Resistenz gegen eines der Antibiotika entwickelt. Eine wirksame Behandlung ist dann wesentlich schwieriger. Wurde das Bakterium nicht nachgewiesen, kommen nur säurereduzierende Medikamente in Frage. Verschwinden nach der Therapie die Schmerzen, muss bei einem Zwölffingerdarmgeschwür nicht immer eine Kontroll-Magenspiegelung durchgeführt werden. Beim Magengeschwür muss jedoch immer eine Kontrolle erfolgen, da hier das Risiko einer bösartigen Veränderung größer ist. In etwa drei Prozent führt ein chronisches Magengeschwür zu Magenkrebs.
Entscheidend für die Therapie ist, dass alle schädigenden Faktoren ausgeschaltet werden. Ist das Magengeschwür abgeheilt, ist in der Regel keine weitere Behandlung erforderlich. Alkohol, Rauchen und bestimmte Schmerzmittel sollten jedoch weiter gemieden werden, denn nicht selten kommt es zu einem Wiederauftreten der Geschwüre. Dann wird eine erneute medikamentöse Therapie durchgeführt.
Eine Magenblutung kann heute in den meisten Fällen auch während einer Magenspiegelung gestillt werden. Möglichkeiten hierzu sind die Einspritzung eines Eiweiß-Klebstoffes durch eine spezielle Sonde, die in das Endoskop(den Schlauch für die Magenspiegelung) eingeführt wird. Alternativ kann ein blutendes Gefäß durch Aufsetzen eines Metall-Clips verschlossen werden. Ist die Blutung jedoch sehr stark, kann eine Operation notwendig werden.Bei einem Magendurchbruch (Perforation) ist eine Operation zum Verschluss des Loches unumgänglich.
Wie ist die Prognose für ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?
Die moderne medikamentöse Therapie zur Hemmung der Säureproduktion hat die Heilungsraten der Geschwüre deutlich verbessert. Ein weiterer Durchbruch war in den letzten Jahren die Erkenntnis, dass Helicobacter pylori wesentlich an der Entstehung von Geschwüren beteiligt ist: Durch eine antibiotische Zusatztherapie konnte die Prognose noch einmal entscheidend verbessert werden.
Gruss Sandra